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Ostkreis Ist das Freibad nicht ganz dicht?
Landkreis Ostkreis Ist das Freibad nicht ganz dicht?
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14:00 30.10.2020
Die Sanierung des Freibades gerät ins Stocken, weil der Boden, in dem die neuen Leitungen liegen, nicht dicht genug ist. Quelle: Florian Lerchbacher
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Neustadt

Lang lief alles optimal bei den großen Bauprojekten der Stadt Neustadt. Nun gab es zwei vergleichsweise kleinere und dann auch einen größeren Rückschlag bei der Sanierung des Freibades. Die Kommune muss bei dem 2,9 Millionen Euro schweren Projekt Mehrkosten in Höhe von 300.000 Euro hinnehmen (beide Summen netto – bei einem wirtschaftlichen Betrieb ist die Mehrwertsteuer zu vernachlässigen, wie Bürgermeister Thomas Groll betont). Allerdings hat sie eine Zusage der Region Marburger Land erhalten, dass es 150.000 Euro an Fördergeldern aus EU-Mitteln gibt. Der finanzielle Mehraufwand sei also erträglich, so der Rathauschef. Kleiner Rückschlag Nummer zwei: Nach zwei erfolglosen Anläufen schreibt die Stadt derzeit zum dritten Mal den Wasserspielplatz aus und hofft, dass sich endlich eine Firma findet, die den Bau übernimmt.

Auswirkungen auf Wiedereröffnung 2021

Nicht ganz so leicht zu verkraften ist allerdings die neueste schlechte Nachricht: Es seien „Verdichtungsprobleme“ aufgetreten, berichtet der Bürgermeister. Will heißen: Um die Becken liegen Leitungen, die erneuert und mit Sand abgedeckt wurden. Darauf soll Pflaster gelegt werden, wofür ein bestimmter Verdichtungswert beim Boden essenziell ist – der allerdings verpasst wurde. „Die notwendigen Werte haben wir nicht erreicht“, sagt Groll und ergänzt: „Wir müssen schauen, wie wir jetzt damit umgehen.“ Die Werte ignorieren und trotzdem pflastern komme nicht infrage, denn dann gebe es die Gefahr der Setzungen.

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Das Planungsbüro und die bauausführende Firma sollen nun „ihre Arbeit noch einmal hinterfragen“: „Spekulationen, was gemacht werden muss oder kann, sind verfrüht“, sagt Groll. Auf die bekannt schwierigen Bodenverhältnisse seien die Probleme jedenfalls kaum zurückzuführen: „Ein Gutachter muss nun schauen, ob die Probleme in der Planung oder der Bauausführung begründet sind. Es spricht vieles dafür, dass etwas hätte anders gemacht werden müssen – aber wer und was lässt sich jetzt noch nicht sagen.“ Es könnte sein, dass nun noch einmal Teile ausgebaggert werden müssen oder sogenannter Flüssigboden zum Einsatz kommt, der dann aushärtet. Doch zunächst gilt es, das Gutachten abzuwarten. Eine Befürchtung ist, dass diese Probleme beim Bau Auswirkungen auf die für Mai 2021 geplante Wiedereröffnung haben. „Aber auch da ist es noch zu früh zu sagen, dass sich der Termin wirklich verschiebt“, sagt Groll und resümiert: „Wenn man rund 12,5 Millionen Euro verbaut, dann treten eben auch mal Dinge ein, die so nicht voraussehbar waren.“

Leuchtrum-Projekt: keine Probleme beim Bau

Beim absoluten Leuchtturmprojekt der Stadt, dem Neubau des Kultur- und Bürgerzentrums, laufen die Arbeiten laut Groll problemlos: „Wenn, dann sind es Kleinigkeiten, die sich verändern. Es muss mal ein Türrahmen oder ein Heizkörper ein paar Zentimeter verschoben werden – aber das ist eben so, wenn Planungen an die Realität angepasst werden.“ Jüngst brachte die Stadt die Bestellung von Stühlen und Tischen auf den Weg, die Bühne ist bereits fertig, das Parkett liegt, an der Außenanlage wird fleißig gearbeitet. „Bis auf die Endreinigung ist alles vergeben“, freut sich Groll und berichtet, dass die Kosten zwischen 30.000 und 40.000 Euro über den Schätzungen von insgesamt 6,6 Millionen Euro liegen. Angesichts dieser minimalen Abweichung sei durchaus von einer Punktlandung zu sprechen: „Ich bin sehr zufrieden und sehr optimistisch, dass wir zum Jahresende fertig werden.“

Dennoch bedauere er, dass „ein so schönes Haus nach gegenwärtiger Planung im ersten Quartal 2021 nicht genutzt wird“ – höchstens vielleicht mal für eine Versammlung der Stadtverordneten, aber eben nicht für Karnevalsveranstaltungen, Theateraufführungen oder Ähnliches. „Aber selbst bei aller Freude über so ein Gebäude darf man sich nicht zum Leichtsinn treiben lassen“, sagt Groll. Will heißen, die Stadt werde nach der Fertigstellung nicht „auf Teufel komm raus“ versuchen, Leben durch Veranstaltungen in den Neubau zu bringen – das sei in Corona-Zeiten nicht zu verantworten. Selbst für das für April geplante Gastspiel des Landestheaters heiße es noch abzuwarten, wie sich die Pandemie entwickelt.

Von Florian Lerchbacher