Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Investor präsentiert Pläne für Affenpark
Landkreis Ostkreis Investor präsentiert Pläne für Affenpark
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:58 14.05.2020
Tobias Görge präsentierte während der Parlamentssitzung die Pläne. Quelle: Foto: Florian Lerchbacher
Anzeige
Amöneburg

Viele Wochen ruhte das politische Leben in Amöneburg – doch dann ging es am Montag gleich mit einem Knaller wieder los: Unter dem unscheinbaren Punkt „Mitteilungen“ fand sich ein Thema, das nicht nur außergewöhnlich viele Besucher anlockte, sondern auch bei den Bürgervertretern auf großes Interesse stieß.

Siamangs, Kattas und Erdmännchen

Zahlreiche Frage hatten Amöneburgs Stadtverordneten, als Tobias Görge ihnen das Millionenprojekt „Affenpark mit Rodelbahn“ vorstellte, das er gemeinsam mit seiner Familie auf dem Gelände des ehemaligen Steinbruchs umsetzen möchte (die OP berichtete ausführlich). Die aus Stadtallendorf stammenden und in Marburg wohnenden Görges setzen sich seit rund einem halben Jahr mit der Fläche zwischen Lindaukapelle und Stadtmitte auseinander. Sie möchten dort einen Park mit drei Gehegen einrichten, in denen – natürlich getrennt – Siamangs, Kattas (und eines Tages eventuell schwarzweiße Varis) sowie Erdmännchen leben. Außerdem soll auf der Anlage eine Doppelrodelbahn entstehen. „Man muss das aus finanziellen Aspekten kombinieren“, warf Dr. Dieter Minnemann ein, der das Projekt aus zoologischer Sicht als Experte betreut und den Stadtverordneten ebenfalls Rede und Antwort stand.

Anzeige

Temperaturen sind für die Affen kein Problem

Er stellte heraus, dass die beiden bereits existierenden Parks der Görges im Osten Deutschlands einen guten Ruf genießen und auch Tierschützer keine Einwände gegen die Haltung hätten. Noch dazu gehe die Zahl der in freier Wildbahn lebenden Siamangs und Kattas stark zurück und bald gebe es diese Arten in „nennenswerter Zahl“ nur noch in Tierparks. Und auch die Temperaturen seien für die Affen, die ihre eigenen Häuser bekommen, kein Problem. Außerdem werde auch die „einheimische Natur“ durch die entstehende „grüne Oase“ in ihrer Vielfalt gefördert. Minnemann versprach, dass die Haltungsstandards weitaus höher seien als die in Deutschland geltenden Mindestanforderungen. Als „Nebenattraktionen“ sind ein Kleinkinderspielplatz, ein Streichelzoo sowie ein Kiosk geplant. Auf Nachfrage von Winfried Nau (SPD) erläuterte Görge auch das Parkplatzkonzept. Quasi hinter dem Gelände Richtung Bundesstraße haben die Investoren eine Landwirtschaftliche Fläche ins Auge gefasst, auf der rund 250 Autos Platz finden können. Die Zufahrt soll über einen bisherigen Feldweg führen, die Abfahrt entlang der Lindaukapelle – eine Aussage, die bei den rund 15 Besuchern der Stadtverordnetenversammlung eine erste echte Reaktion hervorrief. Hatte zuvor Gabi Clement lediglich angeregt, Görge oder Minnemann könnten doch mal kurz das für die Siamangs typische Singen imitieren, so ging bei diesem Punkt ein kritisches Raunen durch die Besucherreihen.

„ErschwinglichesErlebnis“

Stefan Lauer (FWG) erkundigte sich, ob der Investor die Erschließung des Geländes finanzieren würde, was dieser mit einem knappen, aber aussagekräftigen „Ja“ beantwortete. Jochen Splettstößer (CDU) fragte, wie viele Vollzeitarbeitsstellen entstehen: Die Görges rechnen mit fünf – so wie auch in ihren zwei anderen Parks.

Reinhard Franke (CDU) fragte, mit wie vielen Besuchern die Görges rechnen, woraufhin Karl Jennemann (FWG) auch Infos über die Altersstruktur erbat. In einem Park liege der Schnitt bei 50000 Besuchern pro Jahr, im anderen bei 100 000, sagte Görge und ergänzte, dass vornehmlich junge Familien aber auch zahlreiche Senioren die Einrichtungen besuchen. Der Eintritt in den Affenpark koste fünf Euro und eine Fahrt mit der Rodelbahn 2,50 Euro. „Das könnte in Amöneburg aber auch etwas mehr werden, weil die Rodelbahn sehr teuer ist“, sagte Tobias Görge und sprach von einem „erschwinglichen Erlebnis“.

Auf Nachfrage Splettstößer erläuterte er, dass die Rodelbahn wahrscheinlich das lauteste Element der Gesamtanlage werde. Wenn die Schlitten über die Schweißnähte fahren, sei ein „Tack-Tack“ zu hören: „Aber jedes Auto auf der Straße ist lauter.“ Und Nau erklärte Görge noch, dass die Aufbauten maximal zwischen 2,50 und vier Metern (Kiosk) hoch seien.

Interessen „mangelhaft berücksichtigt“?

Anschließend folgte noch der Auftritt von Winfried Kaul (SPD), der für seinen Beitrag extra aufstand und sich ärgerte, dass Görge quasi fertige Pläne vorlegte: „Ich sehe die Interessen Amöneburgs mangelhaft berücksichtigt.“ Beispielsweise reiche es nicht, dass „nur“ ein Ausgang in Form eines kleinen Drehkreuzes den Besuchern den Weg Richtung Innenstadt ermöglicht. Ihm wäre es lieber gewesen, Stadtverordnete und Bürger hätten sich in die Ausgestaltung des Millionenprojektes einbringen können.

Zugpferd an der Grenze des sanften Tourismus

Er glaubt, das Projekt sei zwar ein Zugpferd – aber eben auch an der Grenze des „sanften Tourismus“, der auf der Anlage laut Bürgermeister Michael Plettenberg Einzug halten sollte. Dem Rathauschef unterstellte Kaul noch, seine Finger bei der Planung im Spiel gehabt zu haben. „Der Plan ist aus unserer Feder. Es gab kein Input Plettenbergs: Das Konzept ist so entwickelt, dass wir das Gelände am günstigsten nutzen können.“

Dr. Stefan Heck plant eine Bürgerversammlung

Letztendlich sprang Karl Jennemann Görge noch zur Seite: Er finde es gut, dass dieser ein Konzept präsentiere. „Jetzt ist der Auftakt gemacht und wir haben einen Plan, über den wir reden können.“ Passend dazu plant Stadtverordnetenvorsteher Dr. Stefan Heck (CDU), das Großprojekt zum Thema einer Bürgerversammlung zu machen. Wann diese stattfinden kann, sei aber natürlich abhängig von der weiteren Entwicklung der Corona-Pandemie.

Von Florian Lerchbacher

Ostkreis Fitnessstudios öffnen wieder - Fatness, Fitness und die neuen Regeln
13.05.2020
13.05.2020
Anzeige