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Ostkreis Garten soll den Austausch fördern
Landkreis Ostkreis Garten soll den Austausch fördern
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16:00 23.07.2019
Projektleiterin Magdalena Reeh (großes Foto, links) und Projektteilnehmerin Rosemarie Zerrouki präsentieren die Beete im neuen interkulturellen Stadtgarten von Stadtallendorf. Quelle: Marcello Di Cicco
Stadtallendorf

„Ein paar Baustellen gibt es noch“, sagt Magdalena Reeh und zeigt exemplarisch auf ein paar Holzpaletten, die gleich linker Hand hinter dem Eingang gestapelt und aneinandergereiht umherliegen. „Daraus soll eine Palettencouch werden“, verrät die 29-jährige Ethnologin und Islamwissenschaftlerin, die das Projekt „Interkultureller Stadtgarten Stadtallendorf“ als Teil der städtischen Gemeinwesenarbeit leitet und überzeugt ist: „Was die Möglichkeiten angeht, gibt es hier noch viel Luft nach oben.“

Beim ersten Rundgang vor seiner offiziellen Eröffnung am Freitag, 9. August (18 Uhr), wird schnell klar: Fertig ist der interkulturelle Stadtgarten Stadtallendorf noch nicht. Getan hat sich seit dem Projektstart im Frühjahr allerdings schon einiges auf dem knapp 200 Quadratmeter großen Gelände der ehemaligen Herrenwaldkirche, wo der Iglauer Weg und die Egerländer Straße aufeinandertreffen. War vor einigen Monaten hier noch alles zugewuchert, bietet sich dem Besucher nun der Blick unter anderem auf sechs kleine Beete, wo Familien und Einzelpersonen Obst und Gemüse anbauen können.

Nachbarschaftskonflikte vermeiden

„Hintergrund ist, dass hier viele Menschen in Sozialbauwohnungen leben und keinen eigenen Garten oder Balkon haben. Dies hat oft ein Ausweichen – etwa vor die eigene Wohnung – zur Folge, was wiederum zu Lärm und Ärger führen kann“, erklärt Reeh. Der Garten soll zum einen dazu dienen, Nachbarschaftskonflikte zu vermeiden, er soll zum anderen aber auch „Menschen aus den unterschiedlichen Kulturen, Generationen und Lebensverhältnissen zusammenbringen“, setzt Reeh auf die Begegnungen und gemeinschaftliche Nutzung des Stadtgartens.

Gemeinschaft stärken, Vorurteile abbauen, Identifikation der Menschen mit ihrem Wohnort fördern – dies sind weitere übergeordnete Ziele des Projektes, das im vergangenen Jahr mit einer Idee geboren wurde. Anschließend loteten die Verantwortlichen Möglichkeiten der Umsetzung aus und suchten nach einem Ort, der zentral liegt.

20 Euro Pacht pro Jahr für ein Beet

In der Auftaktsaison bestellen rund zehn Teilnehmer unterschiedlicher Nationalitäten die sechs Beete. Die Bilanz fällt bislang hervorragend aus, wie Reeh schwärmt: „Ich bin total begeistert, dass sich die Leute dieses Projekt so zu eigen machen.“ Kaum hat sie es ausgesprochen, schaut Rosemarie Zerrouki vorbei, die nur wenige Hundert Meter entfernt wohnt und eines der sechs Beete gepachtet hat. Pro Jahr kostet dies 20 Euro.

„Ich wollte mal etwas raus aus meiner Wohnung. Dieses Projekt bietet sich dafür super an“, findet Zerrouki, während Reeh darauf hinweist, wie wichtig es sei, dass die Teilnehmer „ihre eigenen Visionen einbringen“. Nach den ersten Monaten zeigt sich die Projektleiterin erfreut, „wie sich die Leute hier gegenseitig unterstützen“.

Apropos Unterstützung: Jene war dringend notwendig, um den neuen Stadtgarten zu dem zu machen, was er nun ist. „Knapp 1.000 Arbeitsstunden flossen in die Herrichtung des Gartens. Zwischen zehn und zwölf Leute waren daran regelmäßig beteiligt“, erzählt Reeh stolz. Das Gelände musste zunächst von Gestrüpp und Bäumen befreit und die Erde musste umgegraben werden. In der Folge wurden Beeteinfassungen gebaut, eine Terrasse mit Bänken angelegt, Hecken und Beerensträucher gepflanzt sowie eine Kräuterschnecke und ein barrierefreies Hochbeet angelegt. Der städtische Bauhof und ein ortsansässiges Gartenbau-Unternehmen halfen dabei.

von Marcello Di Cicco