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Ostkreis Wollte Angeklagter Geld für Drogen eintreiben?
Landkreis Ostkreis Wollte Angeklagter Geld für Drogen eintreiben?
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20:00 06.07.2021
Ein bei der Polizei als Intensivtäter bekannter 30 Jahre alter Angeklagter muss sich vor dem Landgericht wegen Bedrohung, Körperverletzung und Raub verantworten.
Ein bei der Polizei als Intensivtäter bekannter 30 Jahre alter Angeklagter muss sich vor dem Landgericht wegen Bedrohung, Körperverletzung und Raub verantworten. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Ein 30 Jahre alter Angeklagter muss sich vor dem Marburger Landgericht verantworten, weil ihm Bedrohung, Raub, Körperverletzung und Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz vorgeworfen werden. Die Taten ereigneten sich 2019 in Stadtallendorf und Kirchhain. Der Angeklagte, der bei der Polizei als Intensivtäter geführt wird, sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Die Polizei griff den Mann, der per Haftbefehl gesucht wurde, 2020 in Kirchhain auf, und fand bei ihm 30 bis 40 Tilidin-Tabletten.

Im Mai 2019 soll der Angeklagte bei einem 27 Jahre alten Mann auf offener Straße die Rückzahlung von 200 Euro Schulden eingefordert haben – und zwar mit Nachdruck: mit der Anhebung des Betrags auf 1 000 Euro, dann mit einer Kopfnuss, und schließlich zückte er ein Messer. Er soll gesagt haben: „Soll ich dich abstechen oder aufschlitzen?“ Dass der Angeklagte sich bei der Tat aggressiv verhalten hat, bestätigte eine Ex-Freundin des Opfers. Ein Messer hat aber nur die damalige Begleiterin des Angeklagten gesehen, eine heute 17-Jährige.

Opfer wurde von der Polizei ins Gericht gebracht

Das Opfer war zur Verhandlung zunächst nicht erschienen. Der 27-Jährige musste mit der Polizei ins Gericht gebracht werden. Gegen ihn wurde ein Ordnungsgeld von 300 Euro verhängt. Der 27-Jährige will die Ladung vergessen haben und verharmloste schließlich die Auseinandersetzung mit dem Angeklagten und sprach von einer „kleinen Schubserei“. Ein Messer habe er auch nicht wahrgenommen. Wohl aber hat es ein weiterer Zeuge gesehen, bei dem der 27-Jährige Schutz gesucht hatte, nachdem er vor dem Angeklagten geflüchtet war. Zudem habe das Opfer zu dem Zeugen gesagt: „Hilfe, er will mich abstechen.“ Der Zeuge, der nur zufällig bei der Auseinandersetzung zugegen war, berichtet von einer „riesen Hektik“, aber es sei „ja nichts passiert“. Im Nachhinein habe er gehört, dass es Gerüchten zufolge bei dem Streit um Rauschgift und um Schulden ging.

Verhandlung wird am 13. Juli fortgesetzt

Die zweite Tat ereignete sich im Juli 2019 auf dem Bahnsteig in Stadtallendorf. Eine heute 20-jährige Schülerin soll der Angeklagte bedroht und ihr das Smartphone aus der Hand gerissen haben – auch dabei soll die Begleichung von Schulden eine Rolle gespielt haben. Die 20-Jährige sprach davon, dass sie der Angeklagte massiv bedroht hat mit den Worten: „Ich bringe dich um.“ Warum der Angeklagte von ihr Geld gefordert hat – es sollen 800 Euro gewesen sein – konnte das Opfer nicht sagen.

Sie habe vor dem Angeklagten Angst gehabt, weil er bereits eine Woche vor der Tat von ihr ein weiteres Handy, ein Laptop und ein Tablet gefordert und bekommen habe. Diese Aussage kam für das Gericht überraschend, weil sie nicht in der polizeilichen Vernehmung Thema war. Auf die Frage des Verteidigers, ob die Zeugin bei dem Angeklagten Drogen gekauft hat, verweigerte sie das Zeugnis, um sich nicht selbst zu belasten.

Die Verhandlung wird am 13. Juli fortgesetzt. Dann soll möglicherweise ein weiterer Zeuge gehört werden, der eventuell Angaben zu den angeblichen Schulden machen kann, die der Angeklagte von den Opfern eingefordert hat. Zudem wird eine Sachverständige gehört.

Von Silke Pfeifer-Sternke

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