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Ostkreis „Schlaue Ampeln“ statt Vollsperrung möglich
Landkreis Ostkreis „Schlaue Ampeln“ statt Vollsperrung möglich
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18:00 19.11.2021
Auch an der Gleentalbrücke sind bis zu vier Meter hohe Lärmschutzwände geplant.
Auch an der Gleentalbrücke sind bis zu vier Meter hohe Lärmschutzwände geplant. Quelle: Visualisierung: Deges/Schüßler-Plan
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Niederklein

Das Thema A49-Baustelle beschäftigt die Menschen in Niederklein ganz offensichtlich. Am Mittwochabend war das Interesse an der Ortsbeiratssitzung im Bürgerhaus jedenfalls groß, mehr als 20 Zuhörer plus Kommunalpolitiker wollten sich informieren. Der Ortsbeirat hatte dazu unter anderem Jürgen Driebe, den Geschäftsführer der A49-Autobahngesellschaft und Bürgermeister Christian Somogyi eingeladen. Bei Driebes Vortrag ging es vor allem um den Lärmschutz und Wegeführungen in der Zukunft.

Ein Thema interessierte Ortsbeirat und Zuhörer an diesem Abend unabhängig davon besonders: Was wird der Straßenverbindung zwischen Niederklein und Stadtallendorf? Gibt es eine Vollsperrung der Landesstraße 3290 oder wie sähe die Alternative aus? Bürgermeister Christian Somogyi konnte an dieser Stelle erneut nur einen Zwischenstand der Gespräche mit den Fachbehörden, der Autobahngesellschaft und der Projektgesellschaft Deges bieten. Aber dieser Zwischenstand sieht derzeit keine Vollsperrung vor.

Zur Erinnerung: Im Planfeststellungsbeschluss ist eine elf Monate dauernde Vollsperrung der Straße vorgesehen. Dagegen wehrt sich die Stadt, aber auch der Kreis hat mit Blick auf Rettungsdienst und Feuerwehr Bedenken angemeldet (die OP berichtete). Eine Vollsperrung, so die Angst der Stadt, könnte zu einem Verkehrsinfarkt führen.

Lärmschutz streng nach Baurecht

Bei einer letzten großen Gesprächsrunde habe sich abgezeichnet, dass man ohne Vollsperrung, aber nicht ohne Einschränkungen auskäme, so Somogyi. Das könnte, vereinfacht ausgedrückt, so aussehen: So weit wie möglich wird die Landesstraße 3290 an das dann aktuelle Baufeld herangeführt. Dort könnte sie einspurig wohlgemerkt über einen entsprechend ausgebauten Radwegteil verlaufen. Ampeln mit einer intelligenten Steuerung sollen den Verkehr regeln. Die intelligente Steuerung wäre bei Feuerwehr- und Rettungsdiensteinsetzen wichtig.

Denn die Leitstelle müsste die Ampeln im Falle der Fälle so steuern können, dass die Rettungsfahrzeuge freie Fahrt hätten. Diese Lösung sei von allen akzeptiert worden, wenn sie denn technisch und planerisch möglich sei. Das prüft in den nächsten Wochen ein Fachbüro. Offen blieb am Mittwochabend die Frage aus dem Publikum, ob denn auch die Ampeln an der Kreuzung mit der B62 mitgesteuert werden könnten. Die Projektgesellschaft Deges, formal der Auftraggeber für den Bund, habe zugesagt „wir finden eine Lösung“, so Somogyi.

Beim Thema Lärmschutz zeigte Jürgen Driebe mehrere Visusalisierungen von verschiedenen Brückenbauwerken bei Niederklein, etwa von der Kirschbrückhege oder auch der Gleentalbrücke. Dort sind beispielsweise bis zu vier Meter hohe, gestaltete Lärmschutzzäune vorgeschrieben. Die entsprechenden Vorgaben stammen aus dem 2012 gefassten und gerichtlich bestätigten Planfeststellungsbeschluss. „Ein Lkw verschwindet hinter der vier Meter hohen Wand“, erklärte Driebe veranschaulichend.

Auch bei der Frage nach den Lärmgrenzwerten musste Driebe sich auf den Planfeststellungsbeschluss beziehen. Für Niederklein ist demnach vorausberechnet worden, dass der Lärm bei 41 bis 47 Dezibel liegen wird – erlaubt wären sogar 56 bis 57 Dezibel. Das sind die vor 2012 erfolgten Berechnungen.

Viele Wege zerschnitten

Ein weiterer Punkt am Mittwoch im Niederkleiner Bürgerhaus: Durch die Baustelle sind viele Wege rund um Niederklein und Stadtallendorf „zerschnitten“, also gesperrt. Betroffen ist seit längerem die Radwegeverbindung zwischen Kernstadt und größtem Stadtteil. Was wird damit nach dem Bau. Driebe wie auch Somogyi verwiesen darauf, dass die Wegebeziehungen wieder hergestellt werden müssen – wenn auch möglicherweise erst in der laufenden Flurbereinigung.

Unmut löste die Planung aus, den Radweg künftig an der Autobahnauffahrt Stadtallendorf-Süd quasi vorbeizuführen. Ortsvorsteherin Maria März hofft, dass sich da möglicherweise noch etwas verändern ließe.

Von Michael Rinde