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12:57 27.09.2020
Martina Trogrlic kümmert sich um das „Wir“-Projekt in Neustadt. Quelle: Florian Lerchbacher
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Neustadt

Martina Trogrlic hat sich in den vergangenen Jahren als Mitarbeiterin des Marburger Vereins bsj einen Namen gemacht: als Erzieherin im Waldkindergarten, als eine Ansprechpartnerin des Projektes „Drop in“ für Eltern mit Kindern unter drei Jahren und dann auch noch in der Jugendpflege.

Sie hat also viel Erfahrung in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen gesammelt. Nun übernimmt sie die Verantwortung über das „Wir“-Projekt (Wegweisende Integrationsansätze realisieren), dessen Ziel es ist, Menschen aus Südosteuropa in die Gesellschaft zu integrieren.

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Eine Expertin in Sachen Nachwuchsarbeit soll das Bindeglied zu 200 Menschen aus Bulgarien und Rumänien werden, die in der Kernstadt leben und keinen beziehungsweise kaum Kontakt zu den Neustädtern haben? Allerdings – und es ergibt auch Sinn! Da sind sich Trogrlic und Bürgermeister Thomas Groll einig.

Denn der Ansatz ist, Angebote für Kinder zu machen – und darüber die Eltern zu erreichen. „Kinder sind der Schlüssel zu Familien. Zu ihnen kann man am einfachsten Kontakt knüpfen und diesen dann auf die Eltern ausweiten“, meint Annika Schlüter von der ebenfalls durch den bsj betreuten Gemeinwesenarbeit, die Trogrlic in ihrer Arbeit unterstützen wird.

Bürgermeister ist hin- und hergerissen

Konkret geplant sei bisher beispielsweise, an den Jugendraum einzuladen, damit sich die Kinder dort mit Outdoor-Spielgeräten vergnügen können. Zudem sei vorgesehen, weitere Spielangebote zu machen, einen waldpädagogischen Ansatz einzubringen, eine Kooperation mit Fußballvereinen einzugehen, Nachbarschaftstreffen und eventuell auch Ausflüge anzubieten, erläutern die beiden Frauen.

Sie betonen in diesem Zusammenhang, dass sich die Freizeitangebote an alle Neustädter richten und nicht nur an bestimmte Zielgruppen. „Wir wollen, dass die Menschen sich begegnen“, sagt Schlüter. So sollen Gespräche entstehen, aus denen dann wiederum Interesse am Gegenüber und letztendlich Verständnis füreinander und ein Gemeinschaftssinn erwachsen. Insofern sei es auch sinnvoll, bei dem Projekt mit der Gemeinwesenarbeit und dem Familienzentrum zu kooperieren.

Hintergrund ist, dass in der Kernstadt rund 200 Menschen aus Rumänien und Bulgarien leben – die in die Gesellschaft integriert werden sollen. Als die Idee aufkam, das „Wir“-Projekt in Angriff zu nehmen, hatte Bürgermeister Thomas Groll bereits betont, dass er hin- und hergerissen sei – denn auf der einen Seite würden die Zugezogenen aus Osteuropa in der Kernstadt Gebäude kaufen, „die sonst keiner will“, und somit für Belebung sorgen.

Aus Waldkindergarten ausgestiegen

Auf der anderen Seite gebe es wiederholt Beschwerden über Ruhestörung und Müll, der achtlos weggeworfen werde – und das Einhalten der Schulpflicht sei auch nicht immer gewährleistet. Die Hoffnung ist, dass eine Kombination aus sozialer Ansprache und Hinweisen durch die Kommune und den Schutzmann vor Ort auf das geltende Recht bei den neuen Mitmenschen für eine Änderung des Verhaltens sorgt.

Der Stadt ist dieser Versuch 50.000 Euro wert, die sie ebenso wie das Land Hessen in den nächsten drei Jahren in das Projekt investiert. „Nicht, dass das missverstanden wird: Wie immer sind es einige wenige, die sich nicht an die Regeln halten und Probleme machen. Mit den meisten funktioniert das Zusammenleben problemlos“, betont Groll noch einmal.

Um sich für das „Wir“-Projekt einsetzen zu können, stieg Trogrlic aus der Arbeit im Waldkindergarten aus, der Stadtjugendpflege bleibt sie erhalten. Die Entscheidung zum Wechsel sei ihr nicht leicht gefallen, gibt sie zu. Nichtsdestotrotz habe sie sich dafür entschieden, weil ihr das Konzept zusage und die Kollegen sie empfohlen hatten. Auslöser dafür seien ihre Schwerpunkte im Studium der Erziehungs- und Bildungswissenschaften gewesen, die auf der außerschulischen Jugendbildung, der Erlebnispädagogik und der interkulturellen Arbeit lagen.

Von Florian Lerchbacher

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