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Ostkreis Initiative „JA49“: An Autobahn führt kein Weg vorbei
Landkreis Ostkreis Initiative „JA49“: An Autobahn führt kein Weg vorbei
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12:26 03.09.2020
Die Teilnehmer des Treffens in Stadtallendorf stehen zu ihrem Wunsch nach dem Weiterbau der Autobahn und geben dem Bündnis „JA49“ ein Gesicht. Quelle: Foto: Florian Lerchbacher
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Stadtallendorf

„Es ist eine wartende, schweigende Mehrheit, die den Weiterbau der Autobahn befürwortet“, sagt Bürgermeister Christian Somogyi während eines Treffens des Bündnisses „JA49“ in der Stadtallendorfer Stadthalle. Die Gegner des Straßenbau-Projektes seien vielleicht laut, aber die Befürworter mehr – und es sei notwendig, dass möglichst viele, die den Ausbau des Straßennetzes wünschen, dies eben auch zeigten.

Dies ist auch ein Grund, warum das Regionalmanagement Mittelhessen und sein Arbeitskreis A 49, dem Landkreise, Kommunen, Unternehmen, IHKs und Handwerkskammern angehören, eine Homepage (www.ja49.de) und eine Facebook-Seite ins Leben gerufen haben. Dort gibt es Informationen rund um die Planungen und das Projekt Autobahn 49 insgesamt.

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Außerdem stellt das Regionalmanagement aus seiner Sicht dar, was der Weiterbau bringen soll: eine nachhaltige Stärkung der Kommunen, eine bessere Verbindung der Großstädte, Standortvorteile für Unternehmen, mehr Wohn- und Lebensqualität für Anwohner, eine Entlastung des nachgelagerten Verkehrsnetzes und einen Beitrag zum Umweltschutz. Außerdem geben Befürworter der Initiative „JA49“ ein Gesicht – und erklären auch, warum sie für den Weiterbau sind.

Ganz so, wie Ullrich Eitel, der Geschäftsführer der Marburger Tapetenfabrik, Frank Wendzenski von der IHK Gießen-Friedberg und Bürgermeister Somogyi im Gespräch mit dieser Zeitung: Die Region werde als Wirtschaftsraum interessanter – und es komme entlang von Autobahnen stets zu Neuansiedlungen von Unternehmen, stellt Wendzenski heraus, betont aber auch gleichzeitig, dass Firmen Planungssicherheit benötigen: Nach 40 Jahren werde es Zeit, dass die lange versprochene Autobahnanbindung endlich kommt.

Das sieht auch Unternehmer Ullrich Eitel so: „Vor 40 Jahren haben hier Unternehmen angesiedelt, in dem Glauben, dass die Autobahn kommt. Das muss jetzt auch passieren.“ Die Region sei lange benachteiligt gewesen, doch Besserung ist in Sicht. Eine Autobahn stärke den Wirtschaftsstandort und verbessere die Arbeitsplatz-Situation: „Bisher wird die Erreichbarkeit der Betriebe einem Industriestandort nicht gerecht.“ Eine Aussage, der Somogyi nur beipflichten kann: „Es gibt die Verbindung Kassel–Frankfurt – und wir sind nicht angeschlossen. Das muss sich endlich ändern.“

„Die Fahrzeiten werden kürzer, die Erreichbarkeit besser, und dadurch, dass nicht mehr so viele Umwege gefahren werden müssen, reduziert sich auch die Belastung für die Umwelt“, sagt Eitel. Der Verkehr werde wirtschaftlicher und die Unfallgefahr auf ländlichen Straßen verringert – und auch die Anwohner der derzeit noch stark frequentierten „kleineren Straßen“ entlastet.

Die Forderung von Gegnern des Autobahn-Weiterbaus, Unternehmen sollten mehr auf den Schienen- statt den Straßenverkehr setzen, halten die drei Männer nicht für umsetzbar: Anlieferungen seien durchaus möglich, betont Eitel – das habe sich früher gezeigt, als die Tapetenfabrik noch einen entsprechenden Anschluss hatte.

Die heutige Infrastruktur der Bahn sei aber nicht ausreichend für Wirtschaftsverkehr: „Für ganz große Unternehmen mag das funktionieren, aber für kleinere nicht.“ Deren Vertrieb sei schlicht zu kleinteilig. Die Bahn müsste mehr Güter-Verkehrsknotenpunkte bereitstellen, wirft Wendzenski ein. „Um den Verkehr von der Straße auf die Schiene zu bekommen, bräuchte die Bahn 30 bis 50 Jahre – von den Kosten ganz zu schweigen“, meint Somogyi. Insofern sei dieser Ansatz als Alternative nicht sinnvoll. Genauer gesagt führe an der Autobahn kein Weg vorbei.

Den Arbeitskreis A 49 gibt es seit dem Jahr 2004. Ziel sei es, die Menschen auf dem Laufenden zu halten und ihnen fundierte Informationen und Argumente an die Hand zu geben, warum der Weiterbau notwendig sei, sagt Pressesprecher Manuel Heinrich: „So kann die schweigende Mehrheit zu einer sprechenden Mehrheit werden“, greift er Somogyis Worte auf.

Das jüngste Treffen des Arbeitskreises fand jedenfalls an einem historischen Tag statt, betont er: Am Dienstag, den 1. September, begann der 30-jährige Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der für den Bau und den Erhalt der Autobahn zuständigen Strabag Infrastrukturprojekt GmbH (spezialisiert auf öffentlich-private Partnerschaften).

Resolution für Weiterbau der A49

Mit den Stimmen von SPD, CDU und FDP hat die Kirchhainer Stadtverordnetenversammlung am Montagabend eine Resolution beschlossen, in der der „Weiterbau der A49 auf Grundlage des bestehenden Baurechts und eine zügige rechtsstaatliche Umsetzung“ gefordert wird. Dagegen sprachen sich die Grünen und die Linke aus. Demnach fordert das Kirchhainer Parlament „die Baumbesetzer auf, nach der nun erfolgten höchstrichterlichen Klärung der Rechtmäßigkeit des Projektes, die Baumhäuser im Dannenroder Forst rechtzeitig vor den beginnenden Baumaßnahmen friedlich zu verlassen“. Die CDU, auf deren Initiative der gemeinsame Antrag zurückgeht, habe sich seit Jahrzehnten für den Weiterbau der A 49 eingesetzt, betonte der Fraktionsvorsitzende Uwe Pöppler. Die Anwohner an der B 3 und der B 254 litten stark unter dem zunehmenden Verkehr. „Wichtig ist, dass es im Dannenroder Forst friedlich zugeht“, so Pöppler, „sowohl von denen, die dort protestieren und auf Bäume klettern, als auch vonseiten der Polizei.“

Die Linke dagegen sieht die Gefahr, dass durch den Weiterbau der A 49 nicht weniger, sondern mehr Verkehr auf Kirchhain zukomme, so Reinhard Heck. Die Fraktion Die Linke lehne den Weiterbau der A 49 entschieden ab: „Die Verkehrswende hat jetzt und nicht irgendwann zu erfolgen. Die bisherige Verkehrspolitik weg von der Schiene hin auf die Straße ist gescheitert.“ Er befürchtet: „Die vom Verkehr gequälten Ortschaften an der B3 und B 254 werden nicht wesentlich entlastet.“ Die Linke rufe sowohl die Protestierenden als auch die Einsatzkräfte zur Deeskalation auf.

Auch die Kirchhainer Grünen lehnten die Resolution ab. „Alles was da steht, wurde bereits beschlossen“, so Reinhard Nau. „Die Mehrheiten sind klar, deswegen wird die Autobahn vermutlich gebaut.“ Nau wirft den Planern „erhebliche Verfahrensmängel“ insbesondere im Grund- und Trinkwasserschutz vor. So bestehe bei der derzeitigen Planung die Gefahr, dass Trinkwasserbrunnen mit Straßenabwässern kontaminiert werden könnten. „Die A 49 wird eine Reduzierung des Verkehrs auf der B 3 und B 254 bringen, aber nicht, wie angekündigt, um 90 Prozent“, so Nau, der beklagte: „Über Alternativen zur A 49 wurde nie gesprochen.“

Ulrich Balzer von den Grünen sagte, er habe seine Haltung zur A 49 nach einem Besuch in dem Protestlager überdacht: „Ich habe dort viele junge, freundliche Menschen getroffen, die für ihre Zukunft kämpfen. Sie sind wütend auf unser System.“ Ständig werde hierzulande von Nachhaltigkeit gesprochen, aber anders gehandelt. „Sollen wir für eine Resolution abstimmen, die einen gesunden Wald opfert?“, fragte er. „Was antworten Sie ihren Kindern?: Unser Wohlstand war uns wichtiger als die Natur?“

Stadtverordnetenvorsteher Klaus Weber (SPD) betonte mehrfach: „Es ist ein Resolutionsantrag. Stadt und Landkreis haben keinen Einfluss auf den Bau der A 49. Wir sind guter Hoffnung, dass kritische Punkte noch aufgearbeitet werden können.“

von Uwe Badouin

von Florian Lerchbacher