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Ostkreis In Wolferode wächst neuer Wald
Landkreis Ostkreis In Wolferode wächst neuer Wald
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16:58 18.04.2020
Aufgehende Tannensaat im Wolferoder Wald. Bis daraus ein stattlicher Baum wird, dauert es. Quelle: Katja Peters
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Wolferode

Auch wenn durch die Corona-Pandemie der Holzmarkt tot ist und jedem Förster derzeit klar ist, dass es in den kommenden Jahren keine positive Deckung in den Bilanzen geben wird, schauen sie dennoch weiterhin in die Zukunft.

„Sie wird anders aussehen als erwartet“, ist Bernd Wegener, Leiter des Forstamtes Kirchhain, ehrlich. Und auch der Wald wird anders aussehen. Dafür sorgt gerade Mattias Sandrock, Revierförster in Wolferode. In seinem Revier gab es im Vergleich zu anderen Bereichen im Forstamt überschaubare Verluste durch den Borkenkäfer. Deshalb wird investiert.

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In den vergangenen Monaten hat es eine Bestandsaufnahme gegeben. „Manche Reviere sind so stark betroffen, da kommen wir mit dem Roden gar nicht hinterher“, resümiert Bernd Wegener. Vor dem Hintergrund, dass der Holzmarkt verstopft ist und es keine Abnehmer gibt, wird sich daher mehr auf die Reviere konzentriert, wo eine zeitnahe Aufforstung möglich ist. Und dazu gehört auch das von Mattias Sandrock.

Wolferodes Revierförster Mattias Sandrock pflanzt Roteichen-Eicheln. Quelle: Katja Peters

In der Nähe von Speckswinkel werden gerade auf einer Fläche von zwei Hektar Eichen, Hainbuche, Winterlinde und Kirsche gepflanzt. Bis zu 80 Bäume setzen die professionellen Pflanzer aus Lettland in der Stunde. Jeder Handgriff sitzt bei den 20.000 einjährigen Bäumen, die sie in den Waldboden stecken.

„70 Cent kostet etwa eine Pflanze, hinzu kommt die Pflege und der Verlust durch Mäuseverbiss“, erklärt Mattias Sandrock. Letzteres erweist sich immer wieder als großes Problem. Denn gegen die Rehe hilft ein teurer Wildzaun, gegen Mäuse nur Gift, das aber nicht eingesetzt werden darf.

„Es wird Jahrzehnte dauern“

„Aufforstung kostet richtig, richtig Geld“, weiß Bernd Wegener, der auf eine gute Mischung setzt. Aber: „Zu viel Mischung ist auch nicht gut.“ Durch das unterschiedliche Wachstum soll die Konkurrenz der Bäume entzerrt werden. Manche wachsen in der Jugend schnell, andere erst später. Das haben wir bei der Mischung beachtet“, erklärt er. So zählt die Linde zu den „dienenden Baumarten“ und auch als Alternativbaumart.

„Wer streut, fällt nicht“, sagt Bernd Wegener lachend und schiebt noch hinterher: „Das ist hier wie bei einem Aktienpaket. Die Fichte sorgt zwar für viel Gewinn, ist aber mit einem hohen Risiko behaftet. Das wollen wir jetzt mit der Mischung verteilen.“ Mattias Sandrock betont aber auch noch einmal: „Es wird Jahrzehnte dauern, bis hier wieder ein Wald steht.“ Und ob der dann auch für positive Bilanzen sorgt, das können die beiden Fachleute heute noch nicht absehen. Sie hoffen es.

Stolz auf die zarten Pflänzchen

Ebenfalls hoffen sie, dass die Roteichen anwachsen, die sie ein paar Kilometer weiter auf einer anderen Fläche ausgesät haben. Eichel für Eichel hat Mattias Sandrock in den Boden gebracht. Auch das ist eine neue Art der Aufforstung und ein Teil des „Aktienpaketes“. In einem intakten Bereich seines Revieres hat der Revierförster zudem eine „Kinderstube“ eingerichtet. Mit roter Sprühfarbe ist markiert, wo die Weißtannensamen ausgestreut wurden.

„Das nennt sich Voranbau“, erklärt der Förster, der ganz stolz auf die zarten Pflänzchen ist, die am Waldboden zu sehen sind. „Wenn sie hier, unter diesen natürlichen Bedingungen, heranwachsen, dann sind sie viel robuster als die Pflanzen aus der Baumschule“, ist er sich sicher. Auch das ist Vorsorge für die Zukunft und eine Investition in das „Aktienpaket“.

Von Katja Peters

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