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Ostkreis Wohnhäuser weichen für Sanierung
Landkreis Ostkreis Wohnhäuser weichen für Sanierung
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00:17 03.11.2018
Das frühere Wohnhaus Am Plausdorfer Tor 2 wird ab November abgerissen, um Altlasten zu sanieren.  Quelle: Michael Rinde
Stadtallendorf

Es ist augenscheinlich, dass das Wohnhaus in der Straße Am Plausdorfer Tor bereits leersteht. Mittlerweile gehört es dem Land Hessen. Das wird es ab Mitte November Zug um Zug abreißen. Zunächst dürfte es darum gehen, das Gebäude bis zum Keller abzutragen.

Es ist schon lange bekannt und klar, dass eine Sanierung nach bekanntem Muster bei diesem Wohnhaus allein aus wirtschaftlichen Gründen nicht möglich ist.

Seinerzeit hatte die HIM GmbH die Arbeiten für das Land ausgeschrieben. Das Ausschreibungsergebnis hatte allerdings zu Ergebnissen geführt, die weit jenseits der Erwartungen gelegen hatte. So kaufte das Land das Wohnhaus, um es nunmehr abzureißen und den Untergrund zu sanieren.

Nach Auskunft des Regierungspräsidiums (RP) in Gießen gegenüber der OP hat die Ausschreibung von Abbruch und Sanierung nunmehr eine Summe von einer Million Euro ergeben.

Dies bewege sich im Bereich der bei der Sanierungsplanung angesetzten Kosten, erklärt Thorsten Haas, stellvertretender Pressesprecher des RP. Die gesamten Arbeiten dauern nach jetzigem Stand bis August. Danach, so der bisherige Plan, entsteht dort ein wieder bebaubares Grundstück.

Aber es wird definitiv nicht das letzte Wohnhaus sein, dass wegen Rüstungsaltlasten aus der Zeit der Dynamit Aktiengesellschaft (DAG) vor dem Abriss steht. Wie die OP berichtete gibt es im DAG-Gebiet mehrere Häuser, bei denen Belastungen der Raumluft gemessen wurden.

Schuld sind Altlasten in, neben oder unter den früheren Lagern für sogenannte Toluole. Sie sind Grundstoffe für die Sprengstoffproduktion. Besonders problematisch sind dabei die Mononitrotoluole. Sie verbreiten auch eben jenen typischen Marzipangeruch, ein Hinweis auf die chemische Belastung.

Weitere Untersuchungen bei zwei Häusern

Zwischenzeitlich gab es bei vier bewohnten Häusern im DAG-Gebiet weitere Untersuchungen. Wichtig war es dabei vor allem, mehr darüber herauszufinden, wo genau sich die Altlasten verbergen und welchen Umfang sie haben. Nur so ist ein Sanierungskonzept möglich.

Wie das Regierungspräsidium auf Nachfrage der OP mitteilt, sind bei zwei Häusern noch weitere Untersuchungen nötig. Für zwei Gebäude gebe es inzwischen Sanierungsvarianten, die noch geprüft werden müssen.

Und bei einem weiteren Gebäude ist schon einige Zeit klar, dass auch dort der Abriss und die anschließende Sanierung die wirtschaftlichste Variante sein wird. Dort führt das Land inzwischen Gespräche mit dem Eigentümer über einen Verkauf. Noch gibt es offenbar keine Einigung über den Preis.

Land übernimmt auch weitere Kosten

In diesem Haus stehen mobile Lüftungsanlagen, um Schadstoffwerte niedrig zu halten. Es gebe für alle Betroffenen Verhaltensempfehlungen, so die Gießener Behörde.

Alle betroffenen Häuser sind nach wie vor bewohnt. Die Häuser liegen allesamt in verschiedenen Straßen im DAG-Gebiet.

Im nächsten Jahr wird nun die Altlast unter dem früheren Wohnhaus in der Straße Am Plausdorfer Tor im Vordergrund stehen. Für das Jahr 2020, so das Regierungspräsidium, stehen derzeit weitere Sanierungen an.

Die positive Nachricht für Betroffene: Das Land steht zur Sanierungsvereinbarung, die die Kostenübernahme regelt. Auch zum weiteren Kauf von Gebäuden, die sich nicht wirtschaftlich sanieren lassen, ist das Land offenbar bereit.

von Michael Rinde