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Ostkreis Drillings-Kälbchen in Emsdorf geboren
Landkreis Ostkreis Drillings-Kälbchen in Emsdorf geboren
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17:49 03.08.2019
Eine stolze Bauersfamilie mit ungewöhnlichem Nachwuchs (von links): Lukas, Silvia, Lena, Edgar und Johannes Paul mit ihren Drillings-Kälbern Lea, Lucky und Luna. Und das kleine Kätzchen wollte auch unbedingt mit aufs Foto. Quelle: Nadine Weigel
Emsdorf

Lea lässt sich ausgiebig liebkosen und knuddeln. Wie seine Geschwister­ lutscht Lucky­ gerne an Fingern und Händen. Luna springt frech durchs Stroh und hat so gar keine Lust stillzustehen. So ­unterschiedlich die süßen Drillingskälber sind, so unterschiedlich sind auch ihre Besitzer, die Zwillinge Lena und ­Lukas (13) und ­Johannes (7). Die drei Geschwister spielen mit ihren Kälbchen auf Edgar und Silvia Pauls Hof, der in Emsdorf unter dem Dorfnamen „Lorenze Hob“ bekannt ist.

„Drillinge – das hat es in Emsdorf noch nie gegeben“, weiß Nebenerwerbsbauer Edgar Paul. Er ist mittlerweile der letzte Kuhhalter im Ort. Dass gleich drei Kälbchen das Licht der Welt erblicken, damit hatte niemand auf dem Hof gerechnet.
Doch so ganz ungetrübt ist das dreifache Glück nicht, denn der Mutterkuh geht es nicht gut und tierärztliche Hilfe musste hinzugezogen werden.

„Wir sind baff, für Scarlet ist es die siebte Geburt – bis jetzt waren es immer einzelne Kälber, zwar geht es der Mutterkuh nicht so gut, aber das kriegen wir noch hin“, beschreibt Edgar Paul die Situ­ation. Nach der künstlichen ­Besamung, einer Trächtigkeitskontrolle und der Tragezeit von neun Monaten habe man zwar gewusst, dass die Geburt naht, aber nicht damit gerechnet, dass es gleich drei Kälbchen werden.

Geburt für die Mutterkuh eine enorme Belastung

Für Altbauer Theo Paul, oft der Erste im Stall, war es dann eine Überraschung, als am Morgen plötzlich „Luna“, das schwächste der drei Kälbchen, im Stroh lag. Umso mehr als klar war, dass die Geburt noch nicht vorbei war. Gemeinsam mit Schwiegertochter Silvia wurde „Lea“ auf die Welt gezogen.

Doch die zehnjährige Scarlet blieb unruhig, hatte weiterhin Wehen und „schwupp waren es drei“. Bullenkalb „Lucky“, das schwerste der drei Kälbchen, machte das Trio komplett. Bei ihrer Geburt brachten die Kälbchen zwischen 20 und 35 Kilo auf die Waage. Für die Familie ist die Drillingsgeburt ein „besonderes Geschenk, das aber einige Probleme mit sich bringt“.

Denn im Gegensatz zu den Kälbchen, die topfit sind, war für die Mutterkuh die Geburt eine enorme Belastung und Scarlet musste in einem separaten Laufstall untergebracht werden. Die Kuh hat Fieber, leidet an Kalziummangel und muss weiterhin tierärztlich überwacht werden. „Jede Geburt ist eine starke Belastung, bei drei Kälbern umso mehr“, berichtet Tierärztin Nina Kaus aus Wetter, nachdem sie der schwer atmenden Scarlett eine Infusion angelegt hat.

Familienbetrieb bewirtschaftet 58 Hektar Land

Bei Drillingsgeburten steige die Anfälligkeit von Gebärmutter- und Euterentzündungen, Fieber und Kalziummangel können auftreten. Für Kaus ist es schon die zweite Drillingsgeburt, die sie miterlebt. Auch bei der Drillingsgeburt im vergangenen Jahr in Rauschenberg versorgte sie die Tiere. Lena, Lukas und Johannes haben den drei Kälbern und der Mutterkuh Namen gegeben und sie in ihr Herz geschlossen.

Sie helfen morgens und abends beim Füttern mit der Flasche, halten den Nuckeleimer für die beiden schwereren Kälber und gehen den Eltern auch anderweitig zur Hand. Die 13-jährige Lena weiß auch schon ganz genau, dass sie einmal Tierärztin werden will.

Auch Zwillingsbruder Lukas zeigt Interesse an der Arbeit auf dem Hof und will einmal Landmaschinenschlosser werden. Insgesamt bewirtschaftet der Familienbetrieb 58 Hektar Land und kümmert sich um 30 Bullen, sieben Mutterkühe und 16 Schweine.

von Karin Waldhüter