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Ostkreis Planen von Tag zu Tag
Landkreis Ostkreis Planen von Tag zu Tag
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16:58 23.03.2020
An einem der früheren Teerbecken auf der Baustelle in der Saalestraße. Quelle: Andreas Jäckl
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Stadtallendorf

Seit Februar saniert das Land ein Grundstück in der Saalestraße in Stadtallendorf. In Zeiten der Corona-Krise arbeiten und planen die Altlastensanierer unter der Leitung der Him GmbH von Tag zu Tag. „Anders ist das jetzt nicht mehr möglich“, sagt Projektleiter Zrinko Rezic. Der Grund: Viele der Arbeiter auf der Baustelle sind Auswärtige, außerdem besteht natürlich auch immer das Risiko eines Ausfalls wegen einer Erkrankung am Coronavirus. Wobei im Kerngebiet der Sanierung ohnehin Schutzkleidung mit Atemschutzmaske zu tragen ist. Ansonsten gelten auf der Baustelle alle Vorgaben und Vorschriften zum Schutz vor Ansteckung wie überall üblich. Besprechungen finden seit längerem „aus der Ferne“ und aus sicheren Abständen statt. „Oberste Priorität hat immer die Gesundheit aller Mitarbeiter“, betont Rezic an dieser Stelle des Gesprächs mit der OP.

Bei dieser Altlasten-Baustelle geht es nicht um Munitionsreste oder Sprengstoff. Vielmehr geht es um die Vorprodukte für den Sprengstoff TNT. So mussten Salpeter- und Salzsäure in einer ausreichend hohen Konzentration vorhanden sein. Das geschah in einer Hochkonzentrationsanlage wie in der heutigen Saalestraße. Große Teile dieser Altlast sind lange saniert. Jetzt geht es um letzte Flächen. Im Boden liegen vor allem noch Teerreste, außerdem findet sich vereinzelt auch Mononitrotoluol, ein Vorprodukt des Sprengstoffs. „Bisher finden wir das, was wir auch erwartet haben“, sagt Projektleiter Rezic.

Stadt stellt Grundstück zur Verfügung

Teerreste, sogenannte polyaromatische Kohlenwasserstoffe (abgekürzt Paks), sind giftig und auf Dauer grundwasserschädigend, deshalb müssen sie zwingend aus der Erde geholt werden. Während die Entsorgung der Teerreste vergleichsweise einfach auf speziellen Deponien möglich ist, muss Erde mit Mononitrotoluol-Spuren verbrannt werden. Dafür gilt es immer wieder, geeignete Entsorgungsstätten zu finden. Eine davon befindet sich beispielsweise in Deutzen.

Beim Start gab es aufgrund von beengten Verhältnissen an der Baustelle etwas Probleme mit dem Unterbringen von unbelastetem Boden. Doch da half die Stadt Stadtallendorf, wie Rezic berichtet. Sie habe der Him GmbH ein Grundstück nahe des Wertstoffhofes überlassen, wo der Boden zwischengelagert wird.

Etwas Schwierigkeiten haben die Sanierungsfirmen derzeit mit Teilen der alten Becken im Boden. Die Armierungen seien sehr stark und die Betonwände entsprechend dick, erläutert Rezic. Die Erfahrungen hat man in Stadtallendorf immer wieder mit Rüstungsbauwerken aus der Zeit des Dritten Reiches gemacht. Wo Betonbauwerke wie jene Becken angetastet werden, ist der Aufwand dementsprechend hoch. In der weiteren Umgebung der Baustelle in der Saalestraße finden sich auch Wohn- und Industriegebäude. Angesichts der Baugruben gibt es täglich Messungen, ob sich Fundamente gesetzt haben könnten. Bisher gab es keine Auffälligkeiten. Auszuschließen sind solche Setzungen bei größeren Erdarbeiten nämlich nie ganz, wie die Him GmbH auch bestätigt.

Bleibt die Frage nach dem Zeitplan. „Bisher sind wir auch dort noch im Soll und wollen im Sommer mit allem fertig werden“, so Projektleiter Rezic. Ob das möglich sein wird, hängt jetzt entscheidend von den Auswirkungen der Corona-Krise ab. Etwa eine Million Euro ist für das gesamte Projekt veranschlagt. Davon zahlt das Land den überwiegenden Teil. Der jetzige Grundstückseigentümer bezahlt einen Anteil an den Arbeiten. Ein früherer Eigentümer wollte die Fläche seinerzeit nicht sanieren lassen.

Von Michael Rinde