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Ostkreis „Ich bin begeistert von der Hilfsbereitschaft“
Landkreis Ostkreis „Ich bin begeistert von der Hilfsbereitschaft“
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07:58 23.07.2021
Svenja Sauerwald vor dem Haus, das am Montag gebrannt hat. Momentan darf es nicht betreten werden. Die 42-Jährige setzt sich für ihre Tante ein, deren Wohnung vom Brand betroffen war. „Aber auch den anderen Mietern möchte ich helfen“, sagt sie.
Svenja Sauerwald vor dem Haus, das am Montag gebrannt hat. Momentan darf es nicht betreten werden. Die 42-Jährige setzt sich für ihre Tante ein, deren Wohnung vom Brand betroffen war. „Aber auch den anderen Mietern möchte ich helfen“, sagt sie. Quelle: Foto: Nadine Weigel
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Rauschenberg

Zerborstene Fensterscheiben, verkohlte Balken, schwarze Wände. Was das Feuer in der Wohnung im zweiten Obergeschoss im Haus in der Marktstraße angerichtet hat, lässt sich von der Straße aus nur erahnen. Ins Gebäude rein darf niemand. „Betreten verboten, bauaufsichtlich gesperrt“, steht auf dem großen gelben Schild, das mit Flatterband vor den Eingang des Gebäudes gespannt ist. „Ich würde ja gerne mal sehen, wie schlimm es ist“, sagt Svenja Sauerwald und schaut nach oben.

Die 42-Jährige ist nicht selbst betroffen von dem Brand. „Meine Tante hat hier gewohnt, aber die ist zur Kur“, erzählt sie und weiß selbst nicht, ob es gut oder schlecht ist, dass die Tante zwar den Brand nicht mit eigenen Augen miterleben musste, nun aber Angst vor der Heimkehr ins Ungewisse hat.

Montagmittag war das Feuer in der Nachbarwohnung von Svenja Sauerwalds Tante Erna ausgebrochen. Noch immer ist die Brandursache unklar. „Das Landeskriminalamt hat die Ermittlungen aufgenommen“, erklärt Polizeipressesprecher Martin Ahlich auf OP-Nachfrage. Die Feuerwehr rettete die beiden Bewohner aus der Brandwohnung, das Paar wurde mit Rauchgasvergiftungen ins Krankenhaus gebracht.

Die Einsatzkräfte verhinderten, dass sich das Feuer auf die Wohnungen der anderen Bewohner ausbreitete. Nur der beißende Rauch machte vor geschlossenen Türen nicht Halt. Die restlichen Mieter des Mehrparteienhauses, in dem sieben Personen gemeldet sind, blieben glücklicherweise unverletzt. Viele sind seitdem erst einmal bei Verwandten oder Freunden untergekommen. Für die obdachlosen Bewohner der Brandwohnung versucht die Stadt Rauschenberg nun eine städtische Unterkunft zu finden.

Svenja Sauerwald ist seit dem Brand quasi im Dauereinsatz. Die Beschäftigte im Einzelhandel ist froh, dass sie von ihrem Chef einen freien Tag bekommen hat. So konnte sie bereits eine neue Wohnung für ihre Tante organisieren. Nicht nur über das Entgegenkommen bei der Miete freut sich die 42-Jährige. „Die Hilfsbereitschaft der Rauschenberger ist riesig, ich bin total begeistert“, strahlt sie, die nun unentwegt für ein Ziel kämpft: Sie will ihrer Tante bis zur Rückkehr aus der Kur Anfang August ein neues Zuhause schaffen. Denn zum einen habe die Tante leider keine Hausratversicherung, zum anderen ist noch unklar, wie es mit dem Haus in der Marktstraße weitergeht, ob und wann die anderen Mieter zurück in ihre Wohnungen können.

Laut Pressestelle des Kreises hat die Bauaufsicht des Landkreises das Gebäude zwar bereits untersucht, der Bericht des Prüfsachverständigen lässt allerdings noch auf sich warten. „Ich weiß nicht, ob man aufgrund des Rauches noch irgendetwas aus der Wohnung meiner Tante verwenden kann“, so Sauerwald. Die Stadt Rauschenberg hat nun für die betroffenen Bewohner ein Spendenkonto eingerichtet und will auch die Verteilung der Geldspenden an die durch den Brand geschädigten Mieterinnen und Mieter übernehmen. Zudem gibt es auf Facebook einige Initiativen, die Möbel sowie Gebrauchsgegenstände für die Brandopfer sammeln.

„Ein Wohnzimmer habe ich für meine Tante schon zusammen“, freut sich Svenja Sauerwald und betont, dass sie andere Sachen doppelt oder dreifach angeboten bekommen habe. „Deshalb können sich gern auch die anderen betroffenen Mieter bei mir melden, wenn sie etwas brauchen“, betont sie. Zu erreichen sei sie über ihre Nummer im Telefonbuch oder über Facebook.

Svenja Sauerwald ist sich sicher, dass sie bis zur Rückkehr ihrer Tante aus der Kur einiges erreichen kann und auch die anderen betroffenen Familien den Brand-Schock überwinden können: „Zusammen schaffen wir das.“

Spendenkonto der Stadt Rauschenberg für die Geschädigten:

Sparkasse Marburg-Biedenkopf, BIC: HELADEF1MAR, IBAN: DE31 5335 0000 0072 0008 62, Stichwort: „Brandopferhilfe Marktstraße“

Von Nadine Weigel