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Ostkreis Hohe Haftstrafen für Zerstörungsserie
Landkreis Ostkreis Hohe Haftstrafen für Zerstörungsserie
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18:29 04.11.2020
Zwei der drei Angeklagten mit ihren Verteidigern. Quelle: Foto: Nadine Weigel
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Marburg

Seine Mitangeklagten, ein 30 Jahre alter Mann und ein 27 Jahre alter Mann aus dem Ostkreis und der Schwalm, müssen für 7 beziehungsweise 4,5 Jahre ins Gefängnis.

Mit dem Urteil, das Landgerichtspräsident Dr. Frank Oehm gestern verkündete, endete ein langer Prozess mit 18 Verhandlungstagen, 30 Zeugen und 4 Sachverständigen, der im August vor dem Landgericht Marburg begann. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Angeklagten und die Staatsanwaltschaft, die höhere Strafen – unter anderem Sicherungsverwahrung für den Hauptangeklagten – gefordert hatte, können noch Revision einlegen – also das Urteil auf mögliche Rechtsfehler prüfen lassen.

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Die Kammer befand die Angeklagten schuldig, zwischen November 2018 und August 2019 in wechselnden Gruppen-Zusammensetzungen 21 Straftaten begangen zu haben. Es war eine Zerstörungsserie. 15 Brandstiftungen stehen auf der Liste. Abgefackelt wurden unter anderem die Grillhütten in Kleinseelheim und am Weißen Stein in Wehrda.

Hinzu kommen, weit gravierender, sechs gefährliche Eingriffe in den Bahnverkehr, indem sie schwere Gegenstände auf die Gleise legten. Unter anderem verursachten sie einen Zugunfall zwischen Neustadt und Stadtallendorf am 9. April 2019. Der Sachschaden, den das Trio verursacht hat, beläuft sich insgesamt auf mehr als 500 000 Euro.

Richter Oehm sprach keine Sicherungsverwahrung für den Hauptangeklagten 51-Jährigen aus, obwohl „er auf dem Papier der ideale Kandidat dafür wäre“.

Zum einen ist er einschlägig vorbestraft, zum anderen sei auch davon auszugehen, dass er nach seiner Entlassung weitere Straftaten begehen werde. Ein Gutachter habe ihm ein Rückfallpotenzial von 50 Prozent attestiert. Aber Sicherungsverwahrung sei für schwerste Gewalt- und Sexualtäter vorgesehen, betonte Oehm. Der Angeklagte spiele in dieser Hinsicht „allenfalls in der 5. Amateurliga“.

Dem jüngsten Angeklagten, der viereinhalb Jahre ins Gefängnis geht, riet Oehm dringend zu einer Therapie, um sein Alkohol- und Drogenproblem anzugehen. Er sei in „eine hochspezifische Gruppe“ geraten, die Rückfallgefahr sei niedrig.

Bei den Urteilen seien die umfangreichen Geständnisse der Angeklagten, die zur Aufklärung der zahlreichen Taten beigetragen hätten, berücksichtigt worden. Ebenso die Tatsache, dass keine Menschen zu Schaden gekommen seien und dies von den Angeklagten nicht beabsichtigt gewesen sei.

Von Uwe Badouin