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Ostkreis Brückenbögen haben schon Bäuche
Landkreis Ostkreis Brückenbögen haben schon Bäuche
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12:58 05.06.2021
Die historische Brücke an der Niedlingsmühle ist nur begrenzt tragfähig.
Die historische Brücke an der Niedlingsmühle ist nur begrenzt tragfähig. Quelle: Michael Rinde
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Josbach

Ein Ortsfremder erkennt die Brücke an der Niedlingsmühle bei Josbach erst auf den zweiten oder dritten Blick, so sehr ist das Bauwerk seitlich von Büschen und Bäumen umgeben. Dabei handelt es sich um ein Kulturdenkmal. Möglicherweise ist dereinst sogar Napoleon Bonaparte mal darüber geritten, das Bauwerk ist Teil der alten Heerstraße. Das zumindest mutmaßte am Dienstagabend (1. Juni) ein Mitglied des Rauschenberger Bauausschusses beim Ortstermin an der Brücke.

Denn die Brücke an der Niedlingsmühle ist wohl marode. Das hatte sich bei einem Kurzgutachten des Ingenieurbüros Sachs aus Gemünden (Wohra) Ende vergangenen Jahres gezeigt. Auslöser für das Gutachten war seinerzeit eine Anfrage von B90/Die Grünen. Der Autor des Gutachtens stand dem Ausschuss am Dienstag (1. Juni) Rede und Antwort. Und er machte klar, dass an der Brücke dringend etwas geschehen sollte. Klar ist auch, dass die Brücke nicht abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden kann. Als Kulturdenkmal muss sie schonend wie nur möglich saniert werden. Das habe ein erster Kontakt mit dem Landesamt für Denkmalpflege bereits bestätigt, so der Ingenieur.

Experte hält zwölf Tonnen noch für vertretbar

Er zeichnete ein düsteres Bild vom Zustand der Brücke und machte klar, dass bis zu einer Sanierung die zulässige Tonnage für Fahrzeuge, die über die Brücke fahren, begrenzt werden sollte. Zwölf Tonnen zulässiges Gesamtgewicht hielte der Experte noch für vertretbar. Viele landwirtschaftliche Fahrzeuge haben ein weit höheres Gewicht. Das trifft auch auf verschiedene Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr zu, etwa, wenn sie größere Mengen Wasser mit sich führen. Allein deshalb setzt sich Rauschenbergs Bürgermeister Michael Emmerich (CDU) auch vehement für die Sanierung ein. Er hält sie für unverzichtbar. Zumal auch Müllfahrzeuge, die zur Niedlingsmühle führen, nicht dauerhaft Umwege in Kauf nehmen könnten, so Emmerich.

Es handelt sich um eine Sandsteinbrücke. „Die Brückenbögen haben inzwischen einen ordentlichen Bauch erhalten“, so der Gutachter. Kein gutes Zeichen, was den Zustand des Bauwerkes angeht. Manches wird man auch erst feststellen, wenn die Arbeiten einmal begonnen haben. Dann müssten auch die Fundamente der Brücke geprüft werden, was derzeit noch nicht möglich war.

Die Tragfähigkeit die Brücke

Der Brückenüberbau bestünde nach einer Sanierung aus einer Stahlbetonkonstruktion, die auf den dann sanierten Brückenelementen ruhte. Zunächst müsste der bisherige Abbau bis auf die Gewölbesteine abgetragen werden. Bei den Beratungen am Dienstag (1. Juni) ging es auch um die Frage, welche Tragfähigkeit die Brücke in Zukunft haben sollte. Aus Sicht des Ingenieurbüros spielt das keine wirkliche Rolle.

Denn ein neuer Überbau mit einer Tragfähigkeit bis 40 Tonnen sei nur wenige tausend Euro teurer als einer mit geringerer Tragfähigkeit. „Deshalb macht man bei solchen Sanierungen eigentlich keine Einschränkungen mehr bei diesem Punkt“, so der Fachmann.

Wie teuer die Sanierung wird, ist noch nicht klar

Bis aber saniert werden könnte, dürfte es noch eine Weile dauern. Der Bauausschuss empfiehlt dem Stadtparlament zunächst, das Geld für die Planung freizugeben. Erst dann könnten Zuschüsse überhaupt akquiriert werden. „Wir werden da in alle Richtungen prüfen“, sagt Emmerich. Er wird als Ortspolizeibehörde die Einschränkung der zulässigen Tonnage anordnen.

Wie viel die Sanierungsarbeiten kosten werden, ist noch nicht bezifferbar. Vor Ort gab der Ingenieur eine noch sehr grobe Einschätzung ab, bei der wohl noch Spielraum nach oben bestehen dürfte. Etwa eine halbe Million Euro könnten die Arbeiten kosten, wobei besonders die nötigen Steinmetzarbeiten ins Gewicht fallen werden.

Von Michael Rinde

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