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Ostkreis Hilfe beim Gang vor die Haustür
Landkreis Ostkreis Hilfe beim Gang vor die Haustür
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19:40 09.08.2017
Ein Teil der Mobilitätshelfer steht vor der Haltestelle in Höhe des Hallenbades Alldomare. Foto: Rinde
Ein Teil der Mobilitätshelfer steht vor der Haltestelle in Höhe des Hallenbades Alldomare. Quelle: Michael Rinde
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Stadtallendorf

Die ersten beiden Senioren haben das neue Angebot schon genutzt, bevor es überhaupt gestartet ist. Sie wohnen beide im Stadtteil Niederklein und hatten Probleme damit, mit dem Bus in die Umgebung zu kommen. Das berichtet Daniele Goldbach vom Verein „Gemeinsam für Niederklein“. „Bei beiden haben die Augen geleuchtet, als sie in der Kernstadt waren“, sagt Goldbach.

Sie ist eine von 14 Mobilitätshelfern. Ab Montag, 14. August, stehen sie bereit, um Senioren bei der Fahrt mit dem Bus oder auch bei einem Spaziergang durch den Heinz-Lang-Park, einem Gang durch die Stadt, zu helfen. Die erste Initiative dafür kam aus Niederklein. „Wir hatten einige Nachfragen älterer Menschen, die beklagten, dass sie nur noch zu Hause sitzen, weil sie Angst haben, allein mit dem Bus zu fahren“, erzählt Goldbach. Für diese Menschen sei es teilweise ein Traum, mal wieder in ein Café oder in den Park zu gehen.

Die Botschaft drang zu Birgit­ Thiel, Seniorenbeauftragte der Stadt. Sie koordinierte das ­Projekt „Mobilitätshelfer“, das ­gemeinsam von der Bürgerhilfe „Miteinander-Füreinander“ und dem Niederkleiner Verein getragen wird.

Es gehe darum, Menschen dabei zu helfen, sich bei ihrer Fahrt im Bus oder beim Gang sicher zu wissen, sagt Thiel. Damit das die Helfer auch wirklich können und sich selbst sicher fühlen, wurden sie geschult. Das übernahmen die Malteser und Mitarbeiter des Regionalen Nahverkehrsverbandes Marburg-Biedenkopf. Bei den Schulungen der Malteser ging es schwerpunktmäßig um den richtigen Umgang mit Rollatoren und vor allem Rollstühlen. „Man stellt sich das alles so einfach vor. Das ist es aber nicht“, sagt Birgit Thiel, dankbar für die Unterstützung durch die Fachleute.

Der RNV gab aus Sicht der Helfer viele wertvolle Hinweise für das Busfahren für Menschen mit Einschränkungen. Mancher Helfer wusste vorher nicht, dass Busfahrer auf Anforderung auch Unterstützung geben. „Kürzlich habe ich einer Seniorin erklärt, wie sie ein Anrufsammeltaxi organisiert“, sagt eine Mobilitätshelferin. Die Frau wohnt in einem Heim und freut sich inzwischen über die hinzugewonnene neue Mobilität.

Helfer zahlen Fahrkarten selbst

Das Angebot ist für alle Nutzer kostenfrei. Momentan investieren die ehrenamtlichen Helfer nicht nur ihre Zeit, sondern auch das Fahrgeld für den Bus. Bürgermeister Christian Somogyi will beim RNV anfragen, ob dort vielleicht eine Sonderregelung für die Helfer möglich wäre. Ansonsten lobt der Bürgermeister die Initiative der Ehrenamtlichen.

Ausdrücklich betont Birgit Thiel, dass die Mobilitätshelfer nicht nur für ältere Menschen ansprechbar sein werden. „Jeder, der wegen einer Einschränkung Probleme mit dem Busfahren hat oder einfach einmal raus möchte, ist willkommen“, sagt sie. Wobei sie den Einsatz der Mobilitätshelfer als eine Unterstützung zur Selbsthilfe sieht. Es geht darum, Ängste abzubauen und sich möglicherweise schon bald selbst wieder zu trauen, unterwegs zu sein.

„Ich habe als ich krank war, selbst gemerkt, wie schwierig es ist, aus dem Haus zu kommen“, berichtet Sieglinde Eberhardt. Als sie von dem Projekt erfuhr, hat sich angemeldet, um anderen in vergleichbarer Situation zu helfen.

Die Arbeit der Mobilitätshelfer ist auf das Stadtallendorfer Stadtgebiet beschränkt. Touren in auswärtige Orte oder Bahnfahrten sind nicht angedacht.

Jetzt wollen die Helfer für ihr Angebot werben. An vielen Punkten in Stadtallendorf, auch in Arztpraxen zum Beispiel, sollen Handzettel ausgelegt werden.

von Michael Rinde