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Ostkreis Stadtallendorf wird "nicht abgehängt"
Landkreis Ostkreis Stadtallendorf wird "nicht abgehängt"
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19:00 10.08.2019
Der hessische Vizeministerpräsident Tarek-Al Wazir sprach am vergangenen Mittwoch in Neustadt. Im OP-Gespräch äußert er sich unter anderem zur Zukunft der A 49. Quelle: Thorsten Richter
Ostkreis

Ab Oktober sind Rodungsarbeiten entlang der Trasse der A 49 auch im Landkreis möglich. Der Autobahnweiterbau wird real, gleichzeitig steigen die ökologischen Bedenken. Die OP sprach mit Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Bündnis 90/Die Grünen) über die Autobahn 49 und über den Wegfall des ICE-Haltes in Stadtallendorf.

OP: Momentan scheint der Widerstand gegen den Weiterbau der A 49 in der Region zu wachsen. Überrascht Sie das?
Tarek Al-Wazir: Nein, nicht wirklich. Es ist ja bekannt, dass ich kein Freund der Idee war, die A 49 weiterzubauen und stattdessen früher dafür geworben habe, dass man mit anderen Lösungen wie Ortsumgehungen schneller, günstiger und umweltverträglicher ans Ziel käme. Aber die politischen Mehrheiten waren damals andere. CDU, SPD und FDP haben, und das gehört auch zur Wahrheit, mit Unterstützung der Mehrheit der Bevölkerung, den Autobahnbau beschlossen. Das kann und darf ein Minister dann auch nicht einfach so ändern.

OP: Wobei nur der Abschnitt zwischen Neuental und Schwalmstadt unter Ihrer Federführung steht.
Al-Wazir: Genau so ist es, und der war schon begonnen, als ich ins Amt kam. Da geht es nur noch um die konkrete Umsetzung und nicht mehr um die Frage, ob überhaupt gebaut wird.

Zur Person

Tarek Al-Wazir ist seit dem Jahr 2014 Wirtschafts- und Verkehrsminister, seit 2019 außerdem auch für Wohnen und Energie. Er ist 48 Jahre alt und gilt nach Umfrage­ergebnissen als der bekannteste Grünenpolitiker Hessens.

OP: Die meisten Bedenken in Teilen der Bevölkerung befassen sich mit dem Grundwasserschutz und der Tatsache, dass insgesamt 86 Hektar Wald gefällt werden müssen. Autobahngegner hoffen noch auf eine Initiative von Ihnen. Können Sie Hoffnungen machen?
Al-Wazir: Es gibt einen Planfeststellungsbeschluss, der vom Bundesverwaltungsgericht bestätigt wurde und damit rechtskräftig ist. Und deshalb bin ich jetzt schlichtweg verpflichtet, den Auftrag umzusetzen, das Land ist ja in Auftragsverwaltung für den Bund tätig. Natürlich werden wir sehr darauf achten, dass der Wald, der für den Ausbau gefällt werden muss, an anderer Stelle auch wieder ersetzt wird. Aber es ist völlig klar: Das Landschaftsbild wird sich verändern. Mancher hat auf die Autobahn gehofft, mancher fürchtet sie. Aber dieser Bau ist nach 30 Jahren Vorgeschichte nun einmal beschlossene Sache.

OP: Stadtallendorf verliert im Dezember den ICE-Halt, die Bahn sagt mangels Interesse. Haben Sie eine Erklärung dafür, dass es in dieser Region kein Interesse an 
 einer Fernzugverbindung gibt?
Al-Wazir: Die Bahn hat ja drei Jahre lang getestet, ob dieser neu eingerichtete ICE-Halt angenommen wird. Für diesen Test habe ich übrigens ­
seinerzeit sehr gekämpft. Aber es war von Anfang an klar: 
Einen dauerhaften Halt wird es nur geben, wenn er auch von genügend Fahrgästen genutzt wird. Nach den mir 
bekannten Zahlen lagen die 
Einstiege pro Zughalt deutlich unter zehn Fahrgästen. Das ist natürlich sehr wenig. Ich verstehe, dass das Aus vor Ort 
nicht gut ankommt. Ich finde das auch schade. Aber für die Bahn lohnt sich der Halt offenkundig nicht: Er kostet Zeit und Geld und bringt kaum Fahr­gäste.

OP: Sehen Sie noch eine Chance dafür, dass zumindest ein Teil der ICE-Verbindungen doch noch erhalten bleibt?
Al-Wazir: Ich bin natürlich über viele Themen in Diskussionen mit der Bahn. Aber an dieser Stelle entscheidet die Bahn selbst. Ich habe ein Interesse daran, dass Hessen und seine Regionen gut angebunden sind. Eigentlich hat sich die Bahn auf den richtigen Weg begeben, das zeigt zum Beispiel das neue Intercitykonzept. Leider hat es für Stadtallendorf nicht gereicht. Aber Stadtallendorf wird durch diese Entscheidung auch nicht völlig vom Bahnverkehr abgehängt. Es gibt nach wie vor sehr gute regionale Zugverbindungen bis in das Rhein-Main-­Gebiet.   

von Michael Rinde