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Ostkreis Hessische Zimmermeister tagten in Stadtallendorf
Landkreis Ostkreis Hessische Zimmermeister tagten in Stadtallendorf
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17:58 27.09.2021
Innungsobermeister Hartmut Pfeiffer (von links), Heinrich Rühl (Wohrataler Holzbau GmbH), Henning Fisbeck (Zimmerei Holzbau Jasky), Jonas Fisbeck (Zimmerei Holzbau Jasky) und Ralf Böttger, Geschäftsführung Verband Hessischer Zimmermeister, stellten sich zum Gruppenfoto vor dem Kartenhaus aus Holz vor der Stadthalle in Stadtallendorf auf.
Innungsobermeister Hartmut Pfeiffer (von links), Heinrich Rühl (Wohrataler Holzbau GmbH), Henning Fisbeck (Zimmerei Holzbau Jasky), Jonas Fisbeck (Zimmerei Holzbau Jasky) und Ralf Böttger, Geschäftsführung Verband Hessischer Zimmermeister, stellten sich zum Gruppenfoto vor dem Kartenhaus aus Holz vor der Stadthalle in Stadtallendorf auf. Quelle: Diana Wetzstein
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Stadtallendorf

Die Stadt wirbt mit dem Slogan „aktiv erleben“, für diesen Verbandstag war das eine Herausforderung.

„Der 70. Verbandstag sollte im vergangenen Jahr in Gießen stattfinden, musste aber pandemiebedingt ausfallen. Dass wir jetzt zukunftsweisende Innovationen präsentieren können und den Mitgliedern die Möglichkeiten auf persönliche Gespräche bieten können, ist der guten Planung und Vorbereitung der Geschäftsstelle in Kassel und der Zimmererinnung Gießen zu verdanken, die ihre Vorarbeit aus 2020 hier haben einfließen lassen. Der Marburger Innung danken wir vor allem für ein besonderes Rahmenprogramm“, sagte Volker Baumgarten, Vorsitzender von Holzbau Deutschland – Verband Hessischer Zimmermeister.

Gäste und Referenten konnten unter dem Titel „Der Hightechwerkstoff Holz – Wohin geht die Entwicklung?“ das zweitägige Programm mit sieben Fachvorträgen und einer Ausstellermesse besuchen. Auch Bürgermeister Christian Somogyi machte sich vor Ort ein Bild davon und sprach von einer Herausforderung, eine Veranstaltung in dieser Größe auszurichten, als wichtigem Schritt. „Das Handwerk ist eine wichtige Stütze auch für unsere Stadt und die Menschen, ohne das Handwerk wäre das Land nicht dort, wo es jetzt steht“, sagte der Bürgermeister. Mit der Digitalisierung und dem Einsatz neuer Holzbauprodukte wurden in diesem Jahr die Themen angesprochen, die das Zimmererhandwerk seit Jahrhunderten ausmachen: Die stetige Weiterentwicklung ihrer Fertigkeiten. An den historischen Fachwerkgebäuden offenbart sich, was die Werkzeugtechnik möglich gemacht hat.

Holzverbindungen ohne Metall

Holzverbindungen, die ohne Metall auskommen, werden auch in der Region Marburg-Biedenkopf seit Hunderten von Jahren bewohnt.

„Weniger bekannt ist, dass die digitale Übertragung von Maßen und Daten zur computergesteuerten Fertigung von Wand-, Decken- oder Dachflächen und die 3D-Visualisierung von Bauplänen parallel zur Entwicklung von Hard- und Software vor allem im Holzbau weiterentwickelt wurden“, sagte der Obermeister der Zimmererinnung Marburg, Hartmut Pfeiffer, der auch Restaurator im Handwerk und Kreishandwerksmeister ist.

Die Nachfrage nach Holz und neuen Holzprodukten ist ungebrochen hoch; die Auswirkungen der Klimakrise sorgen dafür, dass die Frage nach der Rohstoffsicherheit zunimmt. Vorträge über neue Bauholzprodukte aus Laubholz, die stärker sind als Beton, Forschungsergebnisse beim Einsatz von Holzverbindungen und Materialeinsparpotenzialen, Nägel aus Holz oder Dachkonstruktionen, die allein aus Steckverbindungen bestehen und im Hallenbau eingesetzt werden: Diese Informationen überraschten die Zimmermeisterinnen und Zimmermeister.

Holzbauprodukte haben eine gute Kohlendioxid-Bilanz, weil sie Kohlendioxyd während der Wachstumsphase der Bäume aus der Luft binden und zu Kohlenstoff umwandeln. Der Klimakrise und den dadurch steigenden Temperaturen geschuldet, ist der Umbau deutscher Waldanbauflächen bereits in Arbeit, der Laubholzanteil wird auf mehr als 70 Prozent ansteigen. Die Branche arbeitet daran. Forschungseinrichtungen warben beim Verbandstag um aktive Zusammenarbeit mit dem Zimmererhandwerk bei innovativen Ideen.

Bei aller Information und Innovation, es wurde natürlich auch gefeiert. Auf Abstand, mit Musik und Tanzgruppen aus Emsdorf und Kirchhain, die knapp 130 Gäste beim Zunftabend belohnten diese mit viel Applaus.

Und das Kartenhaus aus Holz? Es wird abgebaut, eingelagert und kann bei einer der nächsten Holzbautagungen seiner Botschaft Ausdruck verleihen: Den hessischen Holzbau wirft so leicht nichts um.

Von Diana Wetzestein