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Ostkreis Erst Abriss, dann Neubau
Landkreis Ostkreis Erst Abriss, dann Neubau
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18:00 11.10.2019
Das Bild zeigt die Gebäude der einstigen Erstaufnahmeeinrichtung, davor stehen Sanitärcontainer. Alle Kasernengebäude entstanden vor über 50 Jahren. Quelle: Michael Rinde
Stadtallendorf

Die Hessen-Kaserne erwacht wieder zum Leben. Bis der Dornröschenschlaf dieser weitgehend ungenutzten Liegenschaft aber beendet ist, vergehen noch Jahre. Am Geld scheitert es dabei nicht. Der Bund stellt 100 Millionen Euro allein für die Hessen-Kaserne bereit.

Oberst Thomas Lühring leitet das „Kompetenzzentrum Baumanagement“ im Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr. Diese Behörde spielt bei der späteren Sanierung der Hessen-Kaserne eine zentrale Rolle bei der Planung aller Schritte. Wobei Oberst Lühring im Gespräch mit der OP noch einmal klarmacht, dass vor jeder Planung abschließend klar sein muss, welche Einheiten dort künftig stationiert werden.

Die Verlegung einer Fernmelde-Ausbildungskompanie in die Hessen-Kaserne ist nach früheren Angaben der Bundeswehr bereits so gut wie sicher. Außerdem ist angekündigt, dass Sanitätseinheiten in der Hessen-Kaserne stationiert werden sollen. „Der Nutzer, also die Truppe, muss uns dann sagen, was sie braucht“, erläutert Oberst Lühring. Sicher ist, dass die Unterkünfte dem neuesten Bundeswehr-Standard entsprechen werden, also mit Einzelstuben mit eigener Dusche. Ansonsten müsse beispielsweise geklärt werden, was für Infrastruktur etwa für die Unterbringung von Fahrzeugen nötig sein wird.

Bausubstanz ist nicht schlecht

Wie bewertet das Baumanagement den derzeitigen Zustand der Hessen-Kaserne? „Die Bausubstanz ist definitiv schlecht“, antwortet Lühring. Aus Sicht der Behörde bleibt vermutlich nur die Möglichkeit, die vorhandenen Gebäude komplett abzureißen und neue zu errichten. 37 Gebäude umfasst die Hessen-Kaserne, darunter auch mindestens 4 Gebäude, die Ende 2015 im Schnellverfahren für die Aufnahme von Flüchtlingen hergerichtet wurden, um danach wieder leerzustehen.

Oberst Lühring richtet den Blick auch auf einen anderen Aspekt bei der Infrastruktur, auf das, was unter der Erde liegt: also Kanal, Wasser, Elektro und Telekommunikation. „Was vorhanden ist, reicht den jetzigen Ansprüchen in keinster Weise“, sagt der Leiter des Baumanagements in der Bundesbehörde in Wiesbaden. Auch bei Kanal und Versorgungsleitungen ist also ein kompletter Neuanfang nötig.

Wäre es für die Bundeswehr, die definitiv wieder Bedarf an neuen Liegenschaften und Kasernen hat, nicht günstiger, an anderer Stelle auf der grünen Wiese neu zu bauen? „Nein, das dauerte deutlich länger und wäre am Ende wohl sogar schwieriger, vermutlich auch teurer“, sagt Lühring. Die Bundeswehr müsste im jeweiligen Bundesland ein sogenanntes Landbeschaffungsverfahren einleiten. Das könne Jahre im genehmigungsrechtlichen Verfahren dauern, so Lühring. All diese Probleme gibt es bei der Hessen-Kaserne nicht. Sie ist planungsrechtlich nach wie vor abgesichert, der Bund kann dort weitgehend schalten und walten, natürlich im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben.

Gute Erfahrungen mit modularem Bauen

Doch dauert nicht auch der Neubau der Kasernengebäude viele Jahre? „Wir haben erste gute Erfahrungen mit modularem Bauen, von denen können wir auch bei der Hessen-Kaserne profitieren“, sagt Oberst Thomas Lühring. Es geht um die Verwendung von standardisierten Gebäuden, deren Planungen bereits vorliegen, auf denen aufgebaut werden kann. „Beispielsweise werden derzeit Unterkünfte in Schwarzenborn erprobt, deren Ausführungstyp auch hier umgesetzt werden könnte.“

Wie lange dauert es am Ende, bis die ersten Soldaten wieder fest in der Hessen-Kaserne stationiert sein werden? Das kann Lühring derzeit noch nicht genau absehen, hierzu muss der Bedarf in der Liegenschaft erst feststehen.

Bis die Hessen-Kaserne komplett erneuert sein wird, dauert es seiner Einschätzung nach wohl rund zehn Jahre. Doch er schließt nicht aus, dass Teile der Liegenschaft früher genutzt werden könnten. „Alles wird sehr eng mit der Truppe und der Landesbauverwaltung Hessen abgestimmt werden “, betont Lühring.

von Michael Rinde