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Ostkreis Jede Ziege mehr rettet Leben
Landkreis Ostkreis Jede Ziege mehr rettet Leben
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21:57 03.03.2020
Hans-Jürgen Schneider aus Stadtallendorf übergab bei seinem Besuch in Kawalokoto eine der gespendeten Ziegen an eine Bewohnerin.  Quelle: Privatfoto
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Stadtallendorf

Sieben Tage war Hans-Jürgen Schneider in Uganda. Er wollte selbst sehen, was in dem kleinen Ort Kawolokota gebraucht wird. Im November berichtete die OP ausführlich darüber, dass der Rotary Club Stadtallendorf den Verein „Tabitha Global Care“ unterstützt hat. Auch mit Hilfe aus Stadtallendorf entstand in dem ugandischen Dorf ein dringend benötigter neuer Brunnen.

Zugleich begann Hans-Jürgen Schneider damit, Geld für den Kauf von Ziegen in dem Ort zu sammeln. Der Besitz einer Ziege kann in Kawolokota eine Sache von lebensentscheidender Bedeutung sein. Nach dem Bericht in der OP kam Geld für weitere zwölf Ziegen zusammen. Er selbst durfte die Tiere an Familien übergeben, als er im Februar in Uganda war. Was Schneider in sieben Tagen in Uganda und in dem kleinen Ort sah und erlebte, bewegt ihn nach wie vor. Eine 90-Jährige habe sich vor ihm auf den Boden geworfen und sich bedankt für alle Hilfe. „In so einem Moment fällt einem nichts mehr ein. Es wurde mir anders“, beschreibt der Stadtallendorfer seine Emotionen.

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Der Brunnen verrichtet seine Dienste, die Menschen in Kawolokota brauchten ihn, um nicht mehr Wasser aus einem Wasserloch heranschleppen zu müssen. Auch da ging es für manche schon um eine Frage des Überlebens. „Wir drehen den Hahn auf und lassen das Wasser oft ohne Not lange laufen“, sagt Schneider kopfschüttelnd.

Alle 100 Meter sei an der Hauptstraße des Ortes eine Ziege angepflockt. Jedes Tier werde jeden Tag ein Stück weitergebracht. Es liefert Milch – wichtig für die Kinder. Schneider will weiter Geld sammeln und Ziegen kaufen. Gerade hat er für einen Vortrag eine Anerkennungspauschale von 200 Euro bekommen. „Das sind die nächsten vier Ziegen“, freut er sich.

Platz für 120 Schüler

Es besteht aber noch viel mehr Bedarf für Hilfe in dem Ort, in dem sich der Verein „Tabitha Global Care“ von Pfarrer Reinhard Berle engagiert. Ein Vortrag von Pfarrer Berle hatte im vergangenen Jahr bei den Stadtallendorfer Rotariern alles ins Rollen gebracht. Der Verein hat in Kawolokota auch eine Schule finanziert, Unterrichtsbeginn für das neue Schuljahr war am 1. Februar. Es gibt Platz für 120 Schüler. Auch dort hatte Schneider schöne wie auch bewegende Momente, als er zu Besuch kam. Es stellte sich nämlich heraus, dass 60 Kindern etwas fehlte. Dieses „Etwas“ ist in Uganda ein Muss, um Unterricht besuchen zu dürfen: Schuluniformen. „Ohne sie gehört ein Kind einfach nicht dazu, hat man mir erklärt“, schildert Schneider.

Ausbildung zu Näherinnen ermöglicht

Er entschied sich spontan, den 60 Kindern eine neue, einfache Uniform zu sponsern und spendet für sein Unternehmen das Geld für die Bekleidung. Wahrscheinlich das wertvollste, was diese Kinder in ihrem bisherigen Leben besessen haben. Und noch eine Geschichte erlebte Schneider mit. Der Verein von Pfarrer Reinhard Berle hat 37 Dorfbewohnerinnen eine Ausbildung zu Näherinnen ermöglicht. Wie besonders das in diesem Land ist, zeigt die Anwesenheit der Vizepräsidentin von Uganda bei der Urkundenübergabe.

Wie fühlt sich Schneider einige Wochen nach seiner Rückkehr? „Ich fühle mich anders seitdem. Ich bin bewegt und beeindruckt und ich will weiterhin helfen“, antwortet er nach einem kurzen Moment des Nachdenkens. Ihn freut die Initiative von Otti Bauer, der mit Schneider über Benefizkonzerte sprechen möchte. Schneider hätte schon eine Idee, was sich mit den Einnahmen verwirklichen ließe. „Ich möchte Menschen dort eine Berufsausbildung finanzieren, gerne in der Elektrotechnik“. Dazu müsste eine Art „Berufsschule“ gebaut, finanziert und unterhalten werden. Das ist eines von Schneiders nächsten Zielen.

Von Michael Rinde

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