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Ostkreis Segen, Sonne, Sicherheit
Landkreis Ostkreis Segen, Sonne, Sicherheit
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17:59 04.06.2020
Kommunion auf Abstand: Die Hostien verteilte Pfarrer Andreas Rhiel mit Handschuhen, Maske und auf Entfernung unter den Gläubigen. Quelle: Ina Tannert
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Stadtallendorf

Segen, Sonne, Sicherheit – all das stand am Pfingstmontag im Mittelpunkt der ersten Heiligen Messe an der Forstkapelle im Herrenwald in diesem Jahr, zu der der gesamte Pastoralverbund Mariabild Stadtallendorf-Neustadt geladen hatte.

Die Gläubigen kamen zahlreich – teils zu Fuß durch den Wald, manche fuhren oder ritten auch mal hoch zu Pferde, und so füllten sich die Bankreihen an dem schmucken Sandstein-Bau.

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Schließlich galt es nicht nur, den Glauben zum Pfingstfest gemeinsam im Wald zu feiern, sondern auch die alte Pilgerstätte zum Jubiläum gebührend zu würdigen.

Die Kapelle gibt es seit 125 Jahren; an den heiligen Ort tausendfach gepilgert wird dabei schon weitaus länger. So gab es auch 2020 und in Corona-Zeiten zumindest eine kleine „Wallfahrt nach Forst“.

Mit rund 150 Menschen war die Teilnehmerzahl sogar höher als erwartet, die Hostien wurden fast schon knapp, nicht aber der Platz, davon gab es genug, so mancher Gläubige hatte den eigenen Klappstuhl dabei, alles verteilte sich weitestgehend unter dem grünen Blätterdach. „Es sind viele gekommen, das hier ist den Menschen wichtig“, lobte Pfarrer Andreas Rhiel, zuständig für Neustadt. Das Interesse zeige die Bedeutung des Glaubens wie des Forsts mit seinem heiligen Kleinod, das „den Leuten hier am Herzen liegt“.

Abstand unter freiem Himmel

Probleme mit den Hygieneregeln gebe es aber nicht im Wald, „wir sind ja unter freiem Himmel und können Abstand halten“, befand Rhiel, der vor Beginn der Messe die Einlasskontrolle und Verteilung der Besucher im Blick behielt. Mit mehreren Metern Abstand konnten zumindest auch er und Pfarrer-Kollege Diethelm Vogel (Stadtallendorf) heilige Gesänge anstimmen, wobei auch die Gläubigen zum Teil mitsangen, vor allem aber gemeinsame Gebete sprachen.

Zwischen der Lesung aus der Apostel-Geschichte und Segnungen mit Weihwasser machte Rhiel auch die aktuelle Corona-Krise zum Thema, sprach über eine nie erlebte Seelsorgearbeit unter verschärften Bedingungen. Wohl nie zuvor habe er so viel telefoniert, statt den Gläubigen ins Gesicht schauen zu können – und doch hatte er „vorher noch nie so viele gute und intensive Gespräche“.

Wobei auch das große Einschnitte im Leben nicht aufwiegen könne, für viele Menschen stelle sich die Frage: „Wie kann trotz Corona der Glaube erhalten werden?“ Dazu rief er den Gläubigen die eigene Firmung ins Gedächtnis, rief dazu auf, die Stärke im Glauben zu bewahren, dem Bösen zu entsagen und sich zu Gott zu bekennen, daraus Kraft zu schöpfen.

Kraft auch dafür, in diesen Zeiten gesellschaftliche Herausforderungen zu meistern, das ging mitunter auch in Richtung mancher aktueller politischer Corona-Debatte auf den Straßen. So lautete eine Fürbitte: „Erfülle mit deinem heiligen Geist alle, die politische Verantwortung tragen, damit sie sich einsetzen für das Recht aller Menschen und für die Überwindung der Spaltungen in der öffentlichen Meinung – Christus höre uns.“

Kommunion auf Abstand

Und wie steht es nun mit der Standhaftigkeit des Glaubens in der Krise? Das gelinge „mit Verstand und Vernunft, indem man keinen Hirngespinsten nachläuft – es sind ja verrückte Zeiten auf der Straße – einfach ruhig bleiben, das ist auch eine gute Gabe“, fasste Rhiel später zusammen.

Gerade bei der Kommunion waren diesmal besondere Sicherheitsvorkehrungen nötig. Hostien verteilten beide Pfarrer an zwei „Stationen“ in die Hände der auf Abstand gehaltenen Gemeindemitglieder. Dabei trugen sie Handschuhe und mit Kreuz oder Kelch passend bedruckte Masken. Das sorgte durchaus für Heiterkeit in den Reihen der Gläubigen, die das aber befürworteten und sich den sonnigen Nachmittag auch nicht vom Fehlen des eigentlich geplanten großen Jubiläumsfestes der Kapelle verderben ließen.

Von Ina Tannert

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