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Ostkreis Kleine Kirche ist bald keine Kirche mehr
Landkreis Ostkreis Kleine Kirche ist bald keine Kirche mehr
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09:58 08.05.2021
Die katholische Kirche Halsdorf ist marode, wird kaum noch genutzt und am Sonntag während eines letzten Gottesdienstes entweiht.
Die katholische Kirche Halsdorf ist marode, wird kaum noch genutzt und am Sonntag während eines letzten Gottesdienstes entweiht. Quelle: Florian Lerchbacher
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Halsdorf

Zweieinhalb Jahre nach dem bisher letzten Gottesdienst wird am Sonntag ab 14 Uhr in der katholischen Kirche Maria Königin am Ortseingang von Halsdorf noch einmal ein Gottesdienst gefeiert. Allerdings: Dieser ist nun wirklich der Allerletzte, denn Ordinariatsrat Thomas Renze verliest dann ein Dekret des Bischofs. Die Botschaft: Das kleine Gotteshaus wird profaniert – also entweiht.

Eine Gläubige, der das besonders wehtut, ist Regina Schildwächter. Die Kuratorin kümmert sich seit Jahren um das Gotteshaus. Eine Aufgabe, die ihr quasi in die Wiege gelegt und vererbt wurde, denn Vater Karl Schober war der erste Küster – und ein guter Freund von Pfarrer Franz Czotscher, der die kleine Kirche in den 1950er Jahren mit aufbaute. Die Weihe erfolgte im Jahr 1955. Der Neubau war entstanden, um Einheimischen, vor allem aber auch Flüchtlingen und Heimatvertriebenen, die sich im Wohratal angesiedelt hatten, eine religiöse Heimat zu geben.

Czotscher selber war ein Heimatvertriebener aus dem Kreis Budweis in Südböhmen. Zu seiner Zeit fuhr immer sonntags ein Bus durch die 14 Orte, die zur Gemeinde gehörten, und sammelte die Gläubigen ein. Und die Kommunionskinder holte der Pfarrer mit dem Bus sogar höchstpersönlich ab. Das habe meist länger gedauert als der anschließende Unterricht, erinnert sich Schildwächter lachend und betont, er sei ein ganz besonderer Mensch gewesen, der jeden verstanden habe. „Ein Original“ fügt Matthias Fischer hinzu, der Pfarrkurator der Kirchengemeinde Heilig Geist Stadtallendorf-Emsdorf. Bis 1987 hatte die Seelsorgestelle Halsdorf zur Pfarrei Anzefahr gehört, dann wurde sie der Pfarrei Mariae Himmelfahrt Emsdorf zugeteilt, die inzwischen mit Stadtallendorf und Niederklein vereint ist.

Pfarrer Czotscher ging 1978 in den Ruhestand, zelebrierte aber weiterhin Messen in Halsdorf. Später übernahm Pfarrer Peter Weber, der während des Weihejubiläums im Jahr 2005 schon berichtet hatte, dass die Kirche geschlossen werden solle. Damals fanden dort aufgrund Priestermangels keine regelmäßigen Gottesdienste mehr statt. War das Gotteshaus in den Anfangsjahren „nicht selten überfüllt“, so habe sich dies im Lauf der Jahrzehnte geändert, schreibt Pfarrer Diethelm Vogel im aktuellen Pfarrbrief von Heilig Geist. 2018 fand der letzte Gottesdienst in der Diaspora-Gemeinde statt, danach wurden alle zwei Wochen noch Vorabendmessen gefeiert. Am Ende seien fast nur noch Emsdorfer in die katholische Kirche Halsdorf gegangen, erinnert sich Pfarrsekretärin Petra Feußner. Das Gotteshaus im einige Kilometer entfernten Dorf habe sich wahrscheinlich Beliebtheit erfreut, weil es klein und familiär gewesen sei. „Für viele Menschen steckte einiges an Herzblut darin“, sagt sie, während Fischer herausstellt, dass es in der Sitzung des Verwaltungsrates, als die Entscheidung zur Profanierung fiel, sehr still und die Stimmung gedrückt gewesen sei.

Der bauliche Zustand des Gebäudes sei schlecht, es wären innen und außen unverhältnismäßige Sanierungsarbeiten nötig, ergänzt er. Schon vor vielen Jahren hatte das Pfarrhaus abgerissen und durch einen Anbau an das Kirchlein ersetzt werden müssen. Das Gotteshaus soll nun samt des Geländes verkauft werden. Aber natürlich erst nach der Entweihung im letzten Gottesdienst, den die Pfarrer Vogel und Weber gestalten.

Es ist möglich, sich für diesen Gottesdienst anzumelden – allerdings ist die Anzahl der zur Verfügung stehenden Plätze sehr limitiert, heißt es im Pfarrbrief.

Von Florian Lerchbacher

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