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15:47 01.12.2021
Ein Blick ins heutige Werk – Christian Hoppe (von rechts), Wolf Hoppe und der Verantwortliche Fertigung, Thomas Hahn.
Ein Blick ins heutige Werk – Christian Hoppe (von rechts), Wolf Hoppe und der Verantwortliche Fertigung, Thomas Hahn. Quelle: Fotos: Hoppe
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Stadtallendorf

Vor 30 Jahren entschloss sich HOPPE, einen ehemaligen Volkseigenen Betrieb (VEB) mit 98 Mitarbeitern in Crottendorf im Erzgebirge zu übernehmen. „Dort wurden schon damals Baubeschläge gefertigt – und zwar aus Aluminium und Bakelit“, sagt Wolf Hoppe, dem der ostdeutsche Werksteil besonders am Herzen liegt, „auch, wenn man eigentlich die gesamte Familie gleichermaßen lieben sollte“, sagt er lachend.

Die Situation seinerzeit sei emotional sehr spannend gewesen. Denn: Durch die Wiedervereinigung seien „zwei politisch gezielt auseinandererzogene, einander feindlich gesonnene Gesellschaftssysteme und völlig unterschiedliche Mentalitäten“ zusammengekommen. Man habe auch „nur scheinbar dieselbe Sprache gesprochen, denn zahlreiche Worte hatten ganz andere Inhalte“, sagt Wolf Hoppe.

Er ist überzeugt: „Wir haben dort nach der Wiedervereinigung als Familienunternehmen etwas weltweit Einzigartiges mitgestalten können“ – denn eine solche Situation könne es, wenn überhaupt, nur noch einmal zwischen Nord- und Südkorea geben.

98 Mitarbeitern übernommen

„Das ist der besondere Reiz an Crottendorf.“ Und Wolf Hoppe geht noch weiter: „Bis zum heutigen Tag ist Crottendorf für mich eine Herzenssache.“ Denn die Entscheidung sei kein normales Engagement unter rein ökonomischen Aspekten gewesen. „Es hatte einen gesellschaftspolitischen Hintergrund: Mein Vater, mein Bruder und ich haben uns dermaßen darüber gefreut, dass die Wiedervereinigung gegen jede Wahrscheinlichkeit möglich wurde.“

Da man nicht nur Unternehmer, sondern auch Bürger als Teil der Gesellschaft mit entsprechender Verantwortung sei, habe der Entschluss festgestanden: „Wir schauen, wie wir im Rahmen unserer Möglichkeiten an der Wiedervereinigung mitgestalten können.“ Und das sei nicht nur gelungen, sondern wurde zur Erfolgsgeschichte: Am 1. Juli 1991 kam HOPPE nach Crottendorf, habe den ehemaligen VEB mit 98 Mitarbeitern übernommen – heute sind dort rund 640 Menschen beschäftigt.

„Wir haben den Menschen damals gesagt, dass wir es langfristig ernst mit unserem Engagement meinen.“ Selbstverständlich habe HOPPE als Unternehmen Gewinn machen wollen, „denn das ist ja auch eine Verpflichtung. Aber wir wollten das vernünftig miteinander machen“.

Begriffe wie „Ausbeutung“, „verlängerte Werkbank“ oder auch „Besserwessi“ waren kurz nach der Wende durchaus gängige Themen bei zahlreichen Engagements in den neuen Bundesländern gewesen. Nicht so bei HOPPE. „Crottendorfs Bürgermeister Bernd Reinhold hat uns geglaubt – in einer Zeit, wo Goldgräberstimmung herrschte, die Wessis rübergingen, um abzusahnen und Subventionen abzugreifen“, sagt Wolf Hoppe. „Der Bürgermeister hat sehr schnell bemerkt: Was HOPPE sagt, meint HOPPE – und was HOPPE meint, tut HOPPE.“ Daher habe er sich auch dafür eingesetzt, dass das Engagement des Unternehmens ein Erfolg werde.

Wirtschaftlich notwendig

Vom ersten Tag an habe Wolf Hoppe unterschieden „zwischen dem sozialistischen System und den Menschen, die in ihm leiden und leben mussten. Denn sie hatten schlicht das Pech, auf der falschen Seite der Mauer aufgewachsen zu sein“. In einer Mitarbeiterversammlung habe Hoppe die Ideen für das Werk skizziert, „und die Mitarbeiter waren wohl Willens, uns zu glauben. Doch gleichzeitig lasen sie jeden Tag in der Zeitung, dass die Besserwessis rüberkamen“. Gleich mit der Übernahme der alten „Martin-Fabrik“ begann HOPPE auch mit der Planung eines neuen Werks im Gewerbegebiet am Rand von Crottendorf auf der „grünen Wiese“.

Diese Investition sei nicht nur wirtschaftlich notwendig gewesen. Vielmehr war sie auch ein weiteres sichtbares Zeichen an die Belegschaft, „dass wir langfristig mit unseren neuen Mitarbeitern planen“. Grundsteinlegung war am 21. Mai 1992 – nur ein Jahr später fand die Einweihung statt. Vorher hatte HOPPE jedoch schon rund eine Million D-Mark in die alte Fabrik investiert – „zum Beispiel einfach nur, um mit dem Stapler dort fahren zu können, weil es unterschiedliche Niveaus der Gebäudeteile gab“.

Mit dem Engagement in Crottendorf einher ging auch erstmals und einmalig in der Unternehmensgeschichte eine Beschäftigungsgarantie – und zwar an die hessischen Mitarbeiter. „Denn die sollten keine Angst haben, dass sie nun durch die Kollegen im Osten ersetzt werden sollen.“ Diese Rechnung ging nicht nur auf, sondern sorgte auch für Akzeptanz auf beiden Seiten beim regelmäßigen Austausch. „Wir sind mit unserer Investition damals volles Risiko gegangen“, sagt Wolf Hoppe. Dieses sei belohnt worden, denn mit Crottendorf als Teil der HOPPE-Familie habe sich „eine Zusammenarbeit entwickelt, die einfach fantastisch ist“.

Von Andreas Schmidt

03.12.2021
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