Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Kindheitswünsche gehen in Erfüllung
Landkreis Ostkreis Kindheitswünsche gehen in Erfüllung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:58 09.05.2021
Als Anette Zinser die Grundschule Wohra mit dem herrlichen Außengelände sah, war ihr klar, wo sie arbeiten möchte.
Als Anette Zinser die Grundschule Wohra mit dem herrlichen Außengelände sah, war ihr klar, wo sie arbeiten möchte. Quelle: Florian Lerchbacher
Anzeige
Wohra

Eigentlich wollte Anette Zinser in „ein größeres System“, doch als sie gemeinsam mit ihren Kinder Zeljka, Masha und Nick der Grundschule Wohra einen Besuch abstattet, war sofort klar, wo sie hingehört: „Ich wohne selber in einem alten Haus und liebe traditionsreiche Gebäude“, betont sie und schwärmt vom historischen Schulhaus – aber auch der pädagogischen Ausrichtung.

Es sei toll, dass Jürgen „Ben“ Bender die Tradition der Reformpädagogik hochgehalten habe. „Kinder lernen und wachsen in einem geschützten Umfeld und in einem Miteinander auf“, erklärt sie, hebt das Peer-Learning, also das kooperative Lernen hervor, und ergänzt, dass auch der Kinderwald ein tolles Element der Grundschule Wohra sei: „Schule ist hier Lebensraum.“

Der „Geist der Schule“

In eben jener kleinen Dorfschule ist die 55-Jährige nun kommissarische Leiterin – und bedauert ein bisschen, dass die Corona-Pandemie einen normalen Schulalltag bisher verhindert habe. Doch eins sei bereits klar: „Mir gefällt der Geist der Schule.“

Das familiäre Miteinander und insbesondere das hohe Maß an Engagement der Lehrer: „Ich war in den Ferien häufiger hier – aber nie alleine. Irgendwer kam immer und wollte noch etwas erledigen. Alle geben hier immer 180 Prozent“, sagt Zinser – wohlwissend, dass es sich dabei um eine kleine mathematische Ungenauigkeit handelt.

Projekte während des Bürgerkriegs

Von 1989 bis 1991 studierte die gebürtige Gladenbacherin in Kassel Grundschullehramt. Danach folgten zwei Jahre als Referendarin an der Waldschule in Neustadt – und dann zwei Jahre im ehemaligen Jugoslawien. Sie war von 1994 bis 1996 über den Verein „Recht auf Kindheit“ mit einem Tanz- und Theaterprojekt in Flüchtlingslagern in Bosnien und Kroatien – also noch während des Bürgerkrieges. Eine Zeit, die ihr wichtig ist, aber in der sie auch unter permanenter Anspannung stand. „Man lernt viele Dinge zu schätzen“, resümiert sie über die Zeit, nach der dann ein Traum für sie in Erfüllung ging. Zumindest teilweise.

Als sie zurück in Deutschland war, bekam Zinser eine Stelle als Lehrerin an der Grundschule Mengsberg-Momberg angeboten. In dem Neustädter Stadtteil am Rande des Landkreises Marburg-Biedenkopf hatte sie – während sie die Wochenenden mit ihren Eltern in Appenhain verbrachte – als Kind das Reiten gelernt.

Mit dem Pferd zur Arbeit

Mit zehn Jahren hielt sie in ihrem Tagebuch fest, dass sie die Schule in Mengsberg eines Tages leiten wolle – und dabei wie Pippi Langstrumpf mit dem Pferd zur Arbeit reiten. Zwar war Zinser nicht Direktorin und auch der Plan mit dem Pferd kam nicht zur Umsetzung, aber alleine schon an der Schule zu sein, sei toll gewesen.

Neben dem Schulalltag bildete sich Zinser weiter, unter anderem in der pädagogischen Beratung für Neurowissenschaften und Lernen. Dabei ging es, ganz kurz gesagt, darum, wie man am besten lernt. Anschließend wechselte sie an die Uni Kassel, wo sie an der Erprobung des Praxissemesters für Grundschullehramtsstudierende mitwirkte und das Projekt LiGa (Lernen im Ganztag) für das Kultusministerium begleitete.

Ein Familienmensch

Nach Erreichen der maximalen Mitarbeitszeit von fünf Jahren ging’s zurück ins Schulsystem. „Schulleitung ist bestimmt eine interessante Aufgabe“, habe sie sich gedacht – und gleich mehrfach gehört, dass die Stelle in Wohra frei werde. Eigentlich war ihr Ziel, eine größere Grundschule zu leiten – doch nach dem Besuch im Wohrataler Ortsteil änderte sie ihre Meinung und sagte zu.

„Das ist die engagierteste Schulleiterin der Welt“, lobt Cordula Letmade, mit der Zinser eng zusammenarbeitet. Neben der Leitung übernahm sie nämlich die Leitung der aus Erst- und Zweitklässler bestehenden Flex-Klasse „Die Luchse“ – und bekommt dabei Unterstützung von Letmade. Ansonsten bezeichnet sich Zinser als einen sehr naturverbundenen, geselligen Familienmenschen – der leidenschaftlich gerne tanzt.

Von Florian Lerchbacher

Ostkreis Hilfe für die Bienen - Stadtallendorf blüht wieder auf
08.05.2021