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Ostkreis Grünen-Gründer zieht sich zurück
Landkreis Ostkreis Grünen-Gründer zieht sich zurück
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16:00 08.03.2021
Die Kunst ist ein wichtiges Hobby im Leben von Michael Feldpausch.
Die Kunst ist ein wichtiges Hobby im Leben von Michael Feldpausch. Quelle: Florian Lerchbacher
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Stadtallendorf

Mit kommunalpolitischen Pausen kennt sich Michael Feldpausch aus, doch nun – mit 70 Jahren – zieht er sich aus der aktiven Politik zurück. Eines ist dabei sicher: Er hat das politische Leben in Stadtallendorf nicht nur verändert, sondern nachhaltig geprägt.

Im Jahr 1985 wählten seine Mitmenschen den Stadtallendorfer das erste Mal in die Stadtverordnetenversammlung – damals noch als Kandidat der SPD. Den Stadtverband der Grünen gab es in seiner Geburtsstadt zu dieser Zeit noch nicht. Feldpausch hatte sie schließlich noch nicht gegründet. Das tat er erst einige Jahre später. Doch zunächst war er eben bei den Sozialdemokraten aktiv und wollte den linken Flügel der Jusos stärken, wie er sich erinnert. Politisch habe er sich einbringen wollen, um Veränderungen in seiner Heimat voranzubringen und der Gesellschaft etwas zurückzugeben, erklärt er seine generelle Motivation: „Als gebürtiger Stadtallendorfer ist mir meine Heimat natürlich nicht egal.“ Außerdem habe er versuchen wollen, die Entwicklung so voranzutreiben, dass sie seinem Geschmack entspricht.

Das klappte unter SPD-Fahne jedoch nur bis in die 1990er-Jahre. Dann habe sich die Fraktion jedoch eindeutig für den Bau der Autobahn 49 ausgesprochen. Eine Einstellung, mit der Feldpausch – damals immerhin stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Vorsitzender des Umweltausschusses – sich nicht arrangieren wollte. Er zog die Konsequenz, legte sein Mandat 1994 nieder und gründete die Stadtallendorfer Grünen. Und als Vertreter dieser Partie wählten ihn die Bürger zwei Jahre später erneut ins Parlament – an der Seite von Hans Rauch.

„Im Jahr 2000 gab es dann einen Bruch in der grünen Seele“, so Feldpausch. Die Bundesgrünen hätten für einen Einsatz der Bundeswehr im Kosovo gestimmt, was sich auch auf die Lokalpolitik ausgewirkt habe. Die Mitstreiter brachen weg und die Wählerstimmen nahmen ab, was dazu führte, dass die junge Fraktion es nicht mehr in die Stadtverordnetenversammlung schaffte. Ganz so schlimm sei das aber nicht gewesen, sagt der 70-Jährige: Er habe sich damals schließlich gerade mit seinem Grafikbüro selbstständig gemacht und die „gewonnene“ Zeit entsprechend gut nutzen können. Ins politische Leben brachte er sich dennoch weiter ein: zum einen als Ansprechpartner der Grünen in Stadtallendorf, zum anderen mit dem Vorstand von Stadtallendorf Aktiv.

Es galt schließlich, beispielsweise bei der Bebauung des Busbahnhofs und dem Bebauungsplan Stadtallendorf Mitte mitzumischen. 2011 folgte dann die Wiederauferstehung der Stadtallendorfer Grünen. „Es gab wieder Diskussionen rund um die A 49“, erinnert sich Feldpausch – und erklärt später im Gespräch mit dieser Zeitung, dass ihn der „Todesstreifen“ durch den Wald (die Schneise für die Autobahn) heute immer wieder schmerze. Das Wiederaufleben der Diskussionen einst habe jedenfalls bewirkt, dass er sogar mit gleich drei Mitstreitern wieder in die Stadtverordnetenversammlung einziehen konnte. „Fünf Jahre später ging’s dann zurück auf den normalen Stand von zwei Abgeordneten“, ergänzt er und erklärt, dass nun andere an der Reihe seien, sich einzusetzen: „Ich will keine Waschbetonplatte sein, an der nichts vorbeikommt und die auch nichts durchlässt.“

Besonderen Stolz empfindet er beim Rückblick auf seine jahrzehntelange politische Arbeit bei einem Thema, das erst wenige Jahre zurückliegt: „Der Marli-Teich sollte zugeschüttet werden. Die Anwohner waren dagegen – aber das Parlament segnete es mit einer Mehrheit ab. Wir griffen es wieder auf, bewirkten ein Umdenken – und nun ist das Gelände herrlich. Dieser Erfolg zeigt, dass man mit etwas Beharrlichkeit auch mit kleinen Gruppen etwas erreichen kann.“ Insgesamt habe er auch den Eindruck, dass sich heutzutage Anliegen leichter durchsetzen ließen, weil auf lokaler Ebene die Sache im Vordergrund stehe und nicht das Parteibuch: „Es war alles festgefahren und gab verhärtete Fronten – das war teilweise sehr anstrengend. Inzwischen kann man durchaus andere für sich gewinnen. Man muss sie nur im Vorfeld ansprechen und sich abstimmen.“ Wichtig sei auch bei harten Diskussionen, dass sich die politischen Gegenüber später noch in die Augen schauen könnten. „Die sachliche Ebene – auf der sollten wir bleiben“, lautet sein Appell an seine Nachfolger.

Feldpausch selber, seines Zeichens Vorsitzender des Stadtallendorfer Kulturkreises, will sich politisch nur noch beratend einbringen und sich vermehrt seinem kulturellen Engagement und seiner Tätigkeit als Maler und Zeichner widmen. 2004 hatte er für sein künstlerisches Engagement und seinen, die Stadtallendorfer Vergangenheit thematisierenden Zyklus „Noch sichtbare Spuren“, den Otto-Ubbelohde-Preis erhalten. Zudem möchte der Vater von drei Kindern und dreifache Großvater viel reisen – wenn’s wieder möglich ist (was oft in Verbindung mit der Kunst steht), tanzen und auch wieder Karneval feiern: Beim FCKK gibt er den Oberst Hofmarschall.

Von Florian Lerchbacher