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Ostkreis Gold für zwei Rock'n'Roller
Landkreis Ostkreis Gold für zwei Rock'n'Roller
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13:00 18.01.2020
Bernd Capito (links) und Peter Lorenz zeigen die Goldene Schallplatte und ein Exemplar der Erstausgabe von „Dschinn“, das Album, für das es die Auszeichnung gab. Quelle: Michael Rinde
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Stadtallendorf

„Geblieben ist ihre Musik“ schrieb die OP vor knapp neun Jahren mal über Bernd Capito und ­Peter Lorenz, den beiden heimischen Rock‘n‘Roll-Größen. Jetzt gab es für das Album „Dschinn“ noch eine Auszeichnung. 

Sie hatten lange darauf hingearbeitet, den Durchbruch als Band doch noch zu schaffen. Doch irgendwann kam aus ganz profanen Gründen die Entscheidung, dann doch auf andere Berufe zu setzen – und unter dem Namen „Eddys Band“ auf Unterhaltungsmusik. Damit haben sie dann auch gemeinsam mit den anderen Bandmitgliedern Geld verdient.

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Doch der Reihe nach: 1972 waren es die „Dschinns“, die das gleichnamige Album herausgebracht hatten, mit gefühlvollen Rock-Balladen und manchem Hard-Rock-Titel. Jetzt, Jahrzehnte später, gab es für die beiden Herzen der „Dschinns“, für Bernd Capito, der immer noch in Langenstein lebt, und Peter Lorenz, der in Stadtallendorf zu Hause ist, eine Goldene Schallplatte. Die wird von der deutschen Musikindustrie für 100 000 verkaufte Alben verliehen. Dereinst lag die Marge noch viel höher, bei 250 000 verkauften Exemplaren.

Bernd Capito aus Langenstein und Peter Lorenz aus Stadtallendorf sind beide sehr glücklich über den späten Erfolg. Materiell bringt er den beiden zwar nichts, auch wenn Capito immer wieder mal Abrechnungen für gestreamte Songs oder verkaufte Alben bekommt. „Es ist ein Stück Lebensgeschichte“, sagt Capito, um wenig später im Gespräch mit der OP hinterher zu schieben, das man ja nie aufhöre, Musiker zu sein. Das ist bei Capito zum Beispiel in seinem Keller in Langenstein zu sehen. Dort hatte die OP die beiden einstigen heimischen Rock-Größen vor neun Jahren schon einmal besucht.

Dass sie jetzt noch einmal selbst zur Gitarre greifen oder singen, ist eine echte Ausnahme geworden. Musik hören, das geht für sie aber immer. Und bei beiden ist, das lassen sie ihren Zuhörer deutlich spüren, der Rock‘n‘Roll im Blut geblieben. Lorenz arbeitet immer noch als Versicherungsexperte. Capito hat sich als Informatiker zur Ruhe gesetzt. Sie sind inzwischen 76 beziehungsweise 77 Jahre alt.

Einst spielten die beiden mit ihrer Band auch schon mal vor 1.000 Leuten in der damaligen Stadtallendorfer Festhalle. Oder zusammen mit Joy Fleming bei der Funkausstellung in Berlin, oder, oder, oder … Sie haben sehr viel erlebt auf dem Weg zum Durchbruch, der seinerzeit einfach nicht kommen wollte. Geld haben sie dabei nie im großen Stil verdient, obwohl sie es sich natürlich gewünscht und hart darauf hingearbeitet hatten. „Entscheidend war damals immer, dem Zeitgeist zu entsprechen“, sagt Lorenz.

Heute sind Erstprägung des Albums „Dschinn“ im Netz schon mal 200 Euro wert. Und es gibt immer noch internationale Abrufe für das Album im Internet via Streamingdienste. Dass sich „Dschinn“ weiterhin verkauft, das freut die zwei natürlich. ­Ihren Plattenvertrag hatten sie einst mit „Bellaphone“ geschlossen. Später gab es dank der bleibenden Nachfrage noch einmal eine Neuauflage des Albums, das nun „vergoldet“ worden ist. Beide Musiker haben ein Exemplar „ihrer“ Goldenen Schallplatte erhalten, beide haben sie an Plätzen aufgehängt, wo sie gegenwärtig ist – diese späte Auszeichnung für ein Stück besondere Lebensgeschichte der beiden.

von Michael Rinde