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Ostkreis Stadt bot Kureta Grundstücke an
Landkreis Ostkreis Stadt bot Kureta Grundstücke an
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12:00 22.11.2019
Das Stadtallendorfer Kureta-Werk gehört zum Konzern Foam Partner. Nun soll es geschlossen werden, obwohl es nach Aussage der Stadt Expansionsmöglichkeiten gab. Quelle: Tobias Hirsch
Stadtallendorf

Für die Beschäftigten ist die Situation im Stadtallendorfer Werk der Kureta GmbH nach Schilderung der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) bedrückend. Und das nicht allein deswegen, weil der Mutterkonzern Foam Partner das Werk zum 30. Juni 2020 schließen will.

Schon jetzt haben sie laut IGBCE keine Arbeit: „Die standen gestern den ganzen Tag herum“, berichtete Gewerkschaftssekretärin Astrid Rasner. Der Grund: In der Nacht zum Freitag, 15.November, waren zwei Maschinen abgebaut worden (die OP berichtete).

Mit den Maschinen wurden Formen für Industriefilter produziert. Für Betriebsrat und Gewerkschaft kam das völlig überraschend – und nach Ansicht der IG BCE war dies ohne Zustimmung des Betriebsrates rechtswidrig.

"So geht es nicht"

„Hätten wir das vorher gewusst, hätten wir vom Gericht eine einstweilige Verfügung bekommen, dass alles so belassen werden muss, wie es ist“, sagte Rasner auf OP-Anfrage. Nun prüft die Gewerkschaft, ob sie auch nachträglich juristisch gegen den Abbau der Maschinen vorgehen kann.

„Wir haben einen Rechtsanwalt und einen Wirtschaftsexperten hinzugezogen und gucken, wie können wir die Maschinen zurückholen“, berichtete die IG-BCE-Sekretärin. Aus Rasners Sicht geht es darum, der Geschäftsführung zu zeigen: „So geht es nicht.“

Sie hat aber keine Hoffnung, dass dadurch die Schließung des Werkes abzuwenden ist. „Es gibt keine Möglichkeit, diese Entscheidung rückgängig zu machen“, sagte sie. „Das Unternehmen hat an dem Standort nie etwas investiert. Die Maschinen sind veraltet, außer die, die sie mitgenommen haben.“

Foam Partner hat außer dem Stadtallendorfer Werk Standorte in Leverkusen (Nordrhein-Westfalen), Delmenhorst und Duderstadt (beide Niedersachsen). Hauptsitz der Gruppe ist in Wolfhausen in der Schweiz. Der Konzern hatte unter anderem erklärt, dass eine räumliche Ausweitung am Standort Stadtallendorf nicht möglich gewesen sei.

Sozialplan und Interessenausgleich für Mitarbeiter

„Diese Aussage hat mich sehr überrascht“, erklärt Bürgermeister Christian Somogyi auf Nachfrage. Es habe in der Vergangenheit sehr wohl konkrete Gespräche mit der Kureta-Führung über Expansionsmöglichkeiten gegeben. Beispielsweise habe die Stadt dem Unternehmen Platz im Gewerbegebiet Nord-Ost angeboten.

Auch in der Umgebung des Werkes habe die Verwaltung noch Möglichkeiten gesehen. „Jetzt erwarte ich, dass sich die Geschäftsführung angemessen um die Mitarbeiter kümmert und sie unterstützt“, fordert Somogyi.

Die Gewerkschaft will mit der Geschäftsführung des Schaumstoffherstellers rasch über einen Sozialplan und Interessenausgleich für die 68 Mitarbeiter sprechen. Rasner rechnet mit langen Verhandlungen.

Gewerkschaft und Betriebsrat wollen über die weitere Strategie mit den Beschäftigten heute bei einer Betriebsversammlung beraten. „Mal sehen, ob dann auch jemand von der Geschäftsführung da ist“, sagte Rasner. Bisher habe die Gewerkschaft keinen Kontakt zur Unternehmensführung bekommen.

von Stefan Dietrich und Michael Rinde