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Ostkreis Causa Rhiel: Generalvikar äußert sich
Landkreis Ostkreis Causa Rhiel: Generalvikar äußert sich
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15:47 08.01.2020
Pfarrer Andreas Rhiel beim Segnen des (damals neuen) Kindergartens Momberg. Quelle: Florian Lerchbacher/Archiv
Neustadt

Das Bistum hat festgestellt, dass Pfarrer Andreas Rhiel seinen Aufgaben nicht ausreichend nachgekommen ist. Nichtsdestotrotz könne er, wenn gewünscht, weiter in Momberg und Neustadt tätig sein. Dies waren die zentralen Botschaften einer Nachricht aus Fulda, die am vergangenen Wochenende während Gottesdiensten in der Kernstadt und dem Stadtteil verlesen wurden. Sofort begannen unter den Gläubigen die Spekulationen, was das Bistum zu dieser Aussage bewogen habe. Nun bezog die Diözese gegenüber dieser Zeitung Stellung – und zwar in Form von Generalvikar Christof Steinert höchstpersönlich.

„Das läuft in eine ganz falsche Richtung“, sagte er. In den vergangenen Monaten und Jahren hatten Gläubige dem Geistlichen beispielsweise vorgeworfen, dass er im Talar rauche oder auch in der Kirche Arbeitsschuhe trage. „Dazu liegen uns keine Eingaben vor“, betonte Steinert. Es gehe viel eher um die persönliche Situation des Pfarrers und die Auswirkungen, die diese auf ihn hatte. Und die könne er gut einschätzen, weil er Rhiel seit mehr als drei Jahren intensiver begleite.

Den Geistlichen habe die Betreuung seiner inzwischen verstorbenen, pflegebedürftigen Mutter stark belastet – was sich teilweise auch nach außen hin gezeigt habe und eben Ausdruck seines persönlichen Befindens gewesen sei. Im Sommer sei es dann deutlich geworden, als der Pfarrer mehrere Monate in die Klinik musste. Nun gehe es beispielsweise darum, was Rhiel für seine Gesundheit unternimmt, wie er seine Lebensführung gestaltet und es mit ihm insgesamt weitergeht. Der Pfarrer möchte weiterhin in Neustadt und Momberg tätig sein. Und das Bistum sei dazu bereit, ihn zu unterstützen – auch in Form einer Supervision.

Einen konkreten Vorwurf, an welcher Stelle er seinen Aufgaben als Pfarrer nicht nachkomme, nannte Steinert nicht: „Es gibt nichts, wo man sagen kann, dass es eine Verfehlung sei. Aber es geht darum, wie Rhiel erscheint.“ Er glaube daran, dass nun eine Veränderung anstehe: Der Pfarrer müsse schließlich nicht mehr seine Mutter pflegen, habe dadurch weniger Belastung und könne künftig beispielsweise auch vor Ort im Neustädter Pfarrhaus wohnen.

Rhiel: „Pflicht habe ich geschafft, Kür vielleicht nicht“

Er habe seiner geliebten Mutter eben einen würdevollen, vernünftigen Lebensabend bieten wollen, kommentiert Rhiel und betont, dass er hofft, dass dies gelungen sei. Pflege sei aber eben sehr teuer und deshalb habe er an vielen Stellen einspringen müssen. Und dass er aufgrund der besonderen Situation seine Gesundheit habe schleifen lassen und beispielsweise zu viel rauche, sei ihm durchaus bewusst.

Unglücklich ist Rhiel allerdings darüber, dass vieles, was eigentlich privat sein sollte, in diesem Zusammenhang an die Öffentlichkeit gelangt sei – und er statt Unterstützung eher zusätzlichen Druck verspürt habe. „Ich muss jetzt sehen, wie sich die Situation vor Ort gestaltet.“ Wenn er spüre, dass sich die vergangenen Monate und Jahre im Alltag auf das Verhalten ihm gegenüber auswirkten und es „unerträglich“ wird, müsse er darüber nachdenken, doch die Segel zu streichen. Eigentlich wolle er aber weiter in Neustadt und Momberg Pfarrer bleiben.

Rhiel glaubt, in Sachen Pflege der Kranken oder Gottesdienste seinen Aufgaben nachgekommen zu sein. Er rechne aber damit, dass nun mehr Verwaltungsaufgaben auf ihn zukommen: „Die Pflicht habe ich geschafft, die Kür vielleicht nicht.“ Und der Umgang mit den Sekretärinnen könnte er vielleicht auch noch überarbeiten, räumt er ein. Mehr Verwaltungsarbeit erledigen und sich weniger stressen lassen, gibt Rhiel als Ziele für die Zukunft aus.

von Florian Lerchbacher