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Ostkreis Fußball in Nachbars Garten führt zu Prozess
Landkreis Ostkreis Fußball in Nachbars Garten führt zu Prozess
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11:55 27.01.2020
Quelle: Archiv
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Kirchhain

Immer wieder war der Fußball des damals 12-jährigen Jungen im Garten der Nachbarin gelandet und zurückgeholt worden. Vielleicht weniger die häufige Wiederholung der Aktion, als vielmehr der Lärm der spielenden Kinder brachte die Situation schließlich zur Eskalation. Sie sei damals im Vorbereitungsstress für ihre Abschlussprüfungen gewesen, versuchte die nun wegen Körperverletzung angeklagte Frau ihr Verhalten vor Gericht zu entschuldigen.

Was war vorgefallen? Am 2. Juni vergangenen Jahres hatte die 34-jährige Angeklagte den Jungen daran gehindert, seinen Ball aus dem geschlossenen Garten zurückzuholen, ihn am Arm gefasst und aus dem Garten geschubst.

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Nur wenig später kam es dann zu einer weiteren Auseinandersetzung zwischen der Angeklagten, der Mutter des Jungen und einer weiteren Frau, wobei es nicht bei Verbalattacken geblieben war. Mit Bildmaterial konnten Kratzspuren auf den Armen der begleitenden Frau dokumentiert werden. Darüber hinaus war während der Verhandlung auch noch von einem leichten Tritt in den Hintern und von Handgreiflichkeiten die Rede.

1.000 Euro Strafe

Die Version der Angeklagten zur Entstehung dieser Kratzspuren kam nicht nur Richter Joachim Filmer etwas abenteuerlich vor. Auch die Staatsanwaltschaft mochte dieser Aussage nicht trauen.

Verteidiger Sascha Marks machte vor der Zeugenbefragung einen Vorschlag zur Güte. Seine Mandantin solle einen gewissen Geldbetrag zahlen, um den Nachbarschaftsstreit zu befrieden und auch dem Kind eine Aussage vor Gericht zu ersparen. Nach kurzer Unterredung und mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft einigte man sich darauf, dass die Angeklagte zu einer Strafe von 1.000 Euro verurteilt wird, wobei 500 Euro die verletzte Frau als Schmerzensgeld und 500 Euro an das St.-Elisabeth-Hospiz in Marburg überwiesen werden sollen.

Nachdem die geschädigte Frau sich auch mit dem Urteil anfreunden konnte, wurde von Richter Filmer entsprechend entschieden. Damit wurde dem Schüler ein Auftritt vor Gericht erspart und die Hoffnung erhalten, dass zukünftig wieder Frieden bei den Nachbarn einkehren könnte.

von Heinz-Dieter Henkel