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Ostkreis Explosion in Stadtallendorf: Täter fliehen
Landkreis Ostkreis Explosion in Stadtallendorf: Täter fliehen
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12:03 27.06.2019
Die Polizei ermittelt nach einer Geldautomatensprengung in Stadtallendorf. Quelle: Thorsten Richter
Stadtallendorf

Der Polizeibericht zur Sprengung des Automaten in der Commerzbank liest sich wie ein Krimi - möglicherweise haben die noch unbekannten Täter gleich zwei Ablenkungsmanöver gestartet, um sich Zeit für die Flucht zu verschaffen. 

Zeitgleich mit der Meldung über die Explosion stand quer auf der Zufahrtstraße zur Polizeistation Stadtallendorf ein brennendes Auto. Laut Polizeibericht konnten die Beamten das Gelände trotzdem mit einer nur geringen Verzögerung verlassen. Wenige Minuten später erreichte die Polizei die Meldung über ein weiteres brennendes Auto am Straßenrand an der B 454 am Ortsausgang Stadtallendorf nach Neustadt. Die beiden Fahrzeuge seien offensichtlich unbesetzt gewesen. An den jeweils älteren Opel Astras, befanden sich von anderen Autos gestohlene Kennzeichen. Die Polizei versucht aktuell die Herkunft der ausgebrannten Autos zu ermitteln. "Die Gesamtumstände deuten auf einen Zusammenhang hin", heißt es in der Pressemitteilung.

Der Geldautomat stand laut Polizeibericht in einem Wohn- und Geschäftshaus. Die Tatortarbeit an der Bank sei noch nicht abgeschlossen, sodass die Polizei weder Angaben zur entstandenen Sachschadenshöhe noch zum erbeuteten Bargeld machen kann. Die Explosion hinterließ ihre Spuren im Raum, in dem der Automat stand, weiteren Schäden in den Wohnungen über der Bank gab es keine. Die Bewohner blieben unverletzt.

Zur Flucht der mutmaßlichen Täter habe man bislang noch keine Erkenntnisse. Nach den ersten Ermittlungen waren mindestens zwei maskierte Männer in der Bank, die Polizei beschreibt sie wie folgt:

  • beide schlank
  • beide gelb gekleidet (evtl. Regenkleidung)
  • einer war zwischen 1,60 und 1,75 Meter groß, der andere zwischen 1,70 und 1,80 Meter

Die Polizei bittet um Mithilfe:

"Jede Beobachtung könnte wichtig sein und Ermittlungsansätze bieten. An den beiden brennenden Opel Astra waren die ortsfremden Kennzeichen MKK und NDH. Ein Auto war dunkelgrün, die Farbe des anderen lässt sich durch die Verbrennung nicht mehr feststellen. Wem sind diese Autos in der Nacht oder in den letzten Tagen aufgefallen? Wer kann Angaben zu dem oder den Insassen machen? Wo standen die Autos? Wer hat zur Tatzeit Beobachtungen gemacht, die mit einer Flucht nach der Sprengung zusammenhängen könnten? Wer kann sonstige sachdienliche Angaben machen? Sollte ein augenscheinlich verlassenes Auto auftauchen oder entsorgte gelbe Kleidung oder Maskierung gefunden werden, bittet die Kripo eindringlich um sofortige Benachrichtigung und insbesondere aus Gründen der Spurensicherung darum, weder das Fahrzeug noch die etwaige Kleidung anzufassen."

Hinweise nimmt die Kripo Marburg unter 06421/4060 entgegen.

Aktualisierung, 11.12 Uhr: Der Marktplatz ist weiträumig abgesperrt, die Geschäfte sind jedoch alle zugänglich. Der Wochenmarkt findet heute auf der Fläche vor dem C&A statt.

Ähnliche Vorfälle in der Region

Kürzlich haben zwei Männer versucht einen Geldautomaten am Pilgrimstein in Marburg zu sprengen. Ein Vorfall in Alsfeld könnte laut Medienberichten mit diesem Versuch im Zusammenhang stehen.

In Kassel wurde Mitte Juni ein Automat gesprengt.

Bereits im Jahr 2015 hat die Sprengung eines Geldautomaten in Hachborn für Aufsehen im Kreis gesorgt. Damals berichtete Polizeipressesprecher Martin Ahlich, es sei immer wieder zu beobachten, dass die Täter gerne in ländlichen Gebieten zuschlagen, die nicht all zu weit von großen Straßen, bevorzugt Autobahnen, liegen.

Zahlen

Nach Zahlen des Bundeskriminalamtes (BKA) wurden 2018 deutschlandweit 369 Geldautomaten gesprengt, der Schwerpunkt lag in NRW. Im Vergleichszeitraum 2017 waren es 140 Fälle. In Hessen wurden im vergangenen Jahr 31 Automaten gesprengt. Insgesamt machten die Täter rund 18 Millionen Euro Beute. Die entstandenen Sachschäden dürften laut BKA-Schätzung im mittleren zweistelligen Millionenbereich liegen. Neben der Sprengung verzeichnete das BKA auch zahlreiche andere "Angriffe" auf Geldautomaten, etwa mechanisch mit Schleifgeräte und ähnlichem, sowie über technische Manipulation. Quelle: BKA