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Ostkreis Gefälschter städtischer Brief schürt Ängste
Landkreis Ostkreis Gefälschter städtischer Brief schürt Ängste
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20:41 04.06.2021
Fachleute sanierten eine Altlast bei Stadtallendorf. In einem gefälschten Schreiben warnt jetzt angeblich die Stadt vor Verseuchung des Trinkwassers. Schuld soll die A49 sein.
Fachleute sanierten eine Altlast bei Stadtallendorf. In einem gefälschten Schreiben warnt jetzt angeblich die Stadt vor Verseuchung des Trinkwassers. Schuld soll die A49 sein. Quelle: Archivfoto
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Stadtallendorf

Im Laufe des Fronleichnams steckten die ersten gefälschten Schreiben in Briefkästen in der Wetzlarer Straße (die OP berichtete online und auf der Titelseite der Freitagsausgabe). Später tauchten sie auch bei Haushalten in der Rohbornsiedlung und an weiteren Stellen im Stadtgebiet auf, wie sich am Freitag herausstellte. In dem Brief mit dem Stadtallendorfer Wappen und dem Schriftzug der Stadtverwaltung informieren die angeblichen „Wasserwerke Stadtallendorf“ über eine Verseuchung des Trinkwassers mit dem Sprengstoff TNT. Ursache der angeblichen Verseuchung: der Weiterbau der A49. Ausdrücklich wird in dem Brief vor rötlich verfärbtem Wasser und dessen Gebrauch gewarnt.

Dieses Schreiben landete in Stadtallendorfer Briefkästen. Darin wird vor Sprengstoff im Trinkwasser gewarnt. Schuld soll die A49 sein. Quelle: Privatfoto

Und die anonymen Verfasser gehen in dem Pamphlet sogar noch deutlich weiter, kündigen darin sogar höhere Wasserpreise an, um die Kosten für den Trinkwasserschutz zu finanzieren. Außerdem soll es, so heißt es auch in dem verteilten Brief, eine Infoveranstaltung am 6. Juni geben – was natürlich auch frei erfunden ist und nicht stattfindet.

„KriminelleEnergie“

Wer den offiziellen Briefbogen der Stadt Stadtallendorf schon einmal gesehen hat, kann das Schreiben als das was es ist identifizieren, als Fälschung. Bei anderen dürfte das Wappen wohl Eindruck gemacht haben. Zumal auch Bürgermeister Christian Somogyi samt Kontaktdaten im Schreiben vorkommt. Somogyi selbst reagierte am Donnerstagabend nach Bekanntwerden der Schreiben umgehend, er veranlasste eine Onlinemeldung der Stadt und informierte die OP über das Auftauchen der Briefe. Das Schreiben dürfte von unbekannten Autobahngegnern kommen, wie die Inhalte aus Sicht der Stadt klar zeigten. „Hinter einer solchen Aktion steckt eindeutig kriminelle Energie, so etwas ist für uns eine neue Dimension“, wird Somogyi deutlich. Noch am Donnerstagabend lobte er eine Belohnung von 1000 Euro für Hinweise aus, die zur Ermittlung der unbekannten Verfasser führen.

Dass sich die Verfasser zumindest tiefgehender mit der Altlastensanierung in Stadtallendorf auseinandergesetzt haben dürften, zeigt sich in einzelnen Textpassagen, in denen etwa von einem speziellen Sprengstoff die Rede ist, der im Sprengstoffwerk der Wasag verfüllt wurde.

Junge Mutter sorgt sich um Kind

Das Schreiben hat in jedem Fall einige Bürger in Stadtallendorf sehr verunsichert. Im Rathaus gingen am Freitagmorgen zahlreiche Anrufe verängstigter Stadtallendorfer ein. Somogyi selbst hatte bereits an Fronleichnam Kontakt mit einer jungen Mutter, bei der sich ein solches Schreiben auch im Briefkasten befunden hatte. Sie habe große Angst um die Gesundheit ihres Kindes gehabt. Über die Rüstungsaltlastensanierung auf der A49-Trasse hatte es zuletzt Diskussionen gegeben. Die Organisation „Parents for Future“ hatte Art und Umfang der Arbeiten kritisch bewertet, wogegen sich das Regierungspräsidium Gießen als Aufsichtsbehörde wehrte.

Das Stadtallendorfer Trinkwasser gilt als eines der bestüberwachten in Hessen. Zugleich fließt aus den Brunnen gewonnenes Wasser durch spezielle Aktivkohlefilter, um jedes Risiko durch Altlasten auszuschließen.

Am Freitag ging die Strafanzeige der Stadt zu dem gefälschten Schreiben bei der Kriminalpolizei ein. Dort wird der Staatsschutz, unter anderem für die Verfolgung politischer Straftaten zuständig, den Fall bearbeiten, wie Polizeisprecher Tobias Kremp der OP erläuterte. Für die Polizei wird es jetzt auf Zeugenhinweise ankommen. Deshalb fragen die Ermittler: Wer hat verdächtige Beobachtungen unter anderem in der Wetzlarer Straße oder auch in der Rohrbornsiedlung in den vergangenen Tagen gemacht und den Einwurf von Briefen beobachtet? Wer hat möglicherweise Informationen zu den Verfassern? Wie das Schreiben strafrechtlich eingeordnet wird, prüften die Ermittlungsbehörden am Freitag zunächst noch. Die Stadt Stadtallendorf sieht mindestens den Tatbestand der Urkundenfälschung erfüllt.

Hinweise bitte an die Kriminalpolizei in Marburg, Telefon: 06421/4060.

Von Michael Rinde

https://www.op-marburg.de/Landkreis/Ostkreis/Gefaelschtes-Schreiben-sorgt-fuer-Verunsicherung-in-Stadtallendorf