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Ostkreis Von Wasserbüffeln und gefälschten Plakaten
Landkreis Ostkreis Von Wasserbüffeln und gefälschten Plakaten
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17:21 28.10.2020
Wasserbüffel weiden auf einer Brachfläche bei Amöneburg.  Quelle: Boris Roessler
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11 Uhr: Protest im Herrenwald

Im Herrenwald gehen unterdessen die Rodungsarbeiten weiter, wie immer begleitet von einem großen Polizeiaufgebot. Die Aufgabe der Beamten: Sicherstellen, dass sich keine Menschen im zu rodenden Bereich aufhalten. 

Foto: Nadine Weigel

Polizisten haben bereits einige Aktivisten aus Waldbesetzer-Camp "Underground" im Herrenwald entfernt. Zahlreiche Waldbesetzer befinden sich noch in den Bäumen. Eine Aktivistin klagt über Schmerzgriffe von der Polizei. Dreimal wurde sie gefragt, ob sie einen Sanitäter braucht. Sie lehnte ab. Weinend. 

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Foto: Nadine Weigel

9.30 Uhr: Protest in Berlin

Gegner des Weiterbaus der Autobahn A49 haben an der Parteizentrale der Grünen in Berlin protestiert. Einigen Aktivisten gelang es, mit einer Leiter auf einen Balkon des Hauses zu steigen. Dort entfalteten sie ein Transparent «Autopartei? Nein Danke». Die Grünen sind in Hessen an einer Regierungskoalition mit der CDU beteiligt.

9 Uhr: Neun Aktivisten in U-Haft

Nach mehreren Abseilaktionen von Autobahnbrücken im Rhein-Main-Gebiet sind gegen elf Gegner des Weiterbaus der Autobahn 49 Haftbefehle wegen Nötigung erlassen worden. Dies sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Mittwoch. Gegen zwei Umweltaktivisten seien diese gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt worden. Neun Personen seien in Untersuchungshaft.

Die elf Aktivisten hatten sich am Montag den Ermittlungen zufolge von Brücken an den Autobahnen 3, 5 und 661 abgeseilt. Mit den Aktionen hatten sie gegen den Weiterbau der A49 in Mittelhessen protestiert. Die Abseilaktionen hatten im morgendlichen Berufsverkehr für kilometerlange Staus gesorgt.

8.30 Uhr: Falsche Grünen-Plakate

Seid Ihr heute in Marburg über merkwürdige Grünen-Plakate gestolpert? Aktivisten der Organisation Attac haben angekündigt, in Marburg gefälschte Grünen-Plakate mit dem Schriftzug "Grün regiert" aufzuhängen. Damit wollen sie gegen die Rodung des Dannenröder Waldes und den Ausbau der A49 protestieren. Geplant ist zudem am Nachmittag eine Kundgebung beim Landtag in Wiesbaden. Attac fordert die Landesregierung auf, einen Räumungs- und Rodungsstopp zu verhängen. Bei den gefälschten Grünen-Plakaten handelt es sich um eine Gemeinschaftsaktion von Attac und dem Streetartkünstler-Kollektiv „Dies Irae“. Unser Fotograf hat eines in der Frankfurter Straße entdeckt: 

Foto: Thorsten Richter

8 Uhr: Grünland statt Wald

Als Ausgleich für wegfallende Wald- und Naturflächen für den umstrittenen Weiterbau der Autobahn 49 in Mittelhessen sind bereits mehrere Projekte angegangen worden. «Mehr als die Hälfte der Ausgleichsmaßnahmen sind schon umgesetzt oder befinden sich derzeit in der Umsetzung», teilt die Projektgesellschaft Deges mit. Dazu gehören etwa Aufforstungen oder ein neues Feuchtgebiet. Ein Beispiel dafür ist das Bekassinenloch am Fuß der Amöneburg. Dort wurde aus Ackerland feuchtes Grünland, auf dem nun Wasserbüffel weiden.

Bei den Planungen habe man auf die Funktionen geschaut, die bestimmte Naturflächen besitzen, die dann auch die Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen aufweisen müssen, teilte die Deges weiter mit. «Das heißt, die Planer haben betrachtet: Wie viele Hektar verlieren wir beispielsweise an Auwaldflächen? Und haben dann die entsprechende Ausgleichsmaßnahme, also die Neuentwicklung von naturnahem Auwald, mindestens eins zu eins entgegengesetzt», erläuterte Claus Rosenstein, Landschaftsarchitekt bei der Deges.

Für den Lückenschluss der A 49 sollen rund 85 Hektar Wald gerodet werden, insbesondere im Herrenwald bei Stadtallendorf und im Dannenröder Forst bei Homberg (Ohm). Die versiegelte Fläche wird laut Deges 124 Hektar betragen, hinzu kommen Flächen beispielsweise für Böschungen. Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen sind auf insgesamt 750 Hektar vorgesehen.

von Nadine Weigel, Friederike Heitz und unserer Agentur dpa

Mehr zum Thema A49

Aus Sicht von Polizei und Forstarbeitern war der Dienstag (27. Oktober) ein vergleichsweise ruhiger Arbeitstag. Zwischenzeitlich verbreitete die Polizei auf „Twitter“ die Meldung von einem im südlichen Herrenwald gefundenen Materiallager mit Hämmern, Nägeln, Sägen, Seilen und Bolzenschneider. Anmerkung der Polizei dazu: „Die Eigentümer können sich gerne bei uns melden.“

Unseren ausführlichen Tagesrückblick (kostenpflichtig) findet Ihr hier: A49: Zwei Drittel der Trasse gerodet