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Ostkreis Gedenkstätte für Sternenkinder?
Landkreis Ostkreis Gedenkstätte für Sternenkinder?
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15:58 03.02.2021
Auf dem Friedhof könnte eine Gedenkstelle für Sternenkinder – auch Engelskinder genannt – entstehen.
Auf dem Friedhof könnte eine Gedenkstelle für Sternenkinder – auch Engelskinder genannt – entstehen. Quelle: Foto: Florian Lerchbacher
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Stadtallendorf

Die Stadt soll prüfen, ob und in welcher Form auf dem Friedhof in der Kernstadt eine Gedenkstelle für Sternenkinder eingebracht werden kann. Sternen-, Schmetterlings- oder Engelskinder sind Kinder, die vor, während oder bald nach der Geburt versterben – oder auch bei einem medizinisch angezeigten Schwangerschaftsabbruch umkommen, wie Carla Mönninger-Botthof während der Stadtverordnetenversammlung betonte. Sie hatte mit den Stadtallendorfer Sozialdemokraten während der jüngsten Sitzung den Prüfantrag eingebracht, in der FDP und der BUS Unterstützer gefunden und dann auch Zustimmung aus den Reihen von CDU und Grünen erhalten.

Nicht jede Schwangerschaft ende glücklich, stellte sie heraus und berichtet, dass jährlich mehr als 3000 Babys im Mutterleib sterben würden – die Dunkelziffer sei aber weitaus höher. Früher seien Beisetzungen unüblich gewesen und das Thema sei in der Öffentlichkeit nicht angesprochen worden. Seit dem Jahr 2013 sei das aber anders und auch Kinder, die vor der 24. Schwangerschaftswoche versterben und keine 500 Gramm Körpergewicht erreichen, können bestattet werden. „Auch heute und künftig können Kinder aus unterschiedlichen Gründen nicht beigesetzt werden. So fehlt ein Ort der Trauer, um dem Kind nahe sein zu können“, sagte Mönninger-Botthof und ergänzte: „Betroffene Eltern bleiben verwaist zurück. Trauer braucht aber einen Ort, um die Trauerarbeit zu ermöglichen.“

Kritikschreiben zum Impfen bleibt aus

Einen solchen Ort wolle sie den Betroffenen geben. „Diese Gedenkstelle auf unserem städtischen Friedhof sollte eine pietätvoll ausgesuchte Stelle sein, mit dem entsprechenden Hinweis versehen werden“, so die Sozialdemokratin, die sich einen „Ort zum Innehalten“ beziehungsweise einen Ort, an dem die Betroffenen bewusst trauern können, wünscht.

Ein weiteres Thema, das die Stadtverordneten während ihrer Sitzung (neben Haushalt und Kinderbetreuung, die OP berichtete) aufgriffen, war die Corona-Impfung. Die SPD wollte mit der FDP (und bei der Abstimmung auch mit der BUS) die Landesregierung auffordern, „dringend die notwendigen organisatorischen Voraussetzungen zu schaffen, damit ältere und hilfsbedürftige Menschen tatsächlich die Möglichkeit einer zeitnahen Impfung bekommen“. Reinhard Kaul brachte den Antrag ein und kritisierte unter anderem die langen Wege zu den geöffneten Impfzentren und mangelhafte Koordination bei den Terminen. Der ländliche Raum werde abgehängt, monierte er.

Entsorgerfirma pachtet Ex-TNT-Zwischenlager

Wienand Koch (FDP) ergänzte, Ankündigungen und Versprechen würden ihm nicht mehr reichen. „Wir können das, wir regeln das“, heiße es stets: „Und dann fällt alles zusammen.“ Manfred Thierau (BUS) lobte die Stadt, die eine Hilfe-Hotline anbiete. Dem schloss sich Hans-Georg Lang (CDU) an – ebenso wie dem Punkt, dass das Impfen in Deutschland schlecht laufe. Seiner Meinung nach müsse sich die Kritik an die EU-Kommission richten. „Denn da sind die Fehler passiert. Wenn wir keinen Stoff haben, können wir auch nichts verimpfen“, kommentierte er. Gemeinsam mit den Grünen sorgte seine Fraktion dafür, dass die Stadtallendorfer keine Kritik beziehungsweise Forderungen an die Landesregierung schickt, wie die Antragsteller erhofft hatten.

Dafür segneten die Stadtverordneten den „Neuzuschnitt“ einer Fläche auf dem ehemaligen TNT-Zwischenlager samt Verpachtung an die Firma Knettenbrech + Gurdulic, die sich um die Leerung der Gelben Tonnen kümmert, ab.

Das Unternehmen wolle eine Fläche mit einer Größe von rund 55 000 Quadratmetern pachten, um dort eine neue Betriebsstätte (mit rund 80 Arbeitsplätzen) zu etablieren. Die Fläche soll für acht Jahre zu einem Jahrespreis von 110 000 Euro verpachtet werden. Danach soll eine Kaufoption für rund 30 000 Quadratmeter gelten – bei einem Quadratmeterpreis von, wie in Stadtallendorf üblich, 45 Euro.

Von Florian Lerchbacher

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