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Ostkreis Corona-Herausforderungen als Chance genutzt
Landkreis Ostkreis Corona-Herausforderungen als Chance genutzt
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14:58 25.04.2021
Mit Spaß bei der Sache: die staatlich geprüften Desinfektoren Manuel Weitzel (links) und Johannes Hentrich in ihren Schutzanzügen.  
Mit Spaß bei der Sache: die staatlich geprüften Desinfektoren Manuel Weitzel (links) und Johannes Hentrich in ihren Schutzanzügen.   Quelle: Andreas Schmidt
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Stadtallendorf

Hygiene ist wegen der Corona-Pandemie stärker in den Fokus gerückt. Die Unternehmen müssten teilweise auf eine stark veränderte Nachfrage reagieren, erläutert Guido Hahn, Sprecher der Landesinnung Hessen des Gebäudereiniger-Handwerks: „Es gibt Kunden, da haben sich die Aufträge erhöht.“

In anderen Bereichen lasse die Zunahme von Home-Office Aufträge wegbrechen. Ein direkter Effekt der Pandemie ist laut der Innung die boomende Nachfrage nach Desinfektionslehrgängen. Zwar sei diese Ausbildung in den wenigsten Fällen wirklich erforderlich. Kunden wollten aber derartige Fachkenntnisse nachgewiesen haben, so Hahn.

Doppelt gefordert

Dass die Pandemie die Branche durcheinandergewirbelt hat, bestätigt auch das Unternehmen Hentrich aus Stadtallendorf: Seit gut 45 Jahren agiert das nach mehreren Iso-Normen zertifizierte Unternehmen auf dem Markt, beschäftigt mehr als 1.200 Mitarbeiter. Und war mit Beginn der Corona-Pandemie doppelt gefordert. „Als die Pandemie Anfang vergangenen Jahres begann und abzusehen war, dass sie massive Auswirkungen haben wird, haben wir umgehend damit begonnen, die Organisationsstrukturen auf den Pandemiefall auszurichten“, so Geschäftsführer Bernhard Hentrich.

Mitarbeiterschutz stand an erster Stelle – mit all den Fragen und Unsicherheiten, die anfangs jedes Unternehmen hatte. „Dabei stand uns der Landesinnungsverband zum Glück zur Seite“, sagt Hentrich, „die haben uns viele Leitlinien, die ausgearbeitet waren, an die Hand gegeben, damit wir sie im Betrieb umsetzen konnten“.

Große Nachfrage nach Desinfektionsarbeiten

Manuel Weitzel, bei Hentrich zuständig für Prozesse und Qualitätssicherung, verdeutlicht: „Es war und ist klar, dass wir im Umgang mit der Pandemie nur Erfolg haben, wenn wir uns der veränderten Situation schnell anpassen können und die von uns verbindlich aufgestellten Regeln und Maßstäbe, die wir implementiert haben oder immer wieder nachsteuern, auch vorbildlich mittragen und vorleben.“

Dazu gehöre bis heute ein intelligenter, einfacher und intensiver Informationsaustausch bis hin zu jeder einzelnen Stelle. So hat Hentrich die Digitalisierung im Unternehmen vorangetrieben, um unnötige Kontakte zu vermeiden und den schnelleren Informationsfluss zu gewährleisten. „Dabei wurden neben den zentralen Diensten auch die Objektleiter oder Vorarbeiter einbezogen“, erläutert Weitzel.

Erst Auftragseinbrüche, dann stieg Nachfrage

Für die Branche habe die Corona-Krise zunächst einen Auftragseinbruch bedeutet, heißt es vom Verband. Denn durch den Lockdown wurden Geschäfte geschlossen. Firmen schickten ihre Mitarbeiter ins Homeoffice oder ins mobile Arbeiten. Doch dann sei die Nachfrage stark gestiegen: Hotels und Kaufhäuser öffneten. Flächen, mit denen Menschen Kontakt haben, sollten auf Kundenwunsch öfter gereinigt werden. Besonders die Glas- und Sonderreiniger – letztere bieten Leistung über die reguläre Gebäudereinigung hinaus – hätten stark profitiert.

Das hat auch die Firma Hentrich gemerkt. „Bei der täglichen Arbeit liegt ein besonderer Fokus auf Flächen, die ein hohes Keim-Übertragungsrisiko haben“, erläutert Weitzel – etwa Türknäufe, Handläufe oder Tische. Reinigungsintervalle seien optimiert worden für eine verbesserte Hygiene in allen Räumen, die häufig und intensiv genutzt würden. Bernhard Hentrich verdeutlicht: „Der monatliche Umsatz war zwischenzeitlich um gut 15 Prozent gestiegen – nur durch zusätzliche Desinfektionsarbeiten.“ Das habe sich mittlerweile wieder etwas niedriger eingependelt. Und: Hentrich besitzt fünf staatlich geprüfte Desinfektoren, „die beim Kampf gegen Corona an vorderster Front stehen“.

Aufgabe: Auch Beratung der Kunden

Die Desinfektoren erkennen Gefahrenquellen, bestimmen die Keimlast vor und nach den Reinigungen, schulen die Mitarbeiter und beraten die Kunden. „Dadurch gewährleisten wir, dass die einzelnen Arbeitsschritte ineinandergreifen und alle Mitarbeiter so gut wie möglich über die erforderlichen Maßnahmen informiert sind“, verdeutlicht Weitzel, der selbst einer dieser Fachkräfte ist. Als Meisterbetrieb im Gebäudereiniger-Handwerk biete man die entsprechenden Fachkräfte, „mit denen wir einen umfassenden und aktiven Teil zur Bewältigung der Pandemie beitragen“, ist sich Weitzel sicher. „Unsere Mitarbeiter leisten einen großen Beitrag dabei, Infektionsketten zu unterbrechen. Dafür gebührt ihnen ein großer Dank.“

So kam das Unternehmen schon mehrfach im Einsatz in Räumen, in denen Corona-Fälle aufgetreten waren. „Dort haben wir dann entsprechend die Räume nachgereinigt und desinfiziert, damit diese wieder benutzt werden konnten“, sagt Weitzel. Dies geschehe in speziellen Schutzanzügen und unter anderem mit dem Einsatz von speziellen Mitteln und beispielsweise Vernebelungsgeräten.

Herausforderungen als Chance genutzt

Hentrich betreut auch die Hessische Erstaufnahmeeinrichtung in Neustadt. „Die stellt uns durch Infektionswellen auf engstem Raum vor große Herausforderungen“, beschreibt Weitzel. Durch fachliche und disziplinierte Arbeitsweisen und den entsprechenden Arbeitsschutz sowie die sehr gute Zusammenarbeit mit den Institutionen vor Ort habe man die Situationen meistern können.

Nach gut einem Jahr Pandemie steht für Hentrich fest: Durch die neu implementierten, intelligenten Konzepte und die effizienteren Arbeitsweisen habe man die unternehmerische Struktur nicht nur erhalten, sondern den Umsatz gesteigert, indem man auch neue Kunden gewonnen habe.

Reinigung von 125 Gebäuden

So etwa einen Großauftrag in Hamburg oder einen Kunden in Bergen, der Hentrich mit der Reinigung von 125 Gebäuden beauftragt habe. Davon profitiere auch das Tochterunternehmen G.I.V. Reinigungstechnik mit seinem Sortiment für das Reinigungshandwerk, in dem in den vergangenen Monaten neue Arbeitsplätze entstanden seien.

„Wir haben die Herausforderungen der Pandemie als Chance genutzt – das macht uns auch stolz“, so Hentrich.

Lohn-Plus für Gebäudereiniger

Seit Anfang April gelten die zwei relevantesten Lohngruppen im Gebäudereiniger-Handwerk, nämlich die Gruppen 1 und 6, als allgemeinverbindlich. Demnach liegt der Einstiegs-Branchenmindestlohn (Lohngruppe 1) bundesweit bei 11,11 Euro pro Stunde. Bis 2023 steigt er um insgesamt 10,7 Prozent auf 12 Euro. Der zweite Branchenmindestlohn (Lohngruppe 6), der die Fassaden- und Glasreinigung umfasst sowie für Gesellinnen und Gesellen gilt, beträgt 14,45 Euro pro Stunde. Lohngruppe 6 erhöht sich bis Ende der Laufzeit in 2023 auf 15,20 Euro.

„Die Allgemeinverbindlichkeit sorgt innerhalb unseres personalintensiven Dienstleistungshandwerks für fairen Wettbewerb“, so Bundesinnungsmeister Thomas Dietrich. „Wir haben mit dem langfristigen Tarifvertrag und den deutlichen Lohnsteigerungen trotz tiefgreifender Krise für unsere systemrelevante Branche ein Statement gesetzt. Unsere Branche bietet, zusammen mit dem seit 2020 allgemeinverbindlichen Rahmentarifvertrag, so attraktive Tarifkonditionen wie nie zuvor.“ Die Tariflöhne in der Gebäudereinigung setzen sich weiter deutlich vom allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn ab, der aktuell bei 9,50 Euro liegt. Der Abstand zu den tariflichen Einstiegslöhnen im Gebäudereiniger-Handwerk beträgt rund 17 Prozent.

Von Andreas Schmidt

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