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Ostkreis Garten soll an Bonifatius erinnern
Landkreis Ostkreis Garten soll an Bonifatius erinnern
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17:58 26.12.2020
Zentrales Element des "Stiftsgartens", der auf dem Gelände des alten, entweihten Friedhofs neben der Kirche angelegt wurde, ist ein tonnenschwerer Basaltbrocken.
Zentrales Element des "Stiftsgartens", der auf dem Gelände des alten, entweihten Friedhofs neben der Kirche angelegt wurde, ist ein tonnenschwerer Basaltbrocken. Quelle: Florian Lerchbacher
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Amöneburg

Einst war es ein Friedhof, nun ist’s ein Garten, der an die Klostergründung durch Bonifatius vor 1300 Jahren erinnern soll: Der Verein Amöneburg 13Hundert und die Stadt haben sich der viele Jahre vernachlässigten Fläche zwischen der prunkvollen Stiftskirche und der Friedhofshalle angenommen und daraus den „Stiftsgarten“ gemacht, der zwar derzeit noch ein wenig braun daherkommt, schon bald aber fröhlich erblühen soll, wie Gabi Clement berichtet und auf zahlreiche eingesetzte Blumenzwiebeln und Rasen verweist.

Die Fläche diente früher als Friedhof, wurde aber bereits vor vielen Jahren entwidmet. Nichtsdestotrotz wurden während der Umgestaltung die Gebeine von Menschen gefunden, die Pfarrer Marcus Vogler dann während einer kleinen aber feierlichen Andacht auf dem Gelände erneut bestattete, so Bürgermeister Michael Plettenberg. „Wir möchten sehr würdig mit dem Platz umgehen. Das ist allen Beteiligten sehr wichtig“, wirft Freddy Greib, einer der drei Vorsitzenden des Jubiläumsvereins, ein.

Die Idee zu dem Projekt hatte der Amöneburger Diethelm Reinmüller, wie Ralf Lippmann vom Verein Amöneburg 13Hundert herausstellt und betont, dass abgesehen von einer Statue auf dem Berg nichts an Bonifatius erinnere. Auf der Fläche haben die Amöneburger eine Linde gepflanzt, die eine Anspielung an die Bonifatius-Linde ist, die einst an gleicher Stelle gestanden hatte, allerdings dem Orkan Kyrill zum Opfer fiel.

Außerdem hängt an der Bonifatiushalle nun eine Tafel, die den Klostergründer zeigt – die Tafel hat die Stadt Amöneburg gegen eine Spende von der Stadt Neustadt erhalten. Zentrales Element des Stiftsgartens ist ein mehr als sieben Tonnen schwerer Basaltbrocken, auf den Gabi Clement gestoßen war.

Sie hatte ihn auf dem Gelände von Vereinsmitglied Karl-Heinz Weber entdeckt, der ihr berichtete, dass dieser einst auf dem Acker lag und schon sein Großvater immer drumherum pflügen musste. Eines Tages habe ein Baggerfahrer ihn etwas aus dem Weg geschafft. Und sie habe sich nun gedacht, da der Basaltbrocken ein „echter Berger“ sei, passe er gut als Monument zu dem Garten. Ihn quasi auf die Spitze des Berges zu schaffen, sei jedoch nicht einfach gewesen, doch zum Glück habe die in Amöneburg oftmals tätige Firma Geißler Infra das Projekt ehrenamtlich unterstützt, dafür einen 40 Tonner samt Kran eingesetzt und den „Umzug“ erledigt.

Die Kosten für die Umgestaltung der Fläche belaufen sich auf 34 000 Euro. 14 000 Euro gab es an Bund- und Ländermitteln als Förderung über die Region Marburger Land. Außerdem wurde für 2 500 Euro die „Pestsäule“ saniert – die Hälfte der Kosten trug dabei das Landesamt für Denkmalpflege. Mit einem Augenzwinkern schlug Clement in diesem Zusammenhang vor, vielleicht noch eine „Coronasäule“ danebenzustellen.

Geplant ist noch, eine Sitzgelegenheiten im neuen Stiftsgarten aufzustellen – wobei Vereinsmitglied Johannes Theil in diesem Zusammenhang darauf hinweist, dass das Gelände des neuen Friedhofs eigentlich schon Stiftsgarten geheißen habe. Eine „Relaxliege“, die eine Zeit lang im neuen Stiftsgarten gestanden und bei einigen Bergern schon für Unmut gesorgt hatte, aber zum Pressetermin verschwunden war, habe dort nur übergangsweise „auf der Suche nach einem geeigneten Standort“ gestanden, sagt Bürgermeister Michael Plettenberg auf Nachfrage der OP.

So beginnt das Jubiläumsjahr

Das Jahr 2021 ist jenes, in dem Amöneburg 1300 Jahre alt wird. Der Jubiläumsverein hat ein buntes Programm zusammengestellt – muss aber natürlich auch mit Corona-bedingten Einschränkungen leben. So fällt das geplante Eröffnungskonzert aus, wird aber – je nach Pandemielage – eventuell im Sommer nachgeholt. Ebenfalls gestrichen wurden die „Mitternachtsklänge“ am Sylvesterabend.
Stattdessen soll es mit folgenden Terminen (die sich natürlich aufgrund der aktuellen Entwicklung immer noch spontan ändern können) losgehen: Am 31. Dezember 2020 mit dem Steigeramt. Am 8. Januar soll dann Bischof Dr. Michael Gerber mit der Bonifatius-Reliquie nach Amöneburg kommen, um die Sternsinger auszusenden: Um 11 Uhr findet ein Gottesdienst in der Stiftskirche statt – dort werden nicht Sternsinger aus dem ganzen Bistum Fulda vertreten sein, sondern „Sternsingerfamilien“ aus dem Dekanat Marburg-Amöneburg. Im Anschluss wird dann eine kleine Abordnung zum Rathaus gehen, um dort die Segenswünsche zu übermitteln.
Am 17. Januar steht eine kirchenmusikalische Andacht auf dem Programm, die jedoch ohne Chöre und stattdessen nur mit den Beiträgen von Organisten stattfinden soll. „Wir passen das Festprogramm der aktuellen Situation an. Es kann also stets noch zu Veränderungen kommen – wir sind flexibel“, betont Freddy Greib, einer der drei Vereinsvorsitzenden.

Von Florian Lerchbacher

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