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Ostkreis Fußgänger bleiben geduldet
Landkreis Ostkreis Fußgänger bleiben geduldet
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14:59 19.07.2020
Mischlingshündin Frida auf dem Damm bei Niederwald. Viele Spaziergänger nutzen den Weg und genießen den Rundumblick auf das Ohmtal. Quelle: Silke Pfeifer-Sternke
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Kirchhain

An den Ohmdeichen in Kirchhain, Schönbach und Großseelheim hat sich etwas verändert. Es stehen an den Zugängen zu den Wegen auf den Deichen neue Hinweisschilder und die lösen bei Spaziergängern wie Radfahrern Verwirrung bis Unmut aus.

„Betriebsweg“ ist darauf groß zu lesen. Aufregung löst vor allem der Zusatz aus: „Benutzung durch Unbefugte untersagt!“ Unterschrieben ist der Schildertext vom Wasserverband Lahn-Ohm, der auch das Ohmrückhaltebecken und die Deiche betreibt. Doch heißt das nun wirklich, dass auch der Spaziergang auf dem Ohmdeich untersagt ist?

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Nein, beruhigt Olaf Hausmann, Bürgermeister und derzeit auch Verbandsvorsteher des Wasserverbandes Lahn-Ohm und ist sich darin mit Karl-Heinz Schäfer einig. Schäfer ist der Geschäftsführer des Zweckverbandes Mittelhessische Wasserwerke, der auch die Geschäfte des Wasserverbandes für die Mitgliedskommunen führt.

Spaziergänge sind dem Wasserverband weiterhin willkommen. Sie seien in der Vergangenheit auch wertvolle Hinweisgeber für Schäden an den Deichanlagen gewesen, betont Hausmann.

Wege sind offiziell nicht öffentlich

Dass es nun zu diesen neuen Schildern gekommen ist, hat eine längere Vorgeschichte. Letztlich ging es um Bestrebungen eines Radfahrers im Raum Gießen, die auch in Kirchhain auf den Deichen bekannten Umfahrungssperren beseitigen zu lassen. Es kam zu längeren rechtlichen Auseinandersetzungen mit dem Wasserverband Kleebach, wie Schäfer erläutert.

Unter Einbeziehung des Regierungspräsidiums Gießen und sogar der Landesregierung musste der dortige Wasserverband noch einmal rechtlich unmissverständlich klarstellen, dass es sich bei den Wegen auf Deichen eben nicht um öffentliche Verkehrswege handelt, sondern um Betriebswege.

Und das gilt identischerweise auch für die Betriebswege auf den Kirchhainer Ohmdeichen. Es war eine haftungsrechtlich saubere Lösung nötig. Im Falle des Wasserverbandes Kleebach wäre eine Deicheinzäunung die Alternative gewesen, das habe niemand wollen können, so Schäfer in einem Statement.

Zweiräder bleiben dort verboten

Hausmann wie auch Schäfer machen in Stellungnahmen klar, dass es nicht darum geht, Fußgänger „auszusperren“ oder zu verbannen. Radfahrer oder Mofafahrer hingegen haben, wie in der Vergangenheit auch, nichts auf den Deichanlagen verloren. „Die Deiche dienen dem Hochwasserschutz und haben eine sehr große Bedeutung weit über Kirchhain hinaus“, hebt Hausmann deutlich hervor.

Deshalb bleiben auch die Umfahrungssperren bestehen, die jedoch leider immer wieder „umfahren“ werden. „Es gibt für Radfahrer unterhalb der Deiche genügend Möglichkeiten zu fahren“, macht Hausmann klar. Wer erwischt werde, wenn er über die Betriebswege fahre oder radele, müsse mit Bußgeldern rechnen. Fußgänger bleiben aber willkommen, wobei sie rein formal vom Hausherrn Wasserverband wirklich nur „geduldet“ sind.

Von Michael Rinde

18.07.2020
15.07.2020