Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Fremdenfeindliche Attacke vor Kindern
Landkreis Ostkreis Fremdenfeindliche Attacke vor Kindern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:58 15.12.2019
Kirchhain

Wahrscheinlich aus purem Fremdenhass beleidigte eine Kirchhainerin vor knapp einem halben Jahr eine Frau, die mit ihren Kindern am Einkaufen war – und vor allem an ihrer Burka als Ausländerin deutlich zu erkennen ist.

„Was willst Du hier? Geh doch nach Hause“, soll sie geschrien und ihr Gegenüber auf die Brust geschlagen und kräftig geschubst haben – dies berichtete nicht nur das Opfer, sondern auch eine Zeugin. Zu allem Überfluss geschah all dies auch noch direkt vor den Augen der Kinder der Tschet­schenin.

Vor Gericht kristallisierte sich folgender Tathergang heraus: Die Tschetschenin ging mit ihren Kindern zum Einkaufen. In oder vor einem Supermarkt traf sie auf die Kirchhainerin, die offenbar abfällige Worte hinter ihrem Rücken sprach – was die 38-Jährige aber zunächst ignorierte, um einer Auseinandersetzung aus dem Weg zu gehen.

Kurze Zeit später verließen die Kinder das Geschäft, um vor der Tür auf die geplante Ankunft ihres Vaters zu warten. Dort trafen sie erneut auf die Angeklagte – wie diese berichtete, hätte die Tochter nach Geld für einen Kakao gefragt.

Die Mutter beobachtete die Situation aus dem Supermarkt, geriet in Sorge, ließ ihren Einkauf stehen und eilte ebenfalls nach draußen. „Ich hatte Angst und wollte schnell mit meinen Kindern nach Hause“, erklärte sie.

Die Angeklagte habe „böse Sachen“ zu ihr gesagt und sie anschließend geschubst und ihr zweimal gegen die Brust geschlagen. Sie habe jedoch nicht genau verstanden, was alles für Worte gefallen seien: Wohl aber, dass die Kirchhainer gedroht habe, sie zu töten. Sie wisse allerdings nicht, warum es zu dieser Auseinandersetzung gekommen sei – teilweise werde sie von der Angeklagten verfolgt: „Ich habe nichts gegen sie und will nur, dass sie mich in Ruhe lässt.“

Richter: Worte schreien nach Sanktionierung

Die Kirchhainerin gab an, sie sei während der Geschehnisse angetrunken gewesen – auf einer Skala von eins bis zehn ungefähr bei einer zwei, vielleicht auch einer drei. Eine Zeugin sagte indes: „Sie war total besoffen und hat rumgeschrien.“ Die gewählten Worte seien „extrem laut, sehr deutlich und fies“ gewesen.

Und dann habe die Frau auch noch ihren Namen gerufen und mitgeteilt, dass sie auch gerne angezeigt werden könne.
Dem „Wunsch“ kam ihr Opfer nach. Vor Gericht präsentierte sich die ohne Anwalt erschienene Angeklagte dann jedoch weitaus kleinlauter und zeigte ihren Unmut höchstens durch Gesten.

So zum Beispiel, als die Tschet­schenin berichtete, dass die ersten Worte im Supermarkt gefallen seien – in dem die 28-Jährige eigenen Angaben zufolge aber gar nicht gewesen war, da sie dort Hausverbot hat. Richter Joachim Filmer fiel diese Diskrepanz ebenfalls auf. Im Gegensatz zur Angeklagten griff er dies sogar auf.

Das Detail könne jedoch vernachlässigt werden, erklärte er und betonte, dass ihm das Motiv beziehungsweise der Auslöser für die Tat während der gesamten Verhandlung nicht klar geworden sei.

Was nur am Rande erwähnt wurde: Die 28-Jährige soll bei der Familie einmal geklingelt haben und sich vom Vater bei der Arbeit an Türen helfen lassen – und ihm anschließend Textnachrichten geschickt haben, bis dieser sie sperrte. Ein Hauch von Eifersüchteleien wehte daher kurz durch den Gerichtssaal, wurde aber schnell wieder hinweggeblasen.

Gefordertes Strafmaß reicht dem Gericht nicht aus

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft forderte eine Verurteilung der Hartz-IV-Empfängerin zu 50 Tagessätzen à 10 Euro wegen tätlicher Beleidigung. Eine Körperverletzung sah er nicht gegeben – im Gegensatz zu Richter Filmer, der über das geforderte Maß an Bestrafung hinausging und sich für 60 Tagessätze entschied – wegen rassistischer (aber nicht tätlicher) Beleidigung und Körperverletzung.

„Ihre Äußerungen können grundsätzlich nicht geduldet werden und schreien nach Sanktionierung“, stellte er heraus und ergänzte, dass die Tat besonders schrecklich gewesen sei, weil sie vor den Augen der Kinder des Opfers geschah: „Da Sie selber auch Kinder haben, sollten Sie wissen, dass es sensible Geschöpfe sind und mit so etwas nicht konfrontiert werden sollten.“

Der Angeklagten, die einen Verzicht auf Rechtsmittel erklärte, gab er noch mit auf den Weg, dass sie sich auf einem angesichts von mehreren Verurteilungen in den vergangenen Monaten – allesamt aber nicht wegen Kapitalverbrechen – auf einem schlechten Weg befinde und aufpassen müsse, wo sie dieser hinführt.