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Ostkreis Neues Gebäude in Rauschenberg vom Tisch
Landkreis Ostkreis Neues Gebäude in Rauschenberg vom Tisch
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17:58 31.08.2019
Das Rauschenberger Freibad wird nach seiner Sanierung sein Äußeres fast vollständig behalten. Nur der Zaun um das große Becken und das Durchschreitebecken sollen weichen. Quelle: Matthias Mayer
Rauschenberg

Der erste Entwurf sah einen Gebäudetrakt mit mehreren Funktionen vor, der zwischen dem Planschbecken und dem Schwimmbecken entstehen sollte, mit dem Ziel, in dem Gebäude auch die gewünschte Barrierefreiheit herzustellen. So sollte der höher gelegene Kiosk abgerissen und durch einen Kiosk in dem neuen Gebäude ersetzt werden.

Kritiker beklagten, dass das geplante Gebäude den parkartigen Charakter des Freibades durchschneide, während die Bestandsgebäude nach wie vor die Funktionen eines Freibades erfüllten.

Pigulla beklagt Fake News

Rund 45 Besucher des Freibades waren nun in die Kratz’sche Scheune gekommen, um mit den Mitgliedern des Ausschusses Kultur, Sport und Soziales über das zu diskutieren, was letztlich im Freibad gemacht werden soll.

Zuvor rief der Stadtverordnete Andreas Pigulla zu einer fairen und von der Sache geprägten Diskussion auf. Die vier Fraktionen stünden alle hinter dem Beschluss, das Freibad zu sanieren und zu modernisieren. Den Auftrag dafür habe das Parlament dem Magistrat gegeben.

Derweil würden in den sozialen Netzwerken Fake News am laufenden Band produziert. Unter anderem werde in Rauschenberg kolportiert, dass für das Freibad schon alles entschieden sei. Das empfinde er als höchst enttäuschend. Parlament und Magistrat arbeiteten an dem Projekt, an das sich eine ganze Generation nicht herangewagt habe.

Barrierefreiheit und Beckensanierung im Blick

Bürgermeister Michael Emmerich (CDU) erinnerte an den Planungsauftrag, den der Magistrat bekommen habe. Nach einem halben Jahr Grundlagenarbeit habe das Grünberger Planungsbüro Tamm den Planungsauftrag erhalten. Dessen wichtigste Bausteine: die Herstellung der Barrierefreiheit und die Beckensanierung. Der erste Entwurf des Büros habe das zentrale Gebäude vorgesehen. Diese Variante sei vom Tisch, weil sie von den Badbenutzern nicht gewünscht worden sei.

Bei Ortsterminen im Kirchverser Waldschwimmbad und im Rauschenberger Bad sei man ein gutes Stück weiterkommen. Am letztgenannten Termin seien neben dem Ausschuss auch der Ortsbeirat und der Förderverein zugegen gewesen, sagte der Bürgermeister.

Der Architekt Manfred Tamm führte aus, wie die Rauschenberger unter Nutzung der Bestandsgebäude ans Ziel kommen können.

  • DIN: Die heutigen Normen müssen eingehalten werden. Die Filter entsprächen nicht mehr den heutigen Normen, auch nicht das Auffangen des Schwallwassers. Das Kinderbecken müsse an das System des großen Beckens angekoppelt werden.
  • Barrierefreiheit: Vom Umkleidetrakt aus lässt sich die Barrierefreiheit mit einer Rampe mit Kehre bis zum Kinderbecken herstellen. Von dort aus führt der bestehende Weg mit geringer Steigung zum großen Becken.
  • Becken: Das Becken bleibt unverändert. Allerdings wird das Durchschreitebecken mit Dusche einer sogenannten Trockendusche weichen. Die Zäune, die bislang die Badegäste zwangen, durch das Durchschreitebecken zu gehen, werden abgebaut. Das verleiht der Anlage einen großzügigeren Charakter.
  • Kiosk: Der bestehende Kiosk wird definitiv nicht barrierefrei erreichbar sein. Das könne zu Problemen mit der Förderstelle führen.
  • Kleinkinderversorgung: Die Unterbringung für Kinder und Elternteile erscheint dem Architekten als räumlich unzureichend.
  • Behinderte: Der Raum mit Umkleide, Dusche und WC könnte leichter erreichbar sein. Der Architekt warb dafür, für Behinderte und für Kleinkinder ein Gebäude mit zwei Räumen vor dem Toilettentrakt zu 
bauen.
  • Sanitätsraum: Der Architekt hält den Raum für unzureichend.

Der Stadtverordnete Michael 
Vaupel (Grüne) erklärte, dass schnellstmöglich am Becken gebaut werden müsse. Alles andere lasse sich nach hinten schieben und realisieren, wenn es finanziell machbar sei. Manfred Tamm antwortete: „Was Sie jetzt nicht wollen, werden Sie später nicht mehr gefördert bekommen.“

Bürger plädieren für Sparsamkeit

Ein etappenweises Vorgehen sorge immer wieder für Aufbruch und Schäden im Bad. Herbert Buch fragte den Fachmann, ob Edelstahl oder Folie günstiger für die Auskleidung des Beckens seien. Manfred Tamm votierte eindeutig für Edelstahl. „Dann haben Sie 50 Jahre Ruhe. Die Folie hält nicht länger als 25 Jahre.“

Dann kamen die Bürger zu Wort, die durchweg Sparsamkeit an den Tag legen. „Wir brauchen ein funktionsfähiges Becken. Mehr nicht“, sagte ein Besucher unter großem Beifall. Angebote zur Mithilfe gab es ebenso wie kreative Ideen. So könne ein im Umkleidetrakt befindlicher Geräteraum für die Kleinkinderbetreuung genutzt und die Geräte in den Technikbereich ausgegliedert werden. Und mit der Reduzierung der großzügigen Umkleidekabinen könne ein zeitgemäßer Behindertenraum entstehen.

Mütter, Kleinkinder, Behinderte in einem Raum?

Sehr nahe an einer Grenzüberschreitung war eine Stimme, die forderte, dass sich Behinderte auch mit Müttern und Kleinkindern in einem Raum umziehen könnten. Ein fassungsloser Parlamentarier verzichtete daraufhin auf jede Wortmeldung.

Manfred Barth, Vorsitzender des Fördervereins Freibad, dankte für die offene Diskussion. Die technische Sanierung sei notwendig, und gegen die jetzt aufgezeigte Form der Barrierefreiheit sei nichts einzuwenden. Was das Becken angehe, sei er ein Fan von Edelstahl. Alle anderen Arbeiten in den Bestandsgebäuden ließen sich Schritt für Schritt realisieren.

Beckenbau kostet bis zu 500.000 Euro

Nach weiteren Wortmeldungen der Badegäste ging die Tendenz in Richtung reine Beckensanierung in Edelstahl – ohne Barrierefreiheit und ohne das kleine Sanitärgebäude. Und dies, obwohl der Bürgermeister deutlich gemacht hatte, dass die Förderung aus dem Swim-Programm die Barrierefreiheit bedinge. Gleichwohl legte der Kämmerer die reinen Baukosten für das Becken vor: 500.000 Euro für die Edelstahllösung, 380.000 Euro für die Folie.

Nach der Bürgerbefragung zog sich der Ausschuss zurück, um hinsichtlich seiner Beschlussempfehlung für die Stadtverordnetenversammlung am 23. September zu beraten. Der Ausschuss-Vorsitzende Thorsten Bauer verkündete das Ergebnis.

Albshäuser Hochbehälter wird ersetzt

Der Architekt Manfred Tamm wird mit einer neuen Planung beauftragt, die Barrierefreiheit, normgerechte Technik, Auskleidung des Beckens in Edelstahl und die Unterbringung aller Funktionsräume in den Bestandsräumen beinhaltet.

Sicher ist, dass es im Freibad keinen Schnellschuss geben kann. Das zeigt ein Blick in die mittelfristige Finanzplanung der Stadt. Im kommenden Jahr wird das Albshäuser Feuerwehrgerätehaus für rund 1,2 Millionen Euro gebaut – eine Pflichtaufgabe.

2021 muss der Albshäuser Hochbehälter durch ein neues Bauwerk ersetzt werden. Auch 
das ist eine Pflichtaufgabe. 2022 können die Bauarbeiten im Freibad beginnen, teilte Bürgermeister Michael Emmerich mit.

von Matthias Mayer