Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Frau von Tripod gestürzt
Landkreis Ostkreis Frau von Tripod gestürzt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:26 15.11.2020
Der verletzte Aktivist wird vom Rettungsdienst weggetragen. Quelle: Foto: Twitter Polizei Hessen
Anzeige

Sonntagabend: Einsatzbilanz der Polizei

Am Sonntag wurden zwölf Personen in Gewahrsam genommen. Zudem wurden nach Angaben des Polizeipräsidiums Mittelhessen drei Ermittlungs- und zwölf Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet. 

Standpunkt

Der Hass muss enden

Die Lage im Dannenröder Forst eskaliert immer weiter. A49-Gegner zünden im Wald Pyrotechnik und Feuerwerk. Die Polizei berichtet von Attacken auf ihre Einsatzkräfte mit Steinen und – besonders ekelhaft – Exkrementen. Die A49-Gegner unterdessen beklagen Repression und Polizeigewalt. Und im Internet wünschen A49-Befürworter den Umweltaktivisten nicht selten einen grausamen Tod.

Das alles lässt mich sprachlos zurück. Solch eine Gewalt – sei es in körperlicher Form oder in verbaler – ist ein Novum in unserer bisher friedfertig-idyllischen Region.

Es kann doch nicht sein, dass solch ein Projekt ganze Dörfer spaltet, Freundschaften entzweit und sogar Familien auseinanderbringt. Diese Gewalt muss enden. Dieser Hass muss aufhören.

Und zwar schnell. Jeder sollte sich klar machen, dass sein Gegenüber ein Mensch ist. Auch ein Polizist hat Gefühle. Auch ein Aktivist hat Sorgen und Ängste, genauso wie ein Mensch, der sich die A49 herbeisehnt. Jeder sollte seinem Gegenüber Respekt zollen. Jeder sollte sich einmal kurz in den anderen hineinversetzen. Anstand, Empathie und ein bisschen Verständnis haben noch keinem geschadet. Jeder sollte sich auf Artikel 1 des Grundgesetzes zurückbesinnen. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Die Würde jedes Menschen.

von Nadine Weigel

Gegen 16 Uhr rettete die Polizei nach eigenen Angaben im südlichen Dannenröder Forst, aus Sicherheitsgründen, eine stark alkoholisierte Frau aus einem Baum in vier bis fünf Metern Höhe. Nach der Rettung habe die Frau Widerstand gegen die Beamten geleistet und sei in Gewahrsam genommen worden. Zwei Einsatzkräfte wurden bei der Aktion leicht verletzt.

Anzeige

Beim Befahren eines Waldweges fand die Polizei am Sonntag sogenannte "Krähenfüße". Einsatzfahrzeuge fuhren zwar darüber, wurden aber nicht beschädigt.

Begleitet wurden von den Einsatzkräften am sechsten Einsatztag erneut die Arbeiten zur Errichtung eines Logistikzentrums im südlichen Bereich des Dannenröder Forstes. Zudem seien Personen aus Strukturen und Gebilden im Wald zu Boden gebracht worden.

Sonntagnachmittag: Protest gegen Polizei

Zahlreiche Menschen - etwa 120 laut Polizei - haben sich am Sonntagnachmittag vor jenem Tripod versammelt, von dem am Morgen eine Frau hinunter gestürzt war. Lautstark brachten sie dort ihren Protest gegen den Weiterbau der A49 und die Rodungsarbeiten im Wald zum Ausdruck. Im Verlauf des Nachmittags zogen nach Angaben der Polizei auch die rund 500 Teilnehmer des allsonntäglichen Waldspaziergangs zum Ort des Vorfalls vom Vormittag.

Nach Polizeiangaben protestierten etwa 120 Rodungsgegner an der Absturzstelle lautstark gegen die Polizei. In einer Mitteilung der Initiative Robin Wood hieß es: „Wir rufen die Landesregierung erneut auf, die Räumung und einhergehende Rodung mit sofortiger Wirkung zu stoppen, damit es nicht zu weiteren Verletzungen kommt.“

Die Beamten sperrten die Stelle ab, an der die Frau abstürzte, und nahm Ermittlungen zur Absturzursache auf. Auf Twitter mahnte die Polizei: „Bitte beteiligen Sie sich nicht an Spekulationen und Gerüchten. Die Ermittlungen zu dem Vorfall laufen.“

Unsere Bilder vom Einsatz-Wochenende

Sonntagmorgen: Frau von Tripod gestürzt

Am frühen Sonntagmorgen ist laut Polizei Mittelhessen eine Frau im südlichen Bereich des Dannenröder Waldes von einem Tripod gefallen. Der Rettungsdienst brachte sie verletzt ins Krankenhaus. Über die Schwere der Verletzungen ist noch nichts bekannt.

Das Aktionsbündnis "Wald statt Asphalt" erhebt schwere Vorwürfe: Es macht auf den sozialen Kanälen die Polizei für den Unfall verantwortlich. "Die Polizei hat heute in 10-15 Metern Entfernung von einem Tripod ein Seil durchschnitten", heißt es. Das habe dazu geführt, dass die Person zu Boden gestürzt sei.

Die Polizei dementiert diese Darstellung der tragischen Ereignisse auf Twitter. Es habe "keinerlei Einwirkung" von Seiten der Beamten gegeben. "Einsatzkräfte haben den Absturz aus der Ferne beobachtet, es gab keinerlei Einwirkung durch diese. Die Ermittlungen zur Absturzursache laufen. Die verletzte Person ist im Krankenhaus - wir wünschen gute Besserung", schreibt die Polizei auf Twitter.

Auf Nachfrage der OP sagte ein Polizeisprecher, dass die junge Frau aus etwa 3-4 Metern Höhe auf den Waldboden gestürzt sei. Sie sei von den Kräften sofort "notmedizinisch betreut worden" und sei auch "ansprechbar und orientiert gewesen."

--- Dieser Artikel wird aktualisiert ---

von Nadine Weigel, Katharina Kaufmann-Hirsch und unserer Agentur