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Ostkreis Frau geht bei Schlägerei dazwischen
Landkreis Ostkreis Frau geht bei Schlägerei dazwischen
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20:58 06.03.2021
Ein 26-Jähriger muss sich wegen schwerer Körperverletzung vor dem Amtsgericht in Kirchhain verantworten (Themenfoto).
Ein 26-Jähriger muss sich wegen schwerer Körperverletzung vor dem Amtsgericht in Kirchhain verantworten (Themenfoto). Quelle: Tobias Hirsch
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Neustadt

Wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchter gefährliche Körperverletzung muss sich ein 26-Jähriger derzeit vor dem Kirchhainer Amtsgericht verantworten. Die ursprünglich für einen Tag angesetzte Verhandlung muss jedoch zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt werden, da ein wichtiger Zeuge nicht erschienen war.

Am 16. August 2019 soll der Mann, der derzeit in der Justizvollzugsanstalt Frankfurt in Untersuchungshaft wegen des Verstoßes gegen das Aufenthaltsgesetz sitzt, einen anderen Mann verprügelt haben. Er soll seinem Gegenüber am Marburger Bahnhof mehrfach mit der Faust ins Gesicht geschlagen und ihm dabei den Kiefer an verschiedenen Stellen gebrochen haben – und anschließend, als der andere am Boden lag, noch getreten haben.

Täter oder hat er sich verteidigt?

Vorwurf zwei lautet, dass der 26-Jährige am 24. September 2019 versucht haben soll, Alkohol mit in die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Neustadt zu nehmen. Als er angab, den Alkohol draußen konsumieren zu wollen, wurde er von der Schichtleiterin und den Security-Mitarbeitern hinausbegleitet. Auf dem Weg soll er mit dem Rucksack, in dem sich mehrere Glasflaschen befanden, ausgeholt und auf den Kopf der Frau gezielt haben. Die Security habe den Schlag jedoch verhindert, indem sie ihn zu Boden brachte, sagte der Vertreter der Staatsanwaltschaft und betonte, der Mann sei in beiden Fällen alkoholisiert gewesen.

Zu Vorwurf eins sagte der Angeklagte, er sei bei einer Auseinandersetzung zweier Männer über eine gestohlene Powerbank dazwischengegangen. Als er dann von einem der beiden „sehr aggressiven“ Streithähne am Kragen gepackt wurde, sei er weggegangen. Einer der beiden sei hinter ihm hergekommen und habe ihn mit einer Metallstück bedroht – woraufhin er sich mit den Fäusten verteidigt habe. Als sein Angreifer zu Boden ging, habe dieser ihn noch an den Beinen festgehalten – er habe sich aber befreit und aus dem Staub gemacht. Ein paar Tage später sei er wieder in Marburg vom selben Mann angegriffen worden, seitdem meide er die Stadt.

Zeugin sagt auch aus

Eine Zeugin berichtete, sie habe die Auseinandersetzung der zwei Männer – also des Angeklagten und seines Gegenübers – beobachtet. Erst hätten sie sich gestritten: „Dann fingen sie an, sich zu prügeln. Es wurde immer intensiver, und irgendwann floss auch Blut.“ Sie habe die Männer angesprochen, sei dazwischengegangen, habe sich aber zurückgezogen, als sie selber Blut abbekam – und dann die Polizei gerufen.

Richterin Andrea Hülshorst sprach ihr großes Lob für ihren Mut und ihr Handeln aus und fragte nach Details. Die Zeugin erklärte, sie könne nicht sagen, wer Angreifer und wer Verteidiger war, und wisse auch nicht, wer den in einer fremden Sprache geführten Streit angefangen habe. Gegenüber der Polizei hatte sie erklärt, die Fäuste seien geflogen – aber nicht gezielt.

Zeuge: Dazwischengehen hat nichts gebracht

Ein zweiter Zeuge hatte noch eine ganz andere Version: Er berichtete, ein kleiner Mann mit Bart sei bei einem Streit dazwischengegangen, das habe aber nichts gebracht. Viel eher sei dieser zu Boden gegangen. Er selber habe sich allerdings lieber rasch vom Tatort entfernt, da er nicht in der Nähe der beiden Streitenden sein wollte.

An den zweiten Vorfall will sich der Angeklagte nicht erinnern. Er sei betrunken gewesen und „hatte wenig Zucker“. Er könne sich noch erinnern, müde gewesen zu sein. Als er den Rucksack abgestellt habe, um sich auszuruhen, sei er von der Security zu Boden gebracht und bewusstlos geworden. Auf Nachfrage der Richterin gab er an, dass er Wodka, Wein und Marihuana intus hatte – seit einem Jahr aber, nach einer früheren Alkoholabhängigkeit, clean sei. An besagtem Tag habe er schon morgens angefangen zu trinken.

Zeuge ist nicht aufgetaucht

Nachfragen, wie sich die Situation aus Sicht der Security dargestellt habe, konnte Richterin Hülshorst aufgrund des Fernbleibens des Zeugen nicht. Wann die Verhandlung fortgesetzt wird, steht noch nicht fest.

Von Florian Lerchbacher