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Ostkreis In der Hoffnung auf Gehör und Perspektiven
Landkreis Ostkreis In der Hoffnung auf Gehör und Perspektiven
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21:20 04.05.2021
Sascha Mössinger in seinem leeren Studio: Er schließt sich der Aktion #DontForgetFitness an und fordert Perspektiven.
Sascha Mössinger in seinem leeren Studio: Er schließt sich der Aktion #DontForgetFitness an und fordert Perspektiven. Quelle: Foto: Florian Lerchbacher
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Stadtallendorf

Corona auf die leichte Schulter nehmen, will Sascha Mössinger nun wirklich nicht – dafür sei die Pandemie nachweislich viel zu gefährlich. Was der Geschäftsführer des Muscle Club Stadtallendorf aber fordert, sind Öffnungen – am besten nach einem intensiven Austausch zwischen Politikern und den jeweiligen Fachleuten. Und als Fachmann in Sachen Fitness lässt er sich getrost bezeichnen: Schon lange setzt er sich mit den Auswirkungen von Sport und der oft einhergehenden gesunden Ernährung auf die Gesundheit auseinander.

In Corona-Zeiten umso mehr: Zum einen, um beim Thema fundiert mitreden zu können, zum anderen, weil er durch die wiederkehrenden Lockdowns und die einhergehenden Studio-Schließungen viel Zeit hat. Dabei ist er zu dem Schluss gekommen: Die Sportmöglichkeiten einzuschränken und Einrichtungen zu schließen, kann nicht der richtige Weg sein. „Fitness ist nicht nur für die körperliche Gesundheit wichtig, sondern auch für den Kopf“, erklärt er und ergänzt: „Es hilft auch bei der Pandemie-Bekämpfung. Es gibt Studien, die belegen, dass Bewegung und Krafttraining die Gefahr eines schweren Verlaufs nach einer Covid-Infektion reduzieren.“

Beim Kraft-Training würden sogenannte Myokine – vor 15 Jahren von Forschern in Kopenhagen entdeckt – freigesetzt, die das Immunsystem stärken und Krankheitsrisiken reduzieren. „Wir können nicht verhindern, dass sich jemand ansteckt. Aber wir können zu milderen Verläufen beitragen, was letztendlich, wenn es weniger schwere Verläufe gibt, auch die Intensivstationen entlastet.“

Aus diesem Grund sei es mehr als sinnvoll, den Menschen das Trainieren zu ermöglichen. Und das am besten zum einen unter professioneller Betreuung – und zum anderen auch unter einer gewissen Überwachung: „Durch die Schließungen verschieben wir die Kontakte nur in den privaten Bereich. In Privathäusern lässt sich nicht überwachen, ob Regeln eingehalten werden. Im Studio kann man indes überprüfen, ob Abstände gewahrt, Masken getragen und die Hygienevorschriften beachtet werden.“

Noch dazu seien die meisten Einrichtungen sehr weiträumig: Im MC Shape in Stadtallendorf gebe es beispielsweise auf zwei Etagen verteilt insgesamt 1400 Quadratmeter Trainingsfläche. Es lasse sich also problemlos vermeiden, dass sich die Trainierenden in die Quere kommen – die noch dazu sich ohnehin sehr gut an die Vorgaben gehalten und auch ohne Murren akzeptiert hätten, dass Trainingseinheiten nur nach Terminvereinbarung, in bestimmten Zeitfenstern und noch dazu zeitlich begrenzt möglich waren.

„Ich möchte mit Politikern in den Austausch treten und nach gemeinsamen Ansätzen und Lösungen suchen“, sagt Mössinger. Nach 14 Monaten mit jetzt drei Lockdowns müsse es Alternativen zu pauschalen Schließungen geben. Es sei an der Zeit, sich Individuallösungen zu überlegen, also was wo möglich ist und welche Perspektiven es gibt.

Seine derzeitige Überlegung: Wenn schon kein Training von mehreren, gut auf die Flächen verteilten (und vielleicht sogar mit negativen Tests ausgestatteten) Menschen möglich ist, dann würde er zum Beispiel Individualtraining anbieten. Er stellt es sich so vor, jeweils zwei Personen einfach das gesamte Studio zu überlassen, damit sie eine Stunde lang trainieren können – mit natürlich der in den vergangenen Monaten obligatorisch gewordenen, gründlichen Reinigung der Geräte nach Beendigung der Übung.

In anderen Bundesländern habe es dies in den vergangenen Monaten gegeben (während in Hessen die Studios offen hatten), das Konzept entspreche auch den Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes. Mössinger wollte sich daher erkundigen, ob ein solcher Ansatz nun auch hier umsetzbar sei. Eine Auskunft habe er noch nicht bekommen, betont er und berichtet davon, quasi zwischen Ordnungsamt, Gesundheitsamt und dem Land Hessen hin- und hergeschoben worden zu sein.

Nach einem Gespräch mit einem Fachanwalt sei er aber zuversichtlich, grünes Licht zu bekommen. „Wirtschaftlich würde ich zwar besser dastehen, wenn das Studio einfach zu und ich oder meine Angestellten zuhause bleiben, aber ich möchte zumindest ein paar Menschen das Training ermöglichen.“ Er stellt sich vor, rund um die Ausgangssperre – also von 5 bis 22 Uhr – einstündige Trainingsslots anzubieten. Im Sommer könne er sich vorstellen, Kurse auf dem Parkplatz der Anlage anzubieten. Im Freien sei das Ansteckungsrisiko schließlich weitaus geringer, stellt er heraus: „Aber nach derzeitigem Stand wäre das nicht möglich.“ Und so hofft er weiter darauf, in der Politik Gehör zu finden – und macht darauf aufmerksam: Wie andere Studios der MC-Shape-Gruppe schließt er sich der Aktion „#DontForgetFitness“ an und will den Slogan an seinen Gebäuden sichtbar machen.

Von Florian Lerchbacher