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Ostkreis Aufstieg in Stufen
Landkreis Ostkreis Aufstieg in Stufen
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19:00 23.07.2022
Die Fischtreppe an der Wohra bei Rauschenberg ist fertig.
Die Fischtreppe an der Wohra bei Rauschenberg ist fertig. Quelle: Florian Lerchbacher
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Rauschenberg

Ein Höhenunterschied von 2,60 Metern an der Rauschenberger Mühle stellte in den vergangenen 300 Jahren ein unüberwindliches Hindernis für Fische dar. Die Wohra war an dieser Stelle quasi geteilt. Seit dem Jahr 2015 gibt es zwar einen „Abstieg“ für Fische – doch flussaufwärts endete die Reise stets an der alten Mühle.

Diese Zeiten sind nun vorbei – dank eines Projektes, dessen Anfänge im Jahr 2014 liegen. Damals begannen die Planungen für eine Fischtreppe. Ein Jahr später schloss die Stadt einen Vertrag mit dem Regierungspräsidium (RP), das die Kosten von etwas mehr als einer halben Million Euro für das Bauwerk trug. Im Jahr 2019 gab es dann die Genehmigung zur Umsetzung, die wiederum im Sommer des vergangenen Jahres begann.

Im Mittelpunkt des Projektes standen Groppen und Bachen, erläutert Jürgen Busse von der Oberen Naturschutzbehörde des RP – im Zuge der Wasseruntersuchungen wurden aber auch Forellen, Döbel, Aale, Äschen und sogar einmal ein Hecht in der Wohra entdeckt. Für sie sei es wichtig, eine „lineare Durchlässigkeit“ zu schaffen, da die Fische wandern müssten. Sie hätten schließlich je nach Situation unterschiedliche Ansprüche an die Gewässerstellen, in denen sie sich aufhalten – für die Aufzucht bräuchten sie andere Stellen und Voraussetzungen als beispielsweise für eine „Schlafkammer“.

Fischtreppe ist 67 Meter lang und besteht aus 24 Becken

Und um ihnen den Zugang zu unterschiedlichen Stellen zu ermöglichen, wurde eben eine Fischtreppe gebaut. Diese ist 67 Meter lang und besteht aus 24 Becken. Die Fische müssen also, wenn sie von Becken zu Becken schwimmen, jeweils nur rund zehn Zentimeter Höhenunterschied überwinden. Rund 280 Liter Wasser laufen pro Sekunde durch die Anlage. „Das sieht vielleicht flott aus, aber auch die Groppen kommen dort hoch“, erklärt Anika May von der Oberen Wasserbehörde. In den einzelnen Kammern haben die Fische außerdem die Möglichkeit, sich auszuruhen. Zum Schutz liegt „Substrat“ darin – also Steine, deren Zwischenräume noch durch Sand aufgefüllt wird, den die Wohra mit sich führt. „Und es gibt sogar Studien, dass Fische die Aufstiegstreppen dieser Art sogar als Habitat annehmen“, ergänzt May.

Busse verweist darauf, dass die Wohra zum Natura-2000-Gebiet gehöre. Dies ist ein zusammenhängendes Netz von Schutzgebieten innerhalb der EU, dessen Sinn es ist, die Lebensräume aber auch heimische Pflanzen- und Tierarten an sich zu schützen.

Für den Bau der Fischtreppe mussten zunächst rund 1 700 Kubikmeter Erde ausgehoben werden, berichtet Henning Heinze vom beauftragten Ingenieurbüro. Verbaut wurden rund 13,6 Tonnen Stahl sowie 114 Kubikmeter Beton. „Die Fische hätten auch den Beton angenommen. Aber mit Substrat darin, funktioniert das noch besser“, erläutert er.

Etwas mehr als eine halbe Million Euro kostete das Bauwerk, das am Ortseingang von Rauschenberg zu sehen ist – auf einer Fläche, die Ute und Horst Schleiter zur Verfügung stellen. Kostenfrei, wie Bürgermeister Michael Emmerich herausstellt, um Horst Schleiter im gleichen Atemzug auch noch dafür zu loben, dass er sich stets in das Projekt eingebracht habe. Die Anlage laufe problemlos, berichtet der Rathauschef. Zunächst sei zu viel Wasser durchgelaufen, aber dieser Fehler sei schnell behoben worden.

Von Florian Lerchbacher

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