Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Felo ist auf Expansionskurs
Landkreis Ostkreis Felo ist auf Expansionskurs
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:00 22.04.2021
Der Himmel voller Schraubendreher: Christian Spanknebel, Abteilungsleiter Spritzguss, hängt in der neuen Produktionshalle von Felo Schraubendreher-Klingen zur Weiterverarbeitung in eine Maschine ein.
Der Himmel voller Schraubendreher: Christian Spanknebel, Abteilungsleiter Spritzguss, hängt in der neuen Produktionshalle von Felo Schraubendreher-Klingen zur Weiterverarbeitung in eine Maschine ein. Quelle: Andreas Schmidt
Anzeige
Neustadt

Schon seit gut 70 Jahren werden in Neustadt bei der Firma Felo Schraubwerkzeuge hergestellt. Und die Zeichen stehen – trotz Pandemie – auf Expansion. Denn Felo, laut eigenen Angaben größter Arbeitgeber in Neustadt und seit 2008 Teil der Würth-Gruppe, hat jüngst eine neue Produktionshalle fertiggestellt. „Wir haben 1 600 Quadratmeter neue Produktionsfläche geschaffen“, verdeutlicht Geschäftsführer Andreas Siewert. 500 Quadratmeter davon entfallen auf den Werkzeugbau. Bereits in 2018 sei es mit den Planungen losgegangen, Mitte Januar sei das Projekt dann fertiggestellt worden. Die Investitionssumme: rund 2,2 Millionen Euro.

Und damit noch nicht genug. Denn, so Siewert lachend: „Als wir mit dem Bau fertig waren, haben wir festgestellt, dass wir zu klein gebaut haben.“ In der Konsequenz will das Unternehmen nun weitere Flächen hinter dem jetzigen Werksgelände erwerben – weitere 11 000 Quadratmeter für Produktionsflächen und 2 000 Quadratmeter als Parkfläche. „Darauf möchten wir gerne im kommenden Jahr die nächste Expansion angehen“, so Siewert.

Vertriebsteam „geht intensiv auf Kundschaft zu“

Die Konjunktur laufe ganz ordentlich, das Vertriebsteam sei verbessert worden und gehe intensiver auf die Kundschaft zu. „Man darf bei Handwerkzeugen nicht unterschätzen, dass es sich um einen gigantischen Markt handelt.“ Der werde zwar häufig aus dem asiatischen Raum bedient. „Aber ,made in Germany’ gilt immer noch was – weltweit werden Deutsche Produkte gerne gekauft“, verdeutlicht der Geschäftsführer. Rund 60 Prozent der Felo-Produkte gehen demnach in den Export weltweit, vor allem nach Europa, Asien und Amerika. Der afrikanische Raum biete noch Potenzial, „dort können wir noch einen großen Markt beackern“.

Die Corona-Krise ging also spurlos an Felo vorüber? „Anfangs gar nicht, da hatten wir dramatische Umsatzeinbrüche und mussten die Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken, weil es keine Aufträge gab“, sagt Siewert. Doch dann habe sich die Situation verbessert, laufe seit Herbst sogar wieder auf sehr gutem Niveau. Mit der Folge, dass Felo laut Siewert im März seinen Allzeit-Umsatzrekord eingefahren habe – mit 1,85 Millionen Euro. Daher eben auch die Expansion. „Wir stehen zum Produktionsstandort Deutschland. Und man sieht ja auch, wie die Versorgungslage angespannt ist für Firmen, die sich zu sehr auf den asiatischen Raum verlassen.“

Rund 400.000 bis 500.000 Schraubendreherklingen und etwa eine Million Bits verlassen das Werk in Neustadt – je Monat. „Es muss also irgendwo ein schwarzes Loch für Handwerkzeug geben“, scherzt Thomas Gnau.

Ein Teil der Produktion fließt in den Würth-Konzern, Baumärkte und Handwerker sind Abnehmer und auch der Werkstattbedarf spielt laut Siewert eine große Rolle, „wir sind schon sehr vielfältig aufgestellt“. Thomas Gnau, Leiter des Qualitätsmanagements bei Felo, fügt hinzu: „Die 40 Prozent teilen sich zudem noch auf – nämlich in Eigenmarken, die auch unter dem renommierten Namen Felo vertrieben werden, und in Schraubendreher, die wir direkt im Kundendesign herstellen. Bei denen fällt auf dem Markt gar nicht auf, dass sie aus Neustadt kommen." Ein prominentes Beispiel dafür: Bei den „Lux-Tools“ von Obi die Premium-Linie – gefertigt in Neustadt. Doch was macht einen guten Schraubendreher aus? „Neben der robusten Klinge die Haptik“, sagt Thomas Gnau. So sei Felo schon vor vielen Jahren der erste Hersteller gewesen, der auf einen Zwei-Komponenten-Griff gesetzt habe. „Dort wurde um den harten Kern eine weichere Komponente gespritzt“, so Gnau.

Mittlerweile besitze der Neustädter Hersteller noch das Patent auf einen Drei-Komponenten-Griff. „Da sind weiche Kissen in den Griff eingespritzt, die nicht nur dafür sorgen, dass der Kunde eine größere Kraftübertragung hat und somit weniger Handkraft benötigt.

Komplette Entstehung des Werkzeugs in Neustadt

Außerdem ist der Komfort damit wesentlich höher, man kann wesentlich ermüdungsfreier mit den Schraubendrehern arbeiten."Laut Gnau ist Felo auch Weltmarktführer bei Werkzeugen mit Umsteckklingen. Das heißt: Es gibt einen Griff – und in diesen können dann verschiedene Schraubendreherklingen eingesetzt werden. Eine günstige Variante liegt bei zahlreichen Autos im Kofferraum-Werkzeug – und die Urform dieses Prinzips wurde vor vielen Jahren von Felo entwickelt. „Mittlerweile gibt es die Umsteck-Werkzeuge nicht mehr nur als Schraubendreher, sondern mit einer Vielzahl von Klingen – und der Griff lässt sich auch als T-Griff verwenden und somit mit nahezu allen Abtrieben kombinieren“, verdeutlicht Gnau. Er ist sicher: „In dieser Vielfalt und Tiefe gibt es weltweit keinen Hersteller, der das bedienen kann.“ Prinzipiell liegt die komplette Entstehung des Werkzeugs in Neustadt – von Design und Konstruktion über den Werkzeugbau, in dem Formen und Werkzeuge für die Fertigung erstellt werden, über das Abschlagen des Stahls bis hin zum fertigen Schraubendreher und den Spritzguss für Griffe und Verpackungen. „Lediglich die galvanische Beschichtung der Klingen findet nicht bei uns statt“, sagt Gnau.

Von Andreas Schmidt