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Ostkreis Film dokumentiert Kampf gegen die A-49-Trasse
Landkreis Ostkreis Film dokumentiert Kampf gegen die A-49-Trasse
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21:29 09.05.2022
Kahlschlag für die Autobahn A 49: Ein Dokumentarfilm zeigt den Kampf gegen die Autobahn.
Kahlschlag für die Autobahn A 49: Ein Dokumentarfilm zeigt den Kampf gegen die Autobahn. Quelle: Klaus Stern
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Marburg

Die Auseinandersetzungen um den Bau der Autobahn 49 waren wohl die heftigsten, die die Region seit Jahrzehnten erlebt hat. Bis zu 600 Umweltaktivisten hatten insbesondere den alten Dannenröder Forst besetzt, dort 2020 in schwindelerregender Höhe Baumhaus-Dörfer errichtet. Geräumt wurden sie von tausenden Polizisten. Die Bilder von dem Protest wurden bundesweit wahrgenommen.

Jetzt kommt ein Dokumentarfilm in die Kinos, der die Planungen, Bauarbeiten und die Proteste gegen die Rodungen zeigt: „Die Autobahn – Kampf um die A 49“ heißt der Film. Am Dienstagabend (10. Mai) stellen die Regisseure Klaus Stern (53) und Frank Pfeiffer (47) den Film um 20 Uhr im Marburger Studio-Filmkunsttheater (Biegenstraße) vor.

„Die Autobahn frisst sich durch die Landschaft“

„Die Autobahn frisst sich durch die Landschaft. Der Wald – besetzt von Aktivisten. Polizisten müssen den Weg freimachen für die Maschinen. Anwohner freuen sich auf freie Fahrt. Politiker setzen Entscheidungen um“, heißt es auf der Homepage des Films, an dem Stern und Pfeiffer seit September 2020 gearbeitet haben. Insgesamt 60 Tage haben sie bis November 2021 vor Ort gedreht, danach ein weiteres Jahr das Material zu dem Film geschnitten, sagte Klaus Stern der OP. Der Film feierte am Freitag (13. Mai) Premiere beim internationalen Dokumentarfilmfestival in München.

Der Dokumentarfilmer Klaus Stern ist in Ziegenhain-Wiera aufgewachsen. Der Bauernhof seiner Eltern liegt heute 700 Meter von der neuen Trasse entfernt. Er ist also mit der Autobahn und den Planungen großgeworden, die schon vor 50 Jahren begonnen wurden. Auf dem Auto seiner Eltern prangten Aufkleber „A 49 – Nein Danke“. Klagen verhinderten lange den Bau. Kammmolche und andere seltene Tiere wurden angeführt. Und lange Zeit fehlte der Bundesregierung schlicht das Geld. Über Jahrzehnte wurde so der Weiterbau der bei Kassel begonnenen Autobahn verzögert.

Uralte Eichen und Buchen werden gefällt

Dass der Bau schließlich mitten in einer Klimakrise doch durchgesetzt wurde, unter anderem ausgerechnet vom hessischen Verkehrsminister Tarek Al-Wazir von den Grünen, der stets gegen die Autobahn gekämpft hatte, klingt heute paradox. Die umstrittene und umkämpfte Trasse führt vorbei an verschlafenen Dörfern durch jahrhundertealte Wälder wie den Dannenröder Forst, wo uralte Eichen und Buchen gefällt wurden. Jeder 25. Baum, der gefällt wurde, gehörte der Familie Stern, sagte der Regisseur in einem „Hessenschau“-Beitrag. „Mich schmerzt das schon, ich bin da sehr idealistisch und angerührt.“

Klaus Stern und Frank Pfeiffer haben für ihren Film mit Befürwortern der Autobahn gesprochen, mit langjährigen entschiedenen Gegnern, mit militanten Baumbesetzern, mit Polizisten und Ministern. Ihr Film zeige, wie der Kampf um den Bau einer Autobahn die Gesellschaft spalte, so Stern und Pfeiffer. Partei ergreifen wollten sie nicht.

  • Der Besuch im Capitol-Center ist der Auftakt zu einer Kinotour, die die beiden Regisseure unter anderem nach Treysa, Kassel, Fulda, Alsfeld und Berlin führt.

Von Uwe Badouin

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