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Ostkreis Feuer verursacht einen Millionenschaden
Landkreis Ostkreis Feuer verursacht einen Millionenschaden
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17:53 03.12.2021
Am Tag nach dem Brand in der Marburger Tapetenfabrik zeigen sich die massiven Schäden.
Am Tag nach dem Brand in der Marburger Tapetenfabrik zeigen sich die massiven Schäden. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Kirchhain

Trümmerteile lagen weit verstreut auf dem Gelände, Strom und Gas waren noch unterbrochen. Gegen 20.15 Uhr war es zu der weithin spür- und hörbaren Explosion gekommen. Nach bisherigem Stand war es in einer sogenannten thermischen Nachverbrennungsanlage zu der Explosion gekommen. Das Feuer dehnte sich dann sofort auf Schlosserei, das Magazin mit gelagerten Arbeitsmitteln und einen Teil einer Produktionsmaschine aus. Drei Mitarbeiter erlitten Rauchvergiftungen und wurden zeitweise im Krankenhaus behandelt. Rettungsdienst und Notärzte untersuchten vor Ort sämtliche Betriebsangehörige, die sich in der Nähe des Geschehens aufgehalten hatten.

Die Polizei will die Untersuchungen nächste Woche zusammen mit Experten des Landeskriminalamtes fortsetzen. Ein Hubschrauber machte Luftaufnahmen vom Gelände, um weitere Informationen über das Schadensausmaß zu erhalten.

Keine gefährlichen Schadstoffe gemessen

Es waren dramatische Augenblicke gleich nach Ausbruch des Großbrandes. Am Anfang des Einsatzes musste die Feuerwehr zunächst sicherstellen, dass sich keine Personen mehr im betroffenen Teil des Unternehmens befanden. „Das war eine gefährliche Situation auch für uns, bei der wir natürlich ein höheres Risiko eingehen mussten, weil es um Menschenleben hätte gehen können“, sagt Kreisbrandmeister Stephan Schienbein.

Es brannte auf einer Fläche von etwa 3800 Quadratmetern auf dem Firmenareal, so die Feuerwehr, die unter anderem auch eine Drohne einsetzte, um unzugängliche Orte überhaupt erkunden zu können. Ullrich Eitel, geschäftsführender Gesellschafter der Marburger Tapetenfabrik, geht von einem Millionenschaden aus. Das Lager des Unternehmens war von dem verheerenden Großbrand jedoch nicht betroffen. „Wir sind voll lieferfähig“, sagt Eitel in Richtung der Kunden. Entscheidend sei jetzt, dass alle nach vorne blickten. Er sei sich sicher, dass das Unternehmen auch diese Situation schaffen werde. In etwa vier Wochen, so hoffte Eitel am Freitag, könne man wieder produzieren, zumindest eingeschränkt. Die Marburger Tapetenfabrik beschäftigt 300 Mitarbeiter und besteht seit mehr als 175 Jahren. Sie gilt als einer der führenden Tapetenhersteller in Deutschland und Europa.

Glück im Unglück: Alle Brandwände zu weiteren Unternehmensteilen hätten der Belastung standgehalten, berichtet Geschäftsführer Eitel. Von dem Brand war auch ein mit Öl gefülltes Ausgleichsgefäß betroffen. Zudem verbreitete sich bei dem Großfeuer ausgetretenes Öl über das Leitungssystem, was für die Einsatzkräfte eine große Herausforderung darstellte und immer wieder zu Problemen führte.

Bauhof hilft gegen Glatteis

Die Bevölkerung war am Donnerstag per Warnmeldungen und Lautsprecherdurchsagen vor dem starken Rauch gewarnt worden. Kurz nach Mitternacht lagen Ergebnisse der Rauchgasmessungen vor, und es gab gegen 0.30 Uhr Entwarnung durch die Polizei. „Uns liegen keine Erkenntnisse vor, dass durch den Brand gesundheitsgefährdende Stoffe ausgetreten sind“, so Stephan Schienbein. Ermittler der Polizei nahmen am frühen Freitagmorgen ihre Arbeit auf, die sich angesichts der Verwüstungen durch Brand und Explosion schwierig gestalteten. Ein Gebäudeteil war außerdem eingestürzt. Gestern gab es deshalb noch keine neuen Erkenntnisse zur eigentlichen Ursache, wie Polizeisprecher Martin Ahlich berichtete.

Aus Sicht der Einsatzkräfte war dieser Brand sicherlich eines der gravierendsten Feuer im Kreis in den vergangenen Jahren. 250 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei waren vor Ort oder in Bereitschaft. Hinzu kam die 2. Betreuungsgruppe des DRK, die mit warmem Essen und Getränke versorgte. Es kamen Einsatzkräfte aus allen Teilen des Kreises zum Einsatz, darunter drei Drehleitern, alle Kirchhainer Feuerwehren, Löscheinheiten aus Stadtallendorf, Marburg, Fronhausen Ebsdorfergrund und Wetter und große Tankfahrzeuge aus Biedenkopf, Gladenbach, Marburg und Wetter. Die Feuerwehr Rauschenberg und weitere Einheiten standen in Bereitschaft. Mit den Tankfahrzeugen wurde zusätzlich zum Hydrantennetz weiteres Wasser herangeführt, auch aus Zisternen zum Beispiel.

Ein weiteres Problem bei diesem Großeinsatz: Durch die Minusgrade gefror das Wasser rund um die Einsatzstelle. Mitarbeiter des Kirchhainer Service- und Bauhofes reagierten sofort und streuten am späten Abend und der Nacht die betroffenen Wege und Straßen.

Reaktionen

Ullrich Eitel, geschäftsführender Gesellschafter der Marburger Tapetenfabrik, nannte die Leistung der Feuerwehren am Freitag „grandios“. Sie hätten es geschafft, noch Schlimmeres zu verhindern, sagte er voll Hochachtung gegenüber der OP. Auch Bürgermeister Olaf Hausmann, der selbst bis in die Nacht mit Vizelandrat Marian Zachow am Ort war, lobte die Leistung der Feuerwehren und vor allem deren Zusammenspiel.

„Ich ziehe den Hut vor allen, die geholfen haben“, sagte Hausmann. Ausdrücklich bedankte sich Kirchhains Bürgermeister für die große Hilfe auswärtiger Einsatzkräfte. Kirchhain habe von dieser guten Zusammenarbeit zum zweiten Mal nach 2018 bei dem schweren Unwetter profitiert. Hausmann spricht von einem „dramatischen Ereignis für die Marburger Tapetenfabrik“, die sich jetzt abermals einer großen Herausforderung stellen müsse. „Wir werden das Unternehmen als Stadt Kirchhain nicht allein lassen und helfen, wo wir können“, so Hausmann. 

Frühere Brände

Die Marburger Tapetenfabrik wurde im Jahr 2013 zuletzt von einem Großbrand getroffen. Ein psychisch erkrankter Mann aus Gießen legte Feuer im Keller des Gebäudes einer Druckerei, die zur Tapetenfabrik gehörte. Außerdem wurde die Musterfertigung damals zerstört. Den Schaden bezifferte das Unternehmen damals mit rund 20 Millionen Euro. Auch 2013 waren rund 240 Einsatzkräfte vor Ort im Einsatz. Ein verheerendes Feuer gab es außerdem in den 1980er-Jahren mit schweren Gebäudeschäden. 

Von Michael Rinde

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