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Ostkreis Brand an Maschine löst Explosion aus
Landkreis Ostkreis Brand an Maschine löst Explosion aus
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10:00 09.12.2021
Am Abend des 2. Dezembers schlugen die Flammen aus Gebäuden der Marburger Tapetenfabrik.
Am Abend des 2. Dezembers schlugen die Flammen aus Gebäuden der Marburger Tapetenfabrik. Quelle: Nadine Weigel
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Kirchhain

Genau eine Woche ist es heute her, dass es in der Marburger Tapetenfabrik zunächst zu einer Explosion und dann zu einem Großbrand kam. Den drei verletzten Mitarbeitern, die alle eine Rauchgasvergiftung erlitten, gehe es den Umständen entsprechend gut, berichtet das Unternehmen. „Wir stehen mit ihnen ständig in Kontakt. Alle bei uns sind angesichts des Schadensausmaßes immer noch mehr als froh, dass ,nur’ so wenig passiert ist“, sagt Ullrich Eitel, der geschäftsführende Gesellschafter.

Ansonsten läuft bei der „MT“ weiterhin die Schadensanalyse, die bei der Dimension nicht in wenigen Tagen abzuschließen ist. Eine Spezialfirma hat bereits am vergangenen Freitag gemeinsam mit Mitarbeitern des Unternehmens mit ersten Arbeiten begonnen. Seit Dienstag funktioniert auch die Heizung wieder, sodass in den Büros wieder gearbeitet werden kann. Ullrich Eitel geht mittlerweile von einem Schaden in zweistelliger Millionenhöhe aus.

Ermittler des Landeskriminalamtes waren vor allem am Dienstag vor Ort im Einsatz. Gestern gab es ein erstes Ergebnis. Demnach kam es wohl zunächst zu einem Brand an einer Produktionsanlage, der sich über das Abluftsystem zu einer sogenannte thermischen Nachverbrennungsanlage ausbreitete. Dort kam es dann zur Explosion und dem Großbrand. Was das Feuer an der Produktionsanlage verursachte, ist noch offen, die Ermittlungen dauern an.

Jene Explosion ereignete sich außerhalb der eigentlichen Produktion. Ihre Druckwelle traf dabei auch Infrastruktur und Abluftleitungen. „Aber die Produktionshallen sind weniger stark betroffen, als es die Bilder vermuten ließen“, sagt Eitel. Anders als bei dem Großbrand im Jahr 2013, den ein Brandstifter verursachte, sind Vertrieb und Logistik nicht von den Ereignissen betroffen. So bleibt das Unternehmen lieferfähig, 97 Prozent aller Artikel seien verfügbar für die Kunden. Eine gute Nachricht für das Kirchhainer Unternehmen.

Produktion ab Anfang Februar

Allerdings geht Ullrich Eitel inzwischen davon aus, dass die Produktion erst Anfang Februar wieder anlaufen kann und dann auch noch nicht in vollem Umfang. Angesichts dessen befinden sich die Produktionsmitarbeiter deshalb in Kurzarbeit, einige von ihnen unterstützen natürlich bei den Aufräumungs- und ersten Reparaturarbeiten. Für die mehr als 250 Einsatzkräfte vor einer Woche war dieser Großbrand eine besondere Herausforderung – schon aufgrund der komplexen Örtlichkeiten und der Dimension dieses Feuers. Allein seitens der Kirchhainer Feuerwehren waren in jener Nacht mehr als 150 Feuerwehrleute im Einsatz oder in Bereitschaft, um Kameraden abzulösen, so schätzt Kirchhains Stadtbrandinspektor Reinhold Bonacker. Gegen 3 Uhr in jener Nacht habe das Aufräumen an der Einsatzstelle begonnen, berichtet er. „Mich hat es sehr gefreut, dass wirklich alle, die vor Ort waren, dabei geholfen haben“, so Bonacker. Er lobt die Zusammenarbeit aller Wehren.

Das Aufarbeiten der Ereignisse ist aber noch nicht beendet. Es stehen noch Termine mit allen Führungskräften an, um die Abläufe zu analysieren. „Ich bin mit dem Ablauf sehr zufrieden, aber wir müssen immer schauen, was wir in solchen Situationen noch besser machen können“, sagt Bonacker.

Wasserversorgung war gesichert

Nach dem Großeinsatz waren allein in Kirchhain etliche Kilometer Schläuche zu reinigen und Atemschutzgeräte zu füllen und zu überprüfen. „Bei den Schläuchen hat uns die Marburger Schlauchwerkstatt sehr geholfen“, freut sich Bonacker. Die Wasserversorgung war bei diesem Großbrand kein Problem. In der näheren Umgebung habe es neben dem Hydrantennetz außerdem fünf Zisternen gegeben. Der Wasserbedarf der Feuerwehr war an jenem Abend enorm angesichts der Flammenwände. Zur Verdeutlichung: Allein einer der sogenannten Wasserwerfer, wie er dort zum Einsatz kam, hat eine Wasserabgabe von 2000 Liter.

Einsatzleiter war Kreisbrandinspektor Lars Schäfer. „Ich danke allen mehr als 250 Einsatzkräften, auch denen, die in der Nacht stundenlang in Bereitstellung standen. Diese Leistung der ,Blaulichtfamilie’ macht mich als Kreisbrandinspektor einfach stolz“, erklärt Schäfer im Nachgang gegenüber der OP. Es sei gelungen, noch Schlimmeres zu verhindern. „Und alle von uns sind in jener Nacht wieder gesund nach Hause gekommen“, betont der Kreisbrandinspektor.

Nach Ausbruch des Brandes hatte die Feuerwehrführung den Energieversorger gebeten, das Unternehmen vom Gasnetz zu trennen. Das hatte in Teilen Kirchhains zu Problemen bei Gasheizungen geführt. „Wir haben ausdrücklich nur die Tapetenfabrik vom Netz nehmen lassen. Ein Problem mit einer Gasleitung durften wir in der Situation nicht riskieren“, erläutert Kreisbrandmeister Stephan Schienbein dazu.

Von Michael Rinde

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