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Ostkreis Jetzt wechselt die Federführung
Landkreis Ostkreis Jetzt wechselt die Federführung
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14:00 02.03.2021
Es ist jetzt Sache der Autobahngesellschaft, die Baumstümpfe aus dem Boden herauszuholen.
Es ist jetzt Sache der Autobahngesellschaft, die Baumstümpfe aus dem Boden herauszuholen. Quelle: Michael Rinde
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Stadtallendorf

Der gestrige 1. März war ein einschneidendes Datum in der A-49-Historie. Seit gestern ist die Fällperiode beendet. Und seit gestern liegt die Federführung des weiteren Projektes vor allem bei der „Autobahngesellschaft A 49 mbH & Co KG“, dem privaten Partner in dieser öffentlich-privaten Partnerschaft. Bisher stand die Bauvorbereitung allein im Vordergrund, verantwortlich dafür ist die Projektgesellschaft Deges im Auftrag von Bund und Land Hessen (siehe Infokasten).

A49: Wer macht was?

Deges, Autobahngesellschaft A49 mbH und Co.KG und „Bau-Arge“, wer verantwortet was in Sachen A49? Die Projektgesellschaft Deges, eine Bund-Länder-Gesellschaft, handelt im Auftrag des Bundes und des Landes. Sie ist für die Bauvorbereitung verantwortlich, zugleich aber auch für die Auswahl des privaten Partners. Für den Bau und Betrieb der A49 entstand die Autobahngesellschaft A49 mbH und Co. KG. An ihr sind eine Tochtergesellschaft des Strabag-Konzerns und die Meridiam Investments SAS je zur Hälfte beteiligt. Der private Partner ist für den Neubau von 30,1 Kilometern Autobahn und den Betrieb von am Ende über 60 Kilometer A49 verantwortlich. Für die Verfügbarkeit der Autobahn erhält das Unternehmen Geld vom Bund (Verfügbarkeitsmodell bei öffentlich-privater Partnerschaft, ÖPP).

Die „Bau-Arbeitsgemeinschaft (Arge)“ besteht aus den Bauunternehmen Strabag und Leonard Weiss, die den Autobahnbau übernommen haben.

Der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Hessen (BUND), Jörg Nitsch, erklärte, dies sei „kein Grund zur Freude. Hinter der Durchsetzung von Planungsdinosauriern wie der A 49 steht ein System, das den Straßenneubau verewigt und die Mobilitätswende ausbremst.“

Der Kampf um den Dannenröder Wald sei auch ein „Kampf für eine bessere Verkehrspolitik, in deren Mittelpunkt der Klimaschutz steht“, so Nitsch. Zugleich forderte er eine Überarbeitung des Bundesverkehrswegeplans, der bis 2030 allein 850 Kilometer zusätzliche Autobahnen in Deutschland vorsehe. „Es gibt keinen Grund, aufzuhören“, sagt auch „Noah“, wie er sich nennt, vom Bündnis „Wald statt Asphalt“.

„Nur weil die letzten Bäume gefällt sind, heißt das nicht, dass sich irgendwas an der sich anbahnenden Klimakatastrophe geändert hat. Deshalb müssen wir weitermachen und versuchen, einen Wandel herbeizuführen, mit dem wir das 1,5-Grad-Ziel einhalten können.“ Von 9. bis 18. April ist am Dannenröder Wald ein Klima-Camp geplant. Auch eine weitere Vernetzung und Bildungsarbeit sowie „eventuell auch direkte Aktionen“ seien in Planung, sagte der Aktivist.

Für den Weiterbau der A 49 waren seit dem 1. Oktober vergangenen Jahres insgesamt 85 Hektar Bäume im Herrenwald, im Dannenröder Forst und im Maulbacher Wald bei Homberg/Ohm gefallen. Das führte zum bisher größten und wohl auch längsten Polizeieinsatz mit mehreren tausend Beamten aus allen 16 Bundesländern und der Bundespolizei. Grund waren die teils massiven Proteste. Der Dannenröder Wald war mehr als ein Jahr lang von Autobahngegnern besetzt. Als der Polizeieinsatz dort begann, waren mehr als 400 Barrikaden und Baumhäuser entstanden, die bis 8. Dezember vergangenen Jahres geräumt wurden. Im Dannenröder Wald waren 27 Hektar Bäume zu fällen.

A-49-Ausstellungist beendet

Befürworter versprechen sich von dem Projekt weniger Verkehrsbelastung in Dörfern der Region und eine bessere Straßenanbindung.

Deges selbst erklärte gestern, man habe mit der Baufeldfreimachung – großflächige Fällungen und kleinere Nachfällungen, sowie die notwendigen Räum- und Rückearbeiten – die entsprechenden Voraussetzungen für die künftigen Bautätigkeiten der A 49 Autobahngesellschaft innerhalb des vertraglich vereinbarten Zeitrahmens geschaffen. Wobei das aus dem Boden holen der Baumstümpfe jetzt Sache der Autobahngesellschaft ist. Das ist auch nach Ende der Fällperiode erlaubt.

Noch gibt es aber offene Punkte für Deges: etwa den Rückbau des Logistikzentrums bei Dannenrod oder die laufende Sanierung der Straße zwischen Appenrod und Dannenrod. Und Deges bleibt auch bei den Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen in der Verantwortung.

Eines ist allerdings seit Montag definitiv beendet: die A-49-Ausstellung, die über die Planungen und die Bauausführung im Ausstellungsraum der Stadtallendorfer Stadthalle zu sehen war, während der Lockdown-Phasen allerdings nur noch sehr eingeschränkt. Im Netz soll die Ausstellung weiterhin unter der Adresse www.deges.de/a49 zu sehen sein. Außerdem gab es neun Bürgersprechstunden, die teilweise sehr stark genutzt wurden – von Anwohnern wie auch von Gegnern des Projektes.

Offen bleibt die Verlegung einer Starkstromleitung im Umfeld des Maulbacher Waldes. Hierzu hatte Deges weitere Fällungen beantragt, für die es bisher aber keine Erlaubnis gibt. Sie könnten nun frühestens ab Oktober stattfinden.

Hinter dem Zaun liegt der Teil des TNT-Zwischenlagers, der für das A-49-Betonwerk genutzt werden wird. Quelle: Michael Rinde

In Stadtallendorf stand zuletzt der Bau eines mobilen Betonwerks für die A 49 im Vordergrund (die OP berichtete). Seit Ende vergangener Woche ist klar, dass es auf einem Teil des TNT-Zwischenlagers entsteht.

Von unserer Agenturund Michael Rinde

01.03.2021
01.03.2021