Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Zwei Drittel der Trasse gerodet
Landkreis Ostkreis Zwei Drittel der Trasse gerodet
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:33 27.10.2020
Große Flächen im Herrenwald sind bereits gerodet.
Große Flächen im Herrenwald sind bereits gerodet. Quelle: Foto: Nadine Weigel
Anzeige
Stadtallendorf

Aus Sicht von Polizei und Forstarbeitern war e Dienstag ein vergleichsweise ruhiger Arbeitstag. Die Bundesstraße 62 war vom Morgen an ab Lehrbach in Richtung Niederklein gesperrt. Zwischenzeitlich verbreitete die Polizei auf „Twitter“ die Meldung von einem im südlichen Herrenwald gefundenen Materiallager mit Hämmern, Nägeln, Sägen, Seilen und Bolzenschneider. Anmerkung der Polizei dazu: „Die Eigentümer können sich gerne bei uns melden.“

Noch liegen auf vielen der von Harvestern und Forstarbeitern abgearbeiteten Flächen im Herrenwald Baumstämme und Astwerk. Welche Dimension die Autobahntrasse haben wird, ist inzwischen aber klar erkennbar geworden. Gestern aufgenommene Drohnenbilder der OP zeigen es deutlich. Die geschlagene Schneise ist dabei zwischen 40 und 90 Metern breit im Herrenwald. Diese Spannbreite hängt von der Topographie des Geländes ab. Rund um die Stadtallendorfer Anschlussstellen Nord und Süd fallen die Fällschneisen natürlich deutlich breiter aus. So ist bei Stadtallendorf Süd, wie Deges-Sprecherin Pia Verheyen der OP erläutert, beispielsweise eine Schneise von rund 200 Metern Breite nötig, weil schlicht mehr Platz für den späteren Straßenbau benötigt wird.

Noch Arbeitim Süden

Zwischenbilanz: Im Herrenwald sind nunmehr rund 36,5 von geplanten etwa 49 Hektar Wald auf der Trasse gefällt worden, Stand gestern Abend. Hinzu kommen die bereits gefällten 3,5 Hektar Waldfläche, die im Maulbacher Wald im Vogelsbergkreis gleich Anfang Oktober gefällt wurden.

Wo stehen noch weitere Baumfällarbeiten im Herrenwald in den nächsten Tagen und Wochen an? Der Fokus wird vor allem auf Waldflächen im südlichen Herrenwald rund um die geplante Anschlussstelle liegen. Dort seien noch einige Hektar zu fällen, ebenso auf beziehungsweise unmittelbar beim Bundeswehrgelände.

Wie gut oder schlecht die Fällarbeiten inzwischen im gesteckten Zeitrahmen liegen, will Deges nicht bewerten. Eine Bewertung werde es erst nach Ende der Fällperiode geben, so die Projektgesellschaft. „Wir gehen davon aus, die Fällarbeiten bis zum Ende der Fällperiode am 28. Februar abzuschließen“, so Sprecherin Verheyen. Als drittes größeres Gebiet steht der Dannenröder Wald noch an, das eigentliche Symbol des Widerstandes gegen den Weiterbau der A 49. Dort geht es um rund 26 Hektar Bäume, die zu fällen sind. Die Trasse durchtrennt den Wald dabei. Letztlich geht es anteilig um etwa 3 Prozent des Dannenröder Waldes, der gefällt werden soll (die OP berichtete).

Vier Haftbefehle wegen Fluchtgefahr

Nach den Abseilaktionen an Autobahnen im Rhein-Main-Gebiet wurden gestern elf Gegner des Weiterbaus der A 49 dem Haftrichter vorgeführt. Gegen vier von ihnen wurde am gestrigen Abend Haftbefehl wegen Fluchtgefahr erlassen, erklärte eine Gerichtssprecherin. Den Ermittlungen zufolge hätten sich die elf Autobahngegner am Vortag von Brücken über die Autobahnen 3, 5 und 661 in etwa vier Metern Höhe abgeseilt „und dadurch absichtlich Vollsperrungen im Berufsverkehr“ verursacht, teilte Nadja Niesen, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt, mit. Was mit den übrigen sieben Ausbaugegnern nun geschieht, gegen die kein Haftbefehl erlassen wurde, war am Abend noch unbekannt.

Die Polizei hatte bei der Aktion nach Angaben vom Montag 30 Aktivisten vorläufig in Gewahrsam genommen. Darunter waren demnach zwölf Personen, die sich an den drei Brücken abgeseilt hatten sowie 18 weitere, die die Aktionen unterstützten. Zunächst hieß es, dass sich nach einer vorläufigen Bewertung der Staatsanwaltschaften Frankfurt und Wiesbaden 19 dieser Personen wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und Nötigung verantworten müssen.

Von Michael Rinde und unserer Agentur