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13:58 09.02.2021
Karl-Heinz Kräling zeigt, wie der Stall einst aussah - und was er und seine Helfer (bisher) daraus gemacht haben.
Karl-Heinz Kräling zeigt, wie der Stall einst aussah - und was er und seine Helfer (bisher) daraus gemacht haben. Quelle: Florian Lerchbacher
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Mardorf

Früher lebten Schweine und Rinder darin, bald soll der ehemalige Stall neben dem einstigen Mardorfer Schwesternhaus Pilger beherbergen und Platz für ein Repair-Café bieten. Möglich machten dies einige fleißige Bürger, die sich für den Erhalt des Gebäudes einsetzten und in ihm mehr sahen als nur ein marodes Bauwerk: Für sie ist es eine Chance, das Angebot des Bürgervereins „Leben und Altwerden in Mardorf“ um einen beziehungsweise zwei zusätzliche Bausteine zu erweitern.

Abriss oder Sanierung? Das war zunächst die Frage

Seit nunmehr sieben Jahren laufen die Planungen. Die Kirchengemeinde Mardorf habe einst vorgehabt, den ehemaligen Stall (Baujahr 1898) abzureißen. Doch der Bürgerverein hatte anderes vor und stellte daher den Antrag, das Gebäude zu nutzen, wie Karl-Heinz Kräling berichtet.

„Was du erbst von Deinen Vätern, erhalte es, um es zu besitzen“, zitiert er einen „alte Mardorfer“ als Antwort auf die Frage, ob ein Abriss nicht die einfachere Lösung im Vergleich zu einer Sanierung gewesen wäre.

Denn unter anderem waren das Dach völlig im Eimer, der Boden durchgebrochen, Holzbalken durchgefault und der Schornstein am umfallen. Ganz zu schweigen davon, dass die alten Mauern ein neues Dach ohne einen entsprechenden Unterbau gar nicht erst getragen hätte.

Und so warben die Mardorfer 9 600 Euro beim Paritätischen Wohlfahrtsverband ein, die sie in den Erhalt stecken wollten und machten sich an die Arbeit. 2017 ging das Projekt in die konkrete Planung. Zunächst standen der Abriss des Daches und das Entfernen anderer maroder Bauteile an. Danach bauten die Ehrenamtler beispielsweise Pfeiler und einen Ringanker ein - ein Teil des Projektes, das Maurermeister und Bauführer Kräling besonders am Herzen liegt, weil es die Grundvoraussetzung für den Aufbau des Sparrendachs unter Anleitung von Lothar Gockel darstellte.

742 Arbeitsstunden wurden bisher investiert

Außerdem brauchten die Mardorfer die Fensteröffnung neu: „Das mussten wir ändern, weil die Roßdorfer Firma Rhiel uns kaum gebrauchte Fenster - und zwei neue Türen – kostenlos zur Verfügung stellte und auch gleich noch einbaute“, freut sich Kräling. Anschließend verputzten die Ehrenamtler noch das umgestaltete und teilrenovierte Gebäude, bei dem aber noch die Ausarbeiten anstehen.

Ins Obergeschoss, in dem eines Tages Pilger (Mardorf liegt am Elisabethpfad) übernachten können, kommt beispielsweise noch ein neuer Holzfußboden.

Des Weiteren muss eine neue Treppe eingebaut werden. Und auch im Untergeschoss stehen noch einige Arbeiten an, bis die ehemaligen Stallungen zwei Werkstatträume und ein Badezimmer beherbergen können.

742 Arbeitsstunden haben die Helfer bisher in das Projekt investiert – einige davon auch in die Außenfläche, die zwischen dem einstigen Stall und dem rundum sanierten ehemaligen Schwesternhaus, in dem inzwischen nicht nur der Bürgerverein angesiedelt ist, sondern auch betagteren Mietern Wohnraum bietet.

„Wir haben die Fläche abgeschachtet und dabei festgestellt, dass sie einst gepflastert war“, berichtet Kräling mit Verweis auf jede Menge historische Pflastersteine, die derzeit noch vor dem ehemaligen Stall liegen. Was mit ihnen passiert und ob sie wiederverwendet werden, könne er nicht sagen: „Sie gehören der Kirche.“

Von Florian Lerchbacher

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