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Ostkreis Farbenfroh und Freude machend
Landkreis Ostkreis Farbenfroh und Freude machend
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14:59 05.09.2021
Erstmals gestalten Inge Eismann-Nolte und Werner Eismann eine Ausstellung, bei der ausschließlich Werke der beiden Eheleute zu sehen sind.
Erstmals gestalten Inge Eismann-Nolte und Werner Eismann eine Ausstellung, bei der ausschließlich Werke der beiden Eheleute zu sehen sind. Quelle: Florian Lerchbacher
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Mardorf

Seit 31 Jahren sind Inge Eismann-Nolte und Werner Eismann ein Paar, seit 21 Jahren sind die beiden verheiratet – doch auch nach so langer Zeit gibt es immer noch Premieren: Erstmals gestalten die Mardorfer in der „Galerie Altes Sägewerk“ der Eheleute Hoerder in Rauschenberg gemeinsam eine Ausstellung, bei der tatsächlich nur ihre Werke zu sehen sind.

16 Jahre ist es her, dass Eismann-Nolte eine lebensveränderte Entscheidung traf: Sie schmiss damals ihren sehr viel Zeit in Anspruch nehmenden Beruf im Außendienst mehrerer Kosmetikfirmen hin. Arbeitsuchend wollte sie sich aber nicht melden, also entstaubte sie eine Staffelei und ein paar alte Farben und machte sich ans Werk – nicht ahnend, dass sie eines Tages mit dem Otto-Ubbelohde-Preis ausgezeichnet werden würde. Vor allem aber überraschte sie zunächst einmal ihren eigenen Ehemann mit ihrer Kunst. „Ich wusste überhaupt nichts von ihrem Talent“, erinnert sich Werner Eismann. Zwar habe ihm seine Frau sehr wohl davon erzählt, dass sie künstlerisch begabt sei: „Aber gesehen hatte ich nie etwas.“ Umso begeisterter fiel seine Reaktion aus – und auch die ihrer Mitmenschen.

Erste Ausstellung im Gemeenshaus

Recht bald schlug Eismann-Nolte den Weg als Künstlerin ein, an den sie in ihrer Jugend nie gedacht hatte: „Das war nie eine Option in meinem Elternhaus. Künstlerin war ja kein Beruf“, erinnert sich die heute 65-Jährige. Im Alter von 50 habe sie kurz überlegt, ob eine Ausbildung für sie noch in Frage komme: „Aber ich fand, dass ich dafür zu alt bin – außerdem wollte ich niemand Jüngerem einen der wenigen Plätze wegnehmen.“ Also sei sie einfach an die Grundschule Mardorf gegangen und habe gefragt, ob sie mit Schülern ein paar Kunstprojekte umsetzen könne. Gesagt, getan. Resultat war ihre erste Ausstellung, die sie im Gemeenshaus gemeinsam mit den Jungen und Mädchen und einer Freundin bestückte.

Das Feedback sei gut gewesen, also habe sie einfach weitergemacht. Am liebstem male sie mit Öl, betont Eismann-Nolte, doch noch lieber probiere sie neue Techniken aus und kombiniere diese auch. Dabei beschränkt sie sich aber nicht nur aufs Malen: Sie gestaltet auch Skulpturen, filzt Figuren und andere Gegenstände, schnitzt, polstert und vieles mehr. Was sie künstlerisch auch anpackt, es gelingt ihr einfach – womit sie nicht nur ihren Mann beeindruckt, der zwar musikalisch ähnlich vielfältig ist (er spielt Bass, Gitarre, Klavier und Schlagzeug), aber als Künstler auf die von ihm entwickelte „Wusch-Technik“ setzt, für die er Fotos von vornehmlich Gebäuden mit verschiedenen Filtern bearbeitet.

Rund 20 Jahre ist es her, dass der mit den Bands Softeis und Purple überregional bekannte Musik-Liebhaber seine Begeisterung fürs Fotografieren entdeckte. Recht schnell habe er auch ein paar Ausstellungen gestaltet, doch nicht die erhoffte Resonanz erhalten. Das Feedback war wohl gut, aber von der Bühne ist er tosenden Applaus gewohnt – und der blieb aus. Also begann er, mit seinen Bildern zu experimentieren, und entwickelte seine eigene Bearbeitungstechnik, auf die er voll setzt. „Aber so flexibel wie meine Frau bin ich einfach nicht“, gibt er zu. Diese jedenfalls arbeitet mal mit Öl, mal mit Acrylfarben, dann mit Aquarellfarben oder mit Kohle. Sie wisse einfach intuitiv, welche Technik für welche Motivart sich eigne, erklärt sie. Jüngst entdeckte sie beim Frühstückskaffee in der Maserung des Holzes eine Art Gesicht – daraus entstand eines ihrer neuesten Kunstwerke, das Baumgesichter zeigt. Diese wirken nicht nur dreidimensional, sondern sind es auch noch.

Zwischendurch gibt’s ein kleines Konzert

Zudem illustrierte sie in Pandemiezeiten für die Autorin Beatrice Miguel das Kinderbuch „Lillys abenteuerliche Reise“ mit rund 50 Bildern auf 80 Seiten, das während der Ausstellung auch zu kaufen ist. Viel wichtiger für Eismann-Nolte: Sie stellt im Alten Sägewerk auch Original-Illustrationen aus, die sie auch noch mit extra gefilzten Figuren aus dem Buch garniert.

„Farbenfrohe Gemälde, ausdrucksstarke Porträts und Skulpturen mit besonderem Charakter sind ihr Markenzeichen. Immer offen für neue Techniken ist die Bandbreite ihrer Arbeiten überraschend und sehr vielfältig“, beschreibt Anne Hoerder die Mardorfer Künstlerin, während sie über Werner Eismann sagt, dass er harmonische und farben-frohe Werke gestaltet, „die sich so entwickeln, wie er einen Musiktitel komponiert“. Für die Eheleute ist wichtig, Kunst zu schaffen, die fröhlich macht.

Die Ausstellung „Neue Werke“ in der „Galerie Altes Sägewerk“ in Rauschenberg ist an den Wochenenden 4./5. und 11./12. September von jeweils 11 bis 17 Uhr zu sehen. Zwischendurch ist ein kleines Konzert mit „entspannter Sommermusik“ von Werner Eismann geplant. Der Eintritt ist kostenlos. Es gelten die Corona-Regeln des Landkreises Marburg-Biedenkopf.

Von Florian Lerchbacher

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