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Ostkreis Affengeil
Landkreis Ostkreis Affengeil
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21:43 01.04.2020
Amöneburg bekommt eine echte Attraktion: Bald leben Kattas am Fuß des Berges. Quelle: Foto: Martin Schutt/dpa
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Amöneburg

Da laust mich doch der Affe, dürfte so mancher gedacht haben, der sich in den vergangenen Jahren mit den sich stets ändernden Plänen für den ehemaligen Steinbruch beziehungsweise die ehemalige Erddeponie auseinandersetzte. Teilweise wurde auch ein ganz schönes Affentheater veranstaltet. Doch das Schöne ist: Irgendwie waren das alles Vorboten, wie sich zeigt. Denn inzwischen hat sich in der ursprünglich aus Stadtallendorf stammenden und nun in Marburg lebenden Familie Görge ein Investor gefunden, der auf dem Gelände des sogenannten Atmen-Projektes seine ganz eigenen Pläne umsetzen will: Die Görges haben vor, dort ihren dritten Erlebnispark zu errichten – dessen zentrale Elemente eine Sommerrodelbahn, viel wichtiger aber noch Lebensraum für Affen sind.

Im Kyffhäuserkreis in Thüringen (seit Anfang der 1990er) und an der Müritz in Mecklenburg-Vorpommern (seit Anfang der 2000er) betreiben sie solche Anlagen, dort allerdings mit Berber-Affen. Bei den Berger-Affen (also den Affen für die Berger) setzen sie indes eher auf „publikumsfreundliche“ Tiere, genauer gesagt auf Siamangs und Kattas. Und Erdmännchen bekommen auch noch ein eigenes Gelände. „Siamangs und Kattas sind viel zutraulicher als Berber-Affen, die auch mal die Zähne fletschen. Das wird eher eine Art Streichelzoo“, erklärt Seniorchef Alfred Görge – der hauptberuflich mit seinen Söhnen Andreas und Tobias in Cölbe Gesellschaften für Wirtschaftsprüfung beziehungsweise Steuerberatung in Cölbe betreibt.

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Gibbons seien auch noch eine Option. „Die singen so schön“, sagt Bürgermeister Michael Plettenberg dazwischen und freut sich, dass die Stadt Amöneburg – nein, sogar die ganze Region – den vor sechs Jahren beim Steinbruch-Projekt-Beginn versprochenen Publikumsmagneten bekommt. Nicht in Form der angedachten Veranstaltungshalle oder des Badeteichs, des Biohotels oder eines Naturschutzzentrums, wohl aber in für den Landkreis ganz neuer Form.

Die Görges planen eine Millioneninvestition, um am Ende einen Erlebnispark präsentieren zu können, der ganzjährig nutzbar ist – im Gegensatz zu den bisherigen beiden Standorten im Osten Deutschlands. Vorteil in Amöneburg ist, dass für den Bau der Sommerrodelbahn „nur noch erhebliche Erdbewegungen“ notwendig sind. In Meck-Pomm hatte die Familie einst einen Hügel künstlich schaffen müssen. Dafür nutzte sie Schlick, der beim Ausbaggern des Rostocker Hafens zutage gefördert wurde. Apropos Wasser: Der für einen Badeteich geplante Bereich am Berg wird aufgefüllt – bis auf einige Flächen, an denen sich die Tiere abkühlen und amüsieren können. Die Kattas sollen dort „wohnen“, wo einst die Parkflächen geplant worden waren (also vom Eingang aus rechts). Die Heimat der Siamangs wird, vom Eingang aus gesehen, im oberen Geländebereich Richtung Kernstadt liegen. Etwas links davon kommen die Erdmännchen unter. Für alle sind eigene Gehege und beheizte Gebäude geplant.

Besonderheit der Sommerrodelbahn: Es soll zwei Schleifen geben – mit Brücken, Kreiseln und einem Tunnel. „Zwei Spuren ist unüblich“, verrät Alfred Görge, während Sohn Tobias erläutert, dass eine Gesamtstreckenlänge von 1 150 Metern vorgesehen sei: „Was schon ziemlich lang ist.“ Er rechnet mit einer Fahrtzeit (inklusive der Strecke, bei der man bergauf gezogen wird) von rund sieben Minuten. Bei diesem Teil des Projektes arbeiten die Görges mit dem aus Hünfeld kommenden Weltmarktführer im Sommerrodelbahn-Bau zusammen.

An den Eingang (auf die ehemalige „Aktionsfläche“), also rund um den „Bahnhof“ der Rodelbahn, kommen unter anderem ein Imbiss, eine Betriebswohnung, Grillstellen, ein Spielplatz und ein überdachtes Gebäude für wetterunabhängige Veranstaltungen. Rodelbahn und Affengehege werden zwar miteinander verwoben, sich aber nicht in die Quere kommen, wie die Investoren erläutern. Durch die Gelände der Tiere führen jeweils Fußwege. Eintritt für die Attraktionen ist separat zu berappen.

Diplom-Geologe Folke Diederich, der die ursprünglichen Pläne für den ehemaligen Steinbruch entwickelt hatte, betont, dass bis zur Umsetzung des Projektes noch einiges an Fleißarbeit zu erledigen sei. Das Regierungspräsidium habe während einer Antragskonferenz „keine echten Probleme“ gesehen, so Plettenberg. Beispielsweise müsse der Bebauungsplan überarbeitet werden, „aber insgesamt ist die Genehmigungslage gegeben“. Die Eingriffe in die Natur würden jedenfalls schon einmal geringer ausfallen als bei den ursprünglichen Ansätzen – von denen eigentlich nur noch die Anlagen der regenerativen Energiegewinnung nicht komplett vom Tisch sind. Die Stadt Amöneburg plant mit einem Erbbaupachtvertrag mit späterer Kaufoption für die Görges – wenn das Gelände der ehemaligen Erddeponie in einigen Jahren aus dem abfallrechtlichen Verfahren entlassen wird. Plettenberg schwärmt vom „sanften Tourismus“ und freut sich auf Pachteinnahmen, Gewerbesteuer und neue Arbeitsplätze: „Außerdem stärken wir den Wirtschaftsstandort Ostkreis insgesamt, weil die Gäste des Parks auch hier essen, einkaufen und vielleicht übernachten werden.“

Schon seit einiger Zeit suchen die Görges nach einem Standort in der Region für ihren dritten Erlebnispark. Auf Amöneburg seien sie durch einen Tipp von Helmut Euler, Vorstandsvorsitzender der VR-Bank Hessenland, gekommen. Dabei kennt Alfred Görge die Stadt wie seine Westentasche, besuchte der doch einst die Stiftsschule. Und so hat er auch schon Bekanntschaft mit dem Berg und seiner Steigung gemacht: Nicht nur einmal in seinem Schulleben habe er den beschwerlichen Weg den Basaltkegel hinauflaufen müssen, erinnert er sich. Die Umsetzung des Erlebnispark-Projektes soll im kommenden Jahr beginnen – zunächst mit dem Bau der Sommerrodelbahn.

Von Florian Lerchbacher

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